Zwei Siege bis zum großen Traum - Zverev nach Stotter-Start im Halbfinale der French Open

Aktualisiert
Alexander Zverev ist nur noch zwei Siege vom Grand-Slam-Erfolg entfernt.
Alexander Zverev ist nur noch zwei Siege vom Grand-Slam-Erfolg entfernt. REUTERS/Stephanie Lecocq

Alexander Zverev hat das Halbfinale der French Open erreicht und darf weiter von seinem ersten Grand-Slam-Sieg träumen. Der Hamburger bezwang am Dienstag mit einer Machtdemonstration den spanischen Teenager Rafael Jódar 7:6 (7:3), 6:1, 6:3 und ist nur noch zwei Siege vom großen Triumph in Paris entfernt. Auf dem Weg ins Finale trifft der Tokio-Olympiasieger nun auf das brasilianische Supertalent Joao Fonseca (19) oder den nur ein Jahr älteren Tschechen Jakub Mensik.

"Ich bin glücklich, dass ich im Halbfinale stehe, mehr nicht", sagte Zverev: "Ich will die Matches gewinnen, die vor mir liegen." Doch während sich die deutsche Nummer eins in Zurückhaltung übte, prasselte aus allen Richtungen Lob auf ihn ein. "Viel besser habe ich ihn noch nie gesehen. Das war unglaublich großes Tennis", schwärmte Eurosport-Experte Boris Becker.

Match-Center: Alexander Zverev vs. Rafael Jodar

Statistiken: Zverev vs. Jodar.
Statistiken: Zverev vs. Jodar.Flashscore

Zverev, der im vergangenen Jahr im Viertelfinale noch sang- und klanglos am 24-maligen Major-Gewinner Novak Djokovic gescheitert war, hatte nur zu Beginn des Spiels Probleme gegen den Spanier. Nach einer deutlichen Leistungssteigerung Mitte des ersten Satzes verwandelte er schließlich nach 2:25 Stunden Spielzeit seinen ersten Matchball zum Sieg.

Auf dem Weg zum Finale bekommt es Zverev nun mit einem weiteren "jungen Wilden" in Paris zu tun. In der Nightsession duellieren sich der Brasilianer Joao Fonseca, wie Jódar nur 19, und der ein Jahr ältere Jakub Mensik aus Tschechien um den Einzug in die Vorschlussrunde. In dieser Form ist Zverev aber auch dann klar favorisiert. "Ich werde mir das Match auf meinem Hotelzimmer ansehen, vielleicht mit einem schönen Getränk in meiner Hand", flachste der zufriedene Sieger.

Erfahrung schlägt jungen Elan

Vor dem ersten richtigen Härtetest auf dem Weg zum erhofften Triumph hatte Zverev prominente Unterstützung erhalten. "Ich hoffe, dass es dieses Jahr hier in Paris soweit sein wird", hatte die dreimalige Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber gesagt. Entscheidend sei aber, wie der Hamburger mit seiner Favoritenrolle und den hohen Erwartungen an der Seine umgeht. Zverev werde "mehr Druck spüren als je zuvor in seiner Karriere", war sich auch Legende John McEnroe sicher.

Am Dienstag hatte sich die Hitze der ersten Woche endgültig verabschiedet, in Paris regnete es bei Temperaturen um die 20 Grad immer wieder in Strömen. Und so blieb das Dach über dem Court Philippe-Chatrier geschlossen. Er hoffe, dass sich trotz der veränderten Gegebenheiten "nichts am Ergebnis ändere", sagte Mischa Zverev: "Die Bedingungen sind natürlich anders, der Platz ist nass, der Ball springt anders ab." Dennoch war der Glaube an einen Sieg des Bruders gegen Jódar groß: "Er wird ihn auch packen."

Doch wie im Achtelfinale gegen den Niederländer Jesper de Jong fand Zverev schleppend in die Begegnung, was der furchtlose Spanier gnadenlos ausnutze. Während sich der Hamburger immer wieder Fehler erlaubte, war Jódar vor allem bei seinen eigenen Aufschlagspielen kaum angreifbar - und zog schnell auf 5:2 davon.

Mit dem Rücken zur Wand zeigte Zverev aber eine starke Reaktion. Der Hamburger fand besser in die Partie, gewann den Satz noch - und danach lief die Maschine.