GESCHICHTE: Toto Wolff hatte nach dem Grand Prix von Japan ein Hühnchen mit seinem Shootingstar zu rupfen. "Da müssen wir in die Fahrschule", scherzte der Mercedes-Teamchef über den wieder einmal verpatzten Start von Kimi Antonelli. Doch weil der Italiener an diesem Tag das "Glück des Tüchtigen" hatte und dank einer Safety-Car-Phase nach vorne gespült wurde, fiel das nicht mehr ins Gewicht.
Durch seinen zweiten Saisonsieg stieg der Italiener zum jüngsten WM-Führenden in der langen Historie der Formel 1 auf, mit einem Vorsprung von neun Zählern auf George Russell im zweiten Silberpfeil geht Antonelli in die kriegsbedingte längere Pause. "Kimissimo!", jubelte die Gazzetta dello Sport.
Sainz warnt die FIA
SICHERHEITSDEBATTE: Carlos Sainz war stinksauer. "Wir haben schon lange davor gewarnt, dass so etwas passieren könnte", sagte der Spanier - und forderte Veränderungen: "Ich hoffe sehr, dass wir für Miami eine bessere Lösung finden werden."
Grund für den Unmut des Williams-Fahrers war der heftige Abflug von Oliver Bearman. Deutlich schneller als sein Vordermann Franco Colapinto unterwegs, konnte der Engländer nur noch ausweichen, kam dabei auf das Gras und krachte in die Streckenbegrenzung. "Stellen Sie sich nun vor, Sie fahren in Baku, Singapur oder Las Vegas", sagte Sainz, wo solche "Unfälle direkt neben den Mauern" stattfinden würden.
Aufgrund der Hybridmotoren mit hohem Energieanteil sind die Fahrer auf der Strecke teilweise mit drastisch unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs, das sorgt immer wieder für gefährliche Momente. Immerhin: Der Automobil-Weltverband FIA kündigte eine "strukturierte Überprüfung" an.
ZUKUNFT: Auch Max Verstappen findet die neue Formel 1 schrecklich, nannte diese einen "Witz". Nach seinem enttäuschenden achten Platz erreichte sein Frust einen neuen Höhepunkt. Er habe "keinen Spaß mehr an der ganzen Sache", motzte der Niederländer bei BBC Radio 5 Live und schloss einen baldigen Abschied aus der Königsklasse nicht aus. "Lohnt es sich? Oder genieße ich es mehr, zu Hause bei meiner Familie zu sein, meine Freunde öfter zu sehen, wenn man keinen Spaß am Sport hat?", fragte der viermalige Weltmeister.
Hülkenberg noch nicht in Tritt
Sein schwacher Red Bull spiele dabei keine Rolle. Er könne "problemlos akzeptieren, auf Platz sieben oder acht zu stehen, wo ich gerade bin", sagte Verstappen: "Ich habe in der Formel 1 nicht nur gewonnen. Aber wenn man auf Platz sieben oder acht liegt und nicht die ganze Formel dahinter genießt, fühlt sich das für einen Rennfahrer nicht natürlich an."
WARTEN: Drittes Rennen, wieder keine Punkte: Für Nico Hülkenberg läuft die erste Saison im Audi weiter nicht nach Plan. Auch in Japan musste sich der Emmericher mit dem undankbaren elften Platz begnügen - weil auch er wie Rennsieger Antonelli nicht gut in das Rennen kam. "In den kommenden Wochen müssen wir uns als Team darauf konzentrieren, unsere Starts zu verbessern", sagte Hülkenberg, der zwischenzeitlich nur auf dem 19. Rang gelegen hatte.
Dennoch hat er weiterhin vollstes Vertrauen in das Projekt. Bis Anfang Mai in Miami habe der Rennstall "Zeit, alles zu analysieren und gestärkt zurückzukommen".
