Zeit, ihr Aus in Österreich zu verarbeiten, blieb da kaum. "Es hat gar nichts zusammengepasst", klagte Dürr über die zweite Nullrunde in ihrer Spezialdisziplin in Folge. In keinem der vier Rennen seit ihrem zweiten Platz von Copper Mountain Ende November ist sie in die Top 10 gekommen. "Nicht cool" und "ernüchternd", nannte sie die Fortsetzung ihrer Unglücksserie.
Glaubt man Andreas Puelacher, gibt es dafür mehrere Gründe - und alle hängen zusammen. Zum einen das Skifahrerische. "Sie hat nicht mehr diese saubere Position", sagte der Cheftrainer, "und dann will sie natürlich unbedingt." Das führe zu Verkrampfung - wie schon häufiger in Dürrs Karriere.
Dürr will weiter "die Nummer eins sein"
Dazu komme ein anderer, ganz entscheidender Faktor: Die interne Konkurrenz durch Emma Aicher, die in diesem Winter schon zweimal Slalom-Dritte war. Dürr habe "jahrelang den deutschen Damensport hochgehalten", sagte Puelacher, jetzt aber mache ihr Aicher die Führungsrolle streitig.
"Sie will die Nummer eins sein, die sie jahrelang war. Sie spürt den Druck", sagte Puelacher und betonte: "Sie will zu viel. Sie fährt nicht mehr mit der Lockerheit, die sie vorher hatte." Stichwort: Verkrampfung.
Kira Weidle-Winkelmann kennt dieses Gefühl nur zu gut. Die WM-Zweite von 2021 war die einzige deutsche Spitzenabfahrerin - bis Senkrechtstarterin Aicher auftauchte und plötzlich Rennen gewann. "Mit der Kira hat das auch was gemacht", sagte Puelacher, "aber was Positives." Ein Ansporn. "Das erwarte ich mir jetzt von der Lena."
Die WM-Dritte von 2023 will sich zunächst mit dem Riesenslalom am Dienstag am Kronplatz ablenken. In ihrer Zweitdisziplin hat sie große Schritte gemacht, war in dieser Saison dreimal in den Top 10 und hat immer gepunktet. "Das ist keine Flucht", sagte sie, der Riesenslalom "tut mir ganz gut".
Trainer sicher: "Die Lena, die dreht das Ganze"
Vier Tage später steht in Spindlermühle der nächste an, am 25. Januar steigt dort die Olympia-Generalprobe im Slalom. An jenem Ort, an dem Dürr 2023 ihren einzigen Weltcup-Sieg in ihrer Spezialdisziplin gefeiert hatte.
Bis dahin, sagte sie, werde sie sich "sicher ein paar Sachen einfallen lassen", um die Negativserie zu brechen. "Abwarten hilft nicht", weiß sie, "man muss etwas tun, um das Gefühl zu ändern." Der schnelle Schwung von Copper "kommt bestimmt auch schnell wieder", glaubt sie.
Puelacher stimmt zu. "Die Lena, da bin ich mir sicher, die dreht das Ganze."
