Denn "Dark Side", so nennt sich jene erbarmungslose, alles niedertrampelnde Defense-Büffelherde, von der die New England Patriots noch lange Albträume haben dürften. "Ganz ehrlich, einen Applaus für sie! Das war unglaublich", rief Darnold, er grinste in seinen perfekt gestutzten Bart. Sieben Mal rissen, rammten, walzten seine Mitspieler den gottverlassenen Patriots-Quarterback Drake Maye beim einseitigen 29:13 (9:0) in Santa Clara zu Boden.
Zum Match-Center: New England Patriots vs. Seattle Seahawks
Darnold, der einstige "Journeyman", hat seine wundersame Reise von der NFL-Lachnummer zum Champion vollendet. "Es ist ein Wahnsinnsgefühl", schwärmte der 28-Jährige nach einer Abwehrschlacht - auf überschaubarem Niveau, aber mit einem hochverdienten Sieger. Vor sechs Jahren hatte sich Darnold bei den New York Jets unter Dauerdruck noch heranstürmende Fleischberge eingebildet, wo gar keine waren. Weil Kameras sein Klagen darüber einfingen, wurde er zum Meme auf zwei Beinen.
Das hat definitiv ein Ende. Darnold führte die Seahawks in seinem ersten Jahr zum zweiten Titel der Teamgeschichte, den ersten brachte vor zwölf Jahren ebenfalls eine überragende Defense: die "Legion of Boom". Auch der Teufel der traumatischen Niederlage gegen die Patriots 2015 ist der Franchise ausgetrieben. "WIEDERGUTMACHUNG!", juchzte die Seattle Times.
Weil der Super Bowl die spektakuläre Verschmelzung von Pop, Sport, Entertainment und in diesem Jahr auch Politik bietet, ging es allerdings um mehr als nur Football. Donald Trump kam diesmal nicht ins Stadion, aber gegen die bunt-tollkühne Halftime-Show des Latino-Superstars Bad Bunny mit inklusiver Botschaft feuerte der Präsident der "Unvereinigten Staaten" in einer seiner bekannten Tiraden.
Super Bowl kommt lange nicht in Fahrt
"Absolut furchtbar! Ein Schlag ins Gesicht für unser Land", schimpfte Trump in seinem Netzwerk Truth Social. Kein Mensch verstehe "nur ein Wort" (Bad Bunny sang auf Spanisch, was 41 Millionen Amerikaner sprechen), das Getanze sei "widerlich". Dabei zauberte der Puertoricaner, bekannt als Kritiker von Trumps Abschiebepolitik, nur eine fulminante Viertelstunde gute Laune auf die Theaterbühne - mit einem Auftritt von Lady Gaga, einer echten Hochzeit und einer Verbeugung vor den Einwanderernationen.
In Deutschland half die Kontroverse dabei, nicht auf der Couch wegzunicken. Es war ein Nicht-so-richtig-super-Bowl, lange Zeit ein Abtausch erfolgloser Angriffsserien, Seahawks-Kicker Jason Myers verwandelte fünf Field Goals. Ein Rekord. Erst, als das "Big Game" bei 19:0 quasi entschieden war, kam ein zartes Glimmen auf, spannend wurde es aber nie.
Auch dank der fabulösen "Dark Side". Diese werde "in die Geschichte eingehen", betonte Headcoach Mike Macdonald nach seiner Dusche in gelbem Gatorade, "sie haben es für uns gerissen". Seine Spieler zogen da schon los in eine lange Nacht.
