Formel 1: "Goldjunge" Antonelli lässt Italien träumen – "Angriff auf den Titel!"

Kimi Antonelli (r.) und Toto Wolff feiern den Sieg des Italieners in Shanghai.
Kimi Antonelli (r.) und Toto Wolff feiern den Sieg des Italieners in Shanghai.Reuters

Als Italiens Fans zum bislang letzten Mal einen Sieg in der Formel 1 bejubeln durften, war ihr großer Hoffnungsträger noch gar nicht geboren. Damals, am 19. März 2006, triumphierte Giancarlo Fisichella in Malaysia, fast 20 Jahre später lässt Kimi Antonelli eine ganze Motorsportnation träumen.

"Er ist ein Goldjunge: nett, sympathisch, höflich", sagte Fisichella über den 19-Jährigen, der am Sonntag in Shanghai seinen ersten Sieg in der Königsklasse geholt hatte. Antonelli, 2006 in Bologna geboren und seit 2025 der Nachfolger von Lewis Hamilton bei Mercedes, "besitzt das Talent, um sogar seinen Teamkollegen George Russell herauszufordern", schrieb Tuttosport: "Nun heißt das Ziel: Angriff auf den Titel!"

Seit den goldenen 50er-Jahren, in denen Giuseppe Farina und Alberto Ascari Weltmeister wurden, warten die Italiener auf einen weiteren Champion. Klar, da war die Ära von Michael Schumacher bei Ferrari, aber einen italienischen Fahrer, der das Talent und das Auto hat, um den Titel zu holen, gab es Ewigkeiten nicht. Nun lässt Antonelli "Italien nach vielen Tränen wieder jubeln", schrieb Corriere dello Sport, für Corriere della Sera ist er bereits "der junge Kaiser von China".

Toto Wolff "gewinnt" seine Wette

Das herausragende Talent war bereits in ganz jungen Jahren zu sehen. Mercedes holte ihn 2018 ins Junioren-Team, Toto Wolff hat ein ganz besonderes Verhältnis zu Antonelli. Der Teamchef sei wie ein "Ziehvater", sagte Sky-Experte Ralf Schumacher. Mit der Entscheidung, Antonelli zum Stammfahrer bei den Silberpfeilen zu machen, hatte sich Wolff auch Kritik eingehandelt. Viele hielten den Schritt für voreilig, zumal Antonelli auf Rekordweltmeister Hamilton, einen der größten Fahrer der Geschichte, folgte. Doch Wolff blieb standhaft und hielt zu seinem jungen Fahrer. "Man muss ihm Fehler verzeihen", sagte er nun in China: "Diesmal fährt er das gnadenlos nach Hause."

Antonellis Sieg sei daher "für Toto Wolff eine gewonnene Wette", schrieb die Gazzetta dello Sport. Ende März in Japan wird Antonelli gemeinsam mit seinem Teamkollegen Russell erneut zu den Favoriten zählen. Die Silberpfeile sind allen überlegen, an den Kräfteverhältnissen in der noch sehr jungen Saison wird sich bis dahin nichts ändern. Dies könnte erst anschließend passieren, denn die langen Pause wegen der abgesagten Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien bietet allen die Chance, die Autos zu verbessern.

Darauf hofft auch Hamilton, obwohl er in China erstmals mit Ferrari aufs Podium gefahren war. Mercedes sei noch ein gutes Stück schneller, "sowohl beim Abtrieb und der Effizienz als auch bei der Leistung" müsse sich Ferrari steigern, um realistische Chancen auf den Sieg zu haben, sagte er. Seinem Nachfolger bei Mercedes gratulierte Hamilton herzlich und schwelgte ein wenig in Erinnerungen.

Sein erster Formel-1-Sieg in Kanada 2007 habe "ganz besondere Gefühle" ausgelöst, an diese könne er sich noch heute "genau erinnern", berichte der 41-Jährige bei der Pressekonferenz in Shanghai. "Damals war ich ein Jahr alt", erwiderte Antonelli lächelnd und brachte Hamilton zum Lachen. "Wahnsinn! Es ist einfach unglaublich, das zu sehen", sagte Engländer: "Herzlichen Glückwunsch, Kumpel!"