USA-Blamage im Baseball-WM-Finale: Und am Ende singt und tanzt nur Venezuela

Venezuela feiert den Sieg der Baseball-Weltmeisterschaft in den USA.
Venezuela feiert den Sieg der Baseball-Weltmeisterschaft in den USA.Sam Navarro-Imagn Images via REUTERS

Es war ein Abend, der so gar nicht dem Selbstverständnis von Donald John Trump entsprach. Er begann mit Buhrufen gegen die Superstars der USA, und als Venezuela, ja, ausgerechnet Venezuela das emotional maximal aufgeladene Endspiel der Baseball-Weltmeisterschaft in Miami gewonnen hatte (3:2), da sangen die Sieger auch noch voller Inbrunst "Gloria al bravo pueblo", "Ruhm dem tapferen Volke" - die venezolanische Nationalhymne.

Trump, der im Januar die Militäraktion in Venezuela mit der Festnahme von Präsident Nicolas Maduro abgesegnet hatte, konnte im Umfeld des Spiels erwartungsgemäß nicht an sich halten. Vor dem Endspiel schrieb er voller Ironie: "Venezuela widerfährt viel Gutes in letzter Zeit. Ich frage mich, was hinter dieser Magie steckt." Zugleich suggerierte er mit den Worten "Statehood #51", Venezuela werde der 51. Bundesstaat der USA werden.

Kurz nach der Niederlage postete der US-Präsident erneut. "STATEHOOD!!! President DJT", schrieb er kurz und knapp. Was die Venezolaner in Miami und die Menschen in Venezuela nicht davon abhielt, den Sieg über die allzu siegessicheren Amerikaner ausgelassen zu feiern. Interimspräsidentin Delcy Rodríguez, die den gestürzten Maduro abgelöst hat, rief den Mittwoch sogleich und voller Genugtuung zum "nationalen Tag der Freude" aus.

Niederlage als Blamage für USA

"Was soll ich sagen, es ist unglaublich", sagte Matchwinner Eugenio Suarez, der für den entscheidenden Punkt im neunten Inning gesorgt hatte. "Niemand hat an Venezuela geglaubt, aber jetzt gewinnen wir die Meisterschaft. Das ist ein Fest für das ganze Land Venezuela." Rodríguez betonte voller Pathos: "Dieser Triumph ist der Sieg der Leidenschaft, des Talents und der Einheit, die uns als Venezolaner auszeichnen."

Zum Match-Center: USA vs. Venezuela

Für die USA kam die Niederlage einer Blamage gleich. Vor drei Jahren hatten die Amerikaner ein dramatisches Endspiel gegen Japan verloren. Damit es bei der sechsten World Baseball Classic endlich mit ihrem dem ersten Sieg klappt, traten sie fast mit dem Besten vom Besten an. Doch die Überlegenheit war nur gefühlt: Venezuelas Spieler sind ebenfalls in Nordamerikas Major League Baseball (MLB) beschäftigt, und was sie den Amerikanern voraus hatten, waren Hingabe und Lockerheit.

Die unterschiedliche Herangehensweise wurde schon vor dem Finale deutlich. Das US-Team liefen ein in Trikots, in denen die Eishockeyspieler des Landes Gold bei Olympia gewonnen hatten. Vor dem Endspiel lud die Mannschaft den früheren Navy Seal Robert O'Brian, der von sich behauptet, Osama Bin Laden getötet zu haben, in die Kabine ein, um eine Motivationsrede zu halten. Die Venezolaner? Versprühten Freude. Sie tanzten sich buchstäblich warm.

"Venezuela", schrieb der Baseball-Experte Jeff Passan von ESPN nach dem Spiel fast bewundernd, "ist ein großartiges Baseball-Land, reich an Geschichte, voller Leben, mit einer Liebe und Leidenschaft für das Spiel, die es noch besser macht. Seine Spieler waren aus gutem Grund zu Tränen gerührt. Baseball bedeutet ihnen alles. Das hier bedeutet ihnen alles."