Das Vermächtnis des "Point God": Chris Pauls glanzvolle Karriere mit bitterem Ende

Chris Paul während eines Spiels der LA Clippers
Chris Paul während eines Spiels der LA ClippersHarry How/Getty Images via AFP

Anfang dieses Monats erschütterte eine Nachricht die Basketballwelt: Chris Paul verkündete in seiner 21. NBA-Saison seinen Rücktritt. Es war bereits das zweite Mal innerhalb weniger Wochen, dass sein Name für Schlagzeilen sorgte.

Zum ersten Mal war es Anfang Dezember, als die Los Angeles Clippers ihn mitten während einer fünftägigen Auswärtstour überraschend entließen und damit einer eigentlich emotionalen Rückkehr ein abruptes, schmerzhaftes Ende zufügte.

Clippers-Manager Lawrence Frank erklärte damals, man übernehme die Verantwortung für die sportliche Misere und wolle Paul nicht zum Sündenbock machen. Dennoch blieb die Entscheidung rätselhaft und sorgte ligaweit für Fassungslosigkeit.

Chris Paul gilt als einer der besten Point Guards aller Zeiten. Zwar blieb ihm ein Meisterschaftsring verwehrt, doch sein Einfluss auf jede Franchise, für die er spielte, war enorm. Der "Point God" verdiente sich seinen Spitznamen durch außergewöhnliches Spielverständnis, präzises Passspiel und unerschütterlichen Siegeswillen.

Eine Auswahl seiner Leistungen verdeutlicht seinen Einfluss: 5× Assist-Champion, 11× All-NBA-Team, 9× All-Defensive-Team, 6× Steal-Champion, Mitglied des NBA 75th Anniversary Teams. Mit nur 1,80 m Körpergröße musste der Mann aus North Carolina sein Spiel perfektionieren. Er entwickelte einen tödlichen Mitteldistanzwurf, meisterhafte Ballkontrolle und wurde zu einem der intelligentesten Verteidiger seiner Generation.

Der Weg durch die Liga

Paul spielte zwei Jahre an der Wake Forest University, bevor er sich 2005 zum Draft anmeldete. Die New Orleans Hornets wählten ihn an vierter Stelle. Schon in seiner Rookie-Saison überzeugte er mit 16,1 Punkten, 7,8 Assists und 2,2 Steals im Schnitt und wurde Rookie of the Year.

Nach sechs Jahren in New Orleans folgte der Wechsel zu den Los Angeles Clippers. Gemeinsam mit Blake Griffin und DeAndre Jordan bildete Paul das spektakuläre Trio "Lob City". Er dirigierte die Offensive, Griffin und Jordan vollendeten mit spektakulären Alley-Oops.

Die Clippers spielten attraktiv und erfolgreich, doch der ganz große Durchbruch blieb aus. 2017 wechselte Paul zu den Houston Rockets. Dort stand er 2018 kurz vor den NBA-Finals, doch eine Verletzung im Western-Conference-Finale gegen die Golden State Warriors beendete Houstons Titelträume.

Es folgten Stationen bei den Oklahoma City Thunder und den Phoenix Suns. In Phoenix erreichte Paul 2021 endlich die Finals, doch gegen die Milwaukee Bucks blieb der Titeltraum erneut unerfüllt. Später spielte er noch für die Golden State Warriors sowie die San Antonio Spurs.

Dort schrieb er weiter Geschichte: Er wurde der erste Spieler der NBA-Historie mit mindestens 23.000 Punkten und 12.000 Assists und absolvierte mit 40 Jahren noch einmal alle 82 Saisonspiele.

Umstrittene Rückkehr nach Los Angeles

In dem Wissen, dass seine Karriere sich dem Ende näherte, kehrte Paul noch einmal zu den Clippers zurück. Er akzeptierte eine Rolle als Veteran von der Bank, wollte aber weiterhin führen und Impulse setzen. Doch Spannungen ließen nicht lange auf sich warten.

Paul forderte hohe Standards ein, korrigierte Mitspieler, hinterfragte Trainingsmethoden. Seine Intensität stieß nicht überall auf Zustimmung. Es kam zu Differenzen mit Head Coach Tyronn Lue sowie mit Assistent Stan Van Gundy.

Nach einem katastrophalen Saisonstart und mehreren internen Gesprächen zogen die Clippers mitten während eines Roadtrips die Reißleine. Paul wurde ohne Vorwarnung nach Hause geschickt. Vier Tage zuvor hatte die Franchise noch ein Tribut-Video veröffentlicht und angekündigt, er werde seine Hall-of-Fame-Karriere "zu Hause" beenden. Die Kehrtwende wirkte befremdlich.

Ein bitteres Ende

Nach einem kurzen Intermezzo bei den Toronto Raptors, die ihn nach einem Trade sofort entließen, entschied sich Paul schließlich, offiziell zurückzutreten. Sein Abschied verlief nicht so würdevoll, wie es seiner Karriere entsprochen hätte. Doch das ändert nichts an seinem Vermächtnis.

Über zwei Jahrzehnte hinweg setzte Chris Paul Maßstäbe auf der Point-Guard-Position. Er war Stratege, Antreiber, Perfektionist – manchmal unbequem, immer ehrgeizig. Trotz aller Kontroversen am Ende bleibt eines unbestritten: Chris Paul wird als einer der größten Spielmacher in die Geschichte der NBA eingehen.