Erics Prognosen
1. Die Browns setzen Watson nach Woche 2 auf die Bank – Rookie Sanders führt Cleveland in die Playoffs
Die Football-Welt rieb sich verwundert die Augen, als die Browns Deshaun Watson offiziell als Starting-Quarterback für den Saisonauftakt bestätigten – und das keineswegs zu Unrecht. Nach schwachen Auftritten im Trainingscamp, anhaltenden Nebengeräuschen abseits des Feldes und öffentlicher Kritik an den eigenen Fans war klar: Diese Entscheidung entsprang nicht der Feder von Head Coach Todd Monken, sondern kam von ganz oben. Schließlich wiegt Watsons 230-Millionen-Dollar-Vertrag schwer.
Dass Watsons halbherzige Entschuldigung am Folgetag wenig zur Schadensbegrenzung beitrug, überraschte kaum. Und dass Cleveland seine ersten beiden Partien auswärts bestreitet – fernab des eigenen Publikums –, dürfte Kalkül gewesen sein.
Doch egal wie man es dreht und wendet: Die Geduld der Organisation und von Coach Monken mit diesem Drama wird schnell erschöpft sein. Der entscheidende Faktor für einen Wechsel ist die Perspektive: Cleveland verfügt über enormes Talent im Angriff. Mit den Rookie-Receivern KC Concepcion und Denzel Boston sowie dem dynamischen Running-Back-Duo aus Quinshon Judkins und Dylan Sampson stehen bereitwillige Anspielstationen parat. Hinzu kommt Harold Fannin Jr., der bereits in seiner Premierensaison 2025 mit 731 Receiving Yards und sechs Touchdowns überzeugte.
Neben diesem jungen, athletischen Kader spielt den Browns der ligaweit leichteste Spielplan (gemessen an den Vorjahressiegen der Gegner) in die Karten. Die Playoffs sind für dieses Team absolut machbar. Es ist keine Frage des Ob, sondern nur des Wann – je früher Sanders übernimmt, desto besser.
2. Rueben Bain Jr. stürmt unter die Top 5 der Sack-Statistik
Seit Aldon Smith 2011 für die San Francisco 49ers 14 Sacks verbuchte, gelang keinem Rookie mehr der Sprung unter die ligaweit besten fünf Pass-Rusher.
Doch Tampas Erstrunden-Pick (Nr. 15 insgesamt) sorgt im Sommertraining für mächtig Furore.
Ob bei zusätzlichen Einheiten nach dem regulären Training oder im direkten Duell mit gegnerischen Blockern: Bain hat sich auf Anhieb als Albtraum für gegnerische Offensiven etabliert. Die Buccaneers, die im Vorjahr bei den Sacks nur auf Rang 19 landeten, dürften enorm von ihm profitieren.
Blickt man auf die Trends der vergangenen Jahre, wird Bain vermutlich mindestens 12 Sacks benötigen, um den Sprung in die Top 5 zu schaffen (im Vorjahr führte Falcons-Rookie James Pearce Jr. alle Neulinge mit 10,5 Sacks an). Angesichts der enormen Konkurrenz auf der EDGE-Position ist das eine Mammutaufgabe – zuzutrauen ist es Bain jedoch allemal.
3. Rams sichern sich die beste Bilanz der NFL (15-2), scheitern jedoch in der Divisional Round
Wenn ein Team den amtierenden Defensive Player of the Year (samt neuem Sack-Rekordhalter) und den amtierenden NFL-MVP in seinen Reihen weiß, ist die Favoritenrolle im Kampf um den Super Bowl vorprogrammiert.
Ein Blick in die Historie stimmt jedoch nachdenklich: Erst sechsmal in ihrer langen Geschichte schlossen die Rams eine Saison mit maximal zwei Niederlagen ab. In fünf dieser sechs Fälle bedeutete dies das vorzeitige Playoff-Aus, zweimal davon bereits in der Divisional Round. Den einzigen Titel in einer solchen Rekordsaison holten sie 1945 – damals umfasste die Regular Season allerdings nur zehn Spiele.

Sollten die Rams diese Bilanz erreichen, wären sie zudem das erste Team überhaupt, dem dies im aktuellen 17-Spiele-Format gelingt. Doch genau das macht den Reiz dieser Prognose aus: Seit der Modusänderung im Jahr 2020 halten Teams mit einem Freilos in der ersten Playoff-Runde eine durchwachsene Bilanz von 11-7. Eine Überraschung ist also keineswegs ausgeschlossen.
Michaelas Prognosen
1. Tyler Shough führt die Saints zum Division-Titel in der NFC South
Quarterback Tyler Shough startete seine Rookie-Saison zunächst als Backup hinter Spencer Rattler. Als New Orleans Ende Oktober bei einer desaströsen 1–7-Bilanz stand, schlug seine Stunde.
Mit Shough an der Spitze kehrte der Erfolg nach New Orleans zurück. Fünf Siege holte das Team unter seiner Regie, darunter eine Serie von vier Erfolgen am Stück – Franchise-Rekord für einen Rookie-Quarterback in New Orleans. Am Ende stand eine 6–11-Bilanz, zu der Shough 2.384 Passing Yards, 10 Touchdowns (bei sechs Interceptions), eine Passquote von 67,6 Prozent sowie drei weitere Touchdowns am Boden beisteuerte.
Nach diesem deutlichen Aufwärtstrend dürften die Saints in der NFC South nur schwer zu stoppen sein. Shough überzeugte ab seinem Startelf-Debüt im November mit großem Potenzial und weckte berechtigte Hoffnungen. Mit Top-Receiver Chris Olave steht ihm eine hochkarätige Anspielstation zur Verfügung.
Zusammen mit den acht neu gedrafteten Rookies – darunter drei Picks in den ersten drei Runden – haben die Saints alle Trümpfe in der Hand, um die NFC South zu gewinnen und in die Playoffs einzuziehen.
2. Die Kansas City Chiefs verpassen die Playoffs
Zwischen 2019 und 2024 prägten die Chiefs eine Ära: Fünf Super-Bowl-Teilnahmen und drei Titel standen zu Buche. Nach der Niederlage gegen die Philadelphia Eagles 2024 sollte 2025 die Revanche folgen – doch das Team geriet ins Straucheln und stand nach Woche 14 lediglich bei 6–7.
Der Hiobsbotschaft folgte das bitterste Szenario: Superstar Patrick Mahomes zog sich einen Kreuz- und Innenbandriss im Knie zu, womit alle Playoff-Träume zerplatzten.
Zwar hat Mahomes intensiv an seinem Comeback gearbeitet und gilt als einsatzbereit, doch seine tatsächliche Form bleibt ein großes Fragezeichen. Ohne Einsatzzeit in der Preseason ist ungewiss, ob er zu Woche 1 im Vollbesitz seiner Kräfte sein wird. Eine derart schwere Verletzung vor weniger als neun Monaten lässt sich nicht einfach abschütteln – für einen tiefen Playoff-Run brauchen die Chiefs ihren Spielmacher jedoch in absoluter Bestform.
Hinzu kommt eine bärenstarke Konkurrenz: Die AFC West ist längst kein Selbstläufer mehr. Denver präsentiert sich personell extrem gefestigt, und die LA Chargers sind mit Justin Herbert in seiner Prime sowie dem neuen Offensive Coordinator Mike McDaniel mindestens ebenbürtig. In Las Vegas übernimmt Klint Kubiak als Head Coach, während Nummer-1-Pick Fernando Mendoza im Saisonverlauf Kirk Cousins ablösen soll.
Kansas City kann sich keinen Fehlstart erlauben. Aufgrund der Ungewissheit um Mahomes und eines alternden Travis Kelce werden die Chiefs zwar eine solide Saison spielen, den Einzug in die Endrunde jedoch verpassen.
3. Die Seattle Seahawks stehen erneut im Super Bowl
Im vergangenen Februar krönten sich die Seattle Seahawks zum Super-Bowl-Champion. Zwar verlor das Team im Anschluss seinen Offensive Coordinator Klint Kubiak (jetzt Head Coach bei den Raiders) sowie Super-Bowl-MVP Kenneth Walker III (Wechsel zu den Chiefs), doch Seattle bleibt ein absoluter Titelanwärter.
Der Grund dafür ist simpel: Weder Kubiak noch Walker waren die alleinigen Träger des Erfolgs.
Seattle verfügt mit Mike Macdonald über einen der innovativsten und cleversten Head Coaches der Liga. Zudem stellte das Team in der Vorsaison sowohl offensiv als auch defensiv eine Top-10-Einheit. Trotz einiger Abgänge und dem drohenden Ausfall von Safety Bud Clark (Knöchelbruch) besitzt Seattle genug Substanz, um diese Lücken zu schließen.
Mit Defensiv-Strategie Macdonald an der Seitenlinie und Quarterback Sam Darnold, der seine dritte 4.000-Yard-Saison in Folge anstrebt, bleibt das Fundament stabil. Für die Running-Back-Position steht mit Rookie Jadarian Price bereits ein Anwärter auf den Offensive Rookie of the Year bereit, den Macdonald ähnlich erfolgreich einbinden kann wie zuvor Walker.
Seattle definiert sich nicht über einzelne Personalien, sondern über ein funktionierendes System – und genau deshalb führt der Weg zum Super Bowl erneut über die Seahawks.
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