Go West: Schumachers Start ins Abenteuer IndyCar

Schumacher hat die Formel 1 weiter im Hinterkopf
Schumacher hat die Formel 1 weiter im HinterkopfČTK / imago sportfotodienst / Andreas Beil

Schon die Pet Shop Boys hatten die Lösung parat, damals vor mehr als 30 Jahren. In "Go West" sangen sie vom neuen Leben an einem besseren Ort, und Mick Schumacher versucht es jetzt einfach mal. Zwar mag dieser besungene Westen mittlerweile an Reiz verloren haben, motorsportlich haben die USA aber durchaus etwas zu bieten. Ab diesem Wochenende ist die IndyCar-Serie die neue Heimat des deutschen Rennfahrers mit der schon jetzt bewegten Geschichte.

Das sei "rauer, ursprünglicher Motorsport, sowas findet man selten", sagt Schumacher über die Herausforderung, die für ihn mit dem ersten Saisonrennen am Sonntag (18.00 Uhr MEZ/Sky) auf dem St. Petersburg Racetrack in Florida beginnt. Der 26-Jährige ist also wieder mal ein Neuling, die Rolle kennt er zur Genüge, und er will sie gar nicht erst ausfüllen wie ein solcher. "Ich werde dieses Jahr nicht als Rookie-Jahr sehen, weil ich es mir auch nicht erlauben will, Fehler wie ein Rookie zu machen", sagt Schumacher, "ich kämpfe lieber um den Titel, als Rookie of the Year zu werden."

Neuling war Schumacher zuletzt in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC), davor in der Formel 1 - und die Königsklasse war immer das Leitmotiv seiner Karriere, nicht bloß wegen des maximal erfolgreichen Vaters. Nach zwei schwierigen Jahren bei Haas (2021, 2022) hoffte Schumacher lange auf eine Rückkehr, eine Tür öffnete sich aber nicht mehr. Der Abschied ins IndyCar könnte endgültig einen alternativen Karriereweg bedeuten.

IndyCar-Serie genießt große Beliebtheit

Sichtbarer als zuletzt im WEC-Prototypen ist Schumacher dort zweifellos, zumindest in Nordamerika. Zwar gewinnt auch in den Vereinigten Staaten die Formel 1 Jahr für Jahr an Popularität, die IndyCar-Serie ist aber absolut etabliert und lockt regelmäßig ein Millionenpublikum vor die Bildschirme - wenig Motorsportliches kann dort mit dem Jahreshöhepunkt mithalten: Die 500 Meilen von Indianapolis sahen 2025 im Schnitt 7 Millionen Menschen. Die prominenten Piloten sind durchaus Stars in den USA.

Schon in den vergangenen beiden Jahren seien die Teams aus der Rennserie verstärkt auf ihn zugekommen, sagt Schumacher, er begann, sich eingehender mit dieser Möglichkeit zu beschäftigen. Und grübelte durchaus. "Das einzige, was ich nicht kannte, war das Oval", sagt Schumacher über die typischen Rundkurse, auf denen kaum gebremst wird: "Das war der Punkt, der mich hat zögern lassen."

Formel 1 im Hinterkopf

Für seinen Onkel Ralf Schumacher wäre genau dieses Format Grund genug gewesen, auf das Indy-Abenteuer zu verzichten. "Für mich stellt sich die Nutzen-Risiko-Frage", sagte der 50-Jährige in einer Sky-Presserunde: "Man muss kein Raketenwissenschaftler sein, um zu erkennen, dass Durchschnittsgeschwindigkeiten von 360 km/h gefährlicher sind als normale Formel-1-Rennen."

Mick Schumacher allerdings hat abgewogen, die Oval-Kurse "verstanden", wie er sagt. Und er kann in den USA sein Profil als Rennfahrer zweifellos erweitern. Zumindest im Hinterkopf scheint die Formel 1 weiterhin eine Rolle zu spielen. Einen Platz dort hätte er "verdient", sagt Ralf Schumacher, die Tür sei mittlerweile aber zu.

Der Neffe sieht das anders. "Es sind Single-Seater", sagt Mick Schumacher, "es gibt viele großartige Fahrer. Ich wüsste also nicht, warum der Wechsel ins IndyCar eine Tür schließen sollte."