Etwas mehr als sechs Jahre später, es ist kaum zu glauben, steht die einstige Lachnummer der NFL mit den Seattle Seahawks im Super Bowl, und das, wie überaus passend, in der Nacht zum Montag (0.30 Uhr/RTL und DAZN): gegen die New England Patriots! Darnold hat seine Geister vertrieben. "Welch eine Karriere", staunt sogar Drake Maye, der in Santa Clara die Bälle für die Patriots werfen wird. Ein ganz anderer Typ. Ein ganz anderer Weg.
Auf das Duell der beiden so unterschiedlichen Quarterbacks verengt sich dieses Spiel der Spiele, zumindest abseits der politischen Dimension. Der eine, Darnold, gescheitert, jedoch auf Umwegen glorios auferstanden, der andere, Maye, ein Aufsteiger, in seinem zweiten Jahr beinahe zum MVP gekürt, ein Hoffnungsmacher der Nach-Brady-Jahre.
Maye fast als Schnäppchen zum MVP
Maye ist ein "Dual Threat Quarterback", also einer, der passen und selbst laufen kann, gelehrig, ruhig, wie es die Coaches lieben. Ein 23-Jähriger, der nach zehn Jahren Beziehung sein Highschool-Sweetheart geheiratet hat. Er muss die Last aller Quarterbacks bei den Patriots tragen: Im übertragenen Sinne schaut immer Tom Brady mit seinen sieben Ringen über die Schulter. "Easy", sagt Maye bei der Frage nach dem "GOAT", ganz ruhig.
8,3 Millionen Dollar verdient Maye in dieser Saison, gutes Geld, aber überhaupt kein Vergleich zu den übervollen Taschen der Top-Quarterbacks. Wo Chiefs-Superstar Patrick Mahomes sich kommende Saison mehr als 78 Millionen einsteckt, Josh Allen von den Bills 56 und sogar Sam Darnold 36 Millionen (dieses Jahr nur 14). Ein junger, bereits guter, allerdings noch nicht "voll" bezahlter Quarterback ist der Traum einer jeden Franchise - einer wie Maye.
Sam Darnold, 28, hat eine ruppigere und interessantere Geschichte zu erzählen. Typen wie er, erfahren und nicht wahnsinnig erfolgreich, werden häufig als Brückenlösung eingesetzt: Bis dann eben ein richtig guter Mann kommt. Mit Darnold einen Super Bowl zu erreichen oder gar zu gewinnen, das galt in der NFL als unmöglich, trotz einer 14-Siege-Saison mit den Minnesota Vikings im Vorjahr.
In Seattle aber spielt Darnold "wie von Sinnen", wie sein Headcoach Mike Macdonald nach wenigen Wochen schon schwärmte. "Man sieht ihn und er wirkt einfach so cool. Ein Mann mit einer Mission."
Darnold kann Geschichte schreiben
Und das liegt durchaus in der Familie, im Stammbaum der Darnolds liegt ein Gold-Nugget vergraben. Sams Großvater war Feuerwehrmann, spielte Volleyball bei den Olympischen Spielen von Tokio 1964 und im TV in der beliebten Serie "Emergency". Ein Mann mit einem Kinn wie eine Schlafzimmerkommode und dem wunderbaren Namen Dick Hammer. Bekannt war er den Amerikanern vor allem als Werbefigur: als "Marlboro Man".
Dick Hammer verkaufte die große Freiheit, er ritt mit Cowboyhut und Kippe nach getaner Arbeit dem Sonnenuntergang entgegen. Sam Darnold würde es ihm zu gerne gleichtun.
Zum Match-Center: New England Patriots vs. Seattle Seahawks
