Die Zahlen der Seattle Seahawks
Für die Seahawks bietet der Super Bowl die Chance, gleich mehrfach NFL-Geschichte zu schreiben.
Sollte Seattle auch im Endspiel ohne Turnover bleiben, wäre es das erste Team überhaupt, das einen kompletten Super-Bowl-Playoff-Run ohne Ballverlust absolviert. Bereits in den bisherigen Playoffs ließ die Defense keinen gegnerischen Running Back die Marke von 100 Rushing-Yards knacken – nicht einmal Christian McCaffrey von den 49ers. Gelingt es ihnen auch gegen New England, jeden einzelnen Patriots-Rusher unter dieser Grenze zu halten, wären sie das erste Team seit den Patriots 2016, dem dieses Kunststück gelingt.
Schon in der regulären Saison präsentierte sich die Laufverteidigung der Seahawks elitär: Kein gegnerischer Rusher kam auf 100 Yards, zudem ließ man lediglich neun Rushing-Touchdowns zu – ligaweit der zweitbeste Wert. Auch insgesamt war die Defensive bärenstark: Mit nur 17,2 zugelassenen Punkten pro Spiel stellte Seattle die beste Scoring Defense der NFL. Lediglich vier Teams erzielten mehr als 20 Punkte in einem Spiel gegen sie.
Offensiv steht Running Back Kenneth Walker III kurz vor einem Franchise-Meilenstein: Ein weiterer Touchdown würde ihn mit fünf Scores zum Rekordhalter für die meisten Touchdowns eines Seahawks-Spielers in einem Playoff-Run machen. Besonders bemerkenswert: In seiner Karriere (inklusive Playoffs) steht Seattle bei 12–1, wenn Walker mindestens 90 Rushing-Yards erzielt – eine Marke, die man auch im Super Bowl unbedingt knacken möchte.
Auch im Passspiel gibt es beeindruckende Zahlen. Jaxon Smith-Njigba könnte bei anhaltender Serie Cooper Kupp (2021) und Tyreek Hill (2018) überholen, was die meisten Catches über 26 Yards in einer Saison der letzten 30 Jahre betrifft. Im NFC Championship Game fing er einen 42-Yard-Pass und kam insgesamt auf 153 Yards. Inklusive Playoffs sind die Seahawks 7–3, wenn JSN über 100 Receiving-Yards kommt, und 7–1, wenn er einen Touchdown erzielt.
Auf der gegenüberliegenden Seite könnte Cooper Kupp Geschichte schreiben: Er wäre der erste Nicht-Quarterback und erst der zweite Spieler überhaupt, der mehrere Super Bowls mit unterschiedlichen Teams gewinnt. Seattle ist in dieser Saison 3–0, wenn Kupp einen Touchdown fängt, und 7–2, wenn er mindestens drei Pässe sichert.
Ein weiterer Pluspunkt: Die Seahawks sind in dieser Saison 5–0 gegen AFC-Teams, darunter drei Playoff-Teilnehmer. In diesen fünf Spielen erzielten sie 177 Punkte und ließen nur 88 zu – im Schnitt also 17,6 Punkte pro Spiel. Kein Gegner kam dabei auf mehr als 300 Total Yards. Die eigene Offensive hingegen knackte in jedem dieser Spiele die 300-Yard-Marke.
Angeführt wird das Team von Quarterback Sam Darnold, dem ersten Quarterback des Draft-Jahrgangs 2018, der den Super Bowl erreicht – noch vor Josh Allen, Lamar Jackson und Baker Mayfield. Ex-Teamkollege Justin Jefferson merkte zuletzt sogar an, die Minnesota Vikings hätten mit Darnold eine bessere Saison gespielt.
Und auch der Aberglaube kommt nicht zu kurz: Seattle läuft im Super Bowl in komplett navyblauen Trikots auf – eine Kombination, mit der das Team in dieser Saison 6–0 ist.
Die Zahlen der New England Patriots
Die Patriots reisen mit ähnlich beeindruckenden Werten an. Um der Top-3-Offensive und -Defense der Seahawks zu begegnen, bringt New England selbst die Nummer 2 der Liga in beiden Kategorien mit.
Angeführt von MVP-Kandidat Drake Maye erzielten die Patriots in dieser Saison 85 Spielzüge über mindestens 20 Yards – der höchste Wert eines Teams in den letzten 35 Jahren. Maye ist zudem erst der zweite Spieler überhaupt, der mindestens 70 % seiner Pässe anbringt (Liga-Bestwert mit 72 %) und gleichzeitig über 400 Rushing-Yards sammelt.
Gleichzeitig schreibt er eine kuriose Playoff-Geschichte: Maye ist der erste Quarterback, der seine ersten drei Playoff-Spiele gewann, obwohl seine Completion Rate jeweils unter 60 % lag.
Im Laufspiel steht Rhamondre Stevenson vor einer besonderen Marke: Mit mindestens 53 Rushing-Yards würde New England als erst drittes Team der NFL-Geschichte zwei Spieler mit mindestens 850 Rushing-Yards und 35 Catches in einer Saison (inklusive Playoffs) stellen – Rookie TreVeyon Henderson hat dieses Ziel bereits vor den Playoffs erreicht. Insgesamt schlossen die Patriots die reguläre Saison mit dem sechstbesten Laufspiel und 22 Rushing-Touchdowns ab.
Im Passspiel glänzt Stefon Diggs: Seine 85 Catches sind die zweitmeisten eines Patriots-Spielers ab 32 Jahren – nur Julian Edelman fing 2019 mehr. New England ist 5–0, wenn Diggs über 100 Yards kommt, und 8–1, wenn er mindestens fünf Bälle fängt.
Defensiv ragt Cornerback Christian Gonzalez heraus. In den Playoffs ließ er bei Anwürfen ein Passer Rating von nur 12,8 zu. In den letzten 30 Jahren waren lediglich zwei Spieler noch besser. Zudem sammelte er – wie mehrere seiner Teamkollegen – vier Pass Deflections, während Seattle in den gesamten Playoffs nur eine Interception verzeichnete.
Der Team-Erfolg ist ebenfalls historisch: Die Patriots steigerten sich nach der 4–13-Saison im Vorjahr um 13 Siege inklusive Playoffs – der größte Sprung von einer Saison zur nächsten in der NFL-Geschichte. Die 14–3-Bilanz der regulären Saison ist die zweitbeste der Franchise-Historie. In drei der bisherigen vier 14-Siege-Spielzeiten erreichte New England den Super Bowl – und gewann ihn jedes Mal.
Zwar verweisen Kritiker auf den vermeintlich leichtesten Spielplan der Liga, doch auch die Patriots waren 5–0 gegen NFC-Teams und erzielten dabei 152 Punkte bei nur 93 Gegenpunkten.
Ein letzter Vorteil könnte ebenfalls entscheidend sein: New England gilt im Super Bowl als „Heimteam“ und tritt komplett in weißen Trikots an. Teams in Weiß stehen im Super Bowl bei 37–22 – und die Patriots haben in dieser Saison in Weiß noch kein einziges Spiel verloren.
