Der Grand-Slam-Sommer geht in seine letzte Runde. Ab Sonntag, 30. August, verwandelt sich Flushing Meadows wieder für zwei Wochen in das Zentrum der Tenniswelt. Die US Open versprechen auch 2026 große Geschichten. Jannik Sinner fehlt verletzt, Carlos Alcaraz kehrt nach längerer Pause zurück und Aryna Sabalenka jagt bei den Damen den Titel-Hattrick.
Sechs ÖTV-Asse im Hauptfeld
Filip Misolic
Bei den Herren ruhen die österreichischen Hoffnungen auf Filip Misolic und Jurij Rodionov. Misolic kehrt nach mehr als sechs Monaten Verletzungspause auf die Tour zurück und konnte dank seines geschützten Rankings direkt ins Hauptfeld einziehen. Seine aktuelle Weltranglistenposition 530 hat daher nur wenig Aussagekraft.
Ein einfaches Comeback wird es dennoch nicht. Der Steirer bekommt es in Runde eins mit dem an Nummer 24 gesetzten Argentinier Francisco Cerundolo zu tun. Die bisherigen beiden Duelle gingen jeweils ohne Satzgewinn an Misolic vorbei, zuletzt bei den French Open 2024.
Jurij Rodionov
Rodionov hat dagegen bereits drei erfolgreiche Matches in New York in den Beinen. Im entscheidenden Qualifikationsmatch gegen den als Nummer vier gesetzten Briten Jacob Fearnley musste Rodionov einen Satzrückstand aufholen. Nach einer wetterbedingten Unterbrechung machte der Niederösterreicher am Freitag mit 4:6, 6:4, 6:4 den Einzug ins Hauptfeld perfekt. In der ersten Runde trifft er jetzt auf den aufschlagstarken Franzosen Giovanni Mpetshi Perricard.

Anastasia Potapova
Vier Österreicherinnen stehen im Damenbewerb. Die nominell besten Chancen besitzt Anastasia Potapova. Österreichs Nummer eins ist an Position 24 gesetzt und trifft erstmals auf die Tschechin Tereza Valentova. Ein kleines Fragezeichen steht hinter Potapovas Fitness. Zuletzt musste sie wegen Rückenproblemen kurzfristig auf einen Start in Monterrey verzichten.
Lilli Tagger
Für Lilli Tagger wird bereits die Teilnahme zu einem weiteren Meilenstein. Die 18-Jährige bestreitet ihr erstes US-Open-Hauptfeld und trifft auf die Deutsche Tamara Korpatsch. Die beiden liegen in der Weltrangliste beinahe gleichauf. Die direkte Bilanz macht aber Mut. Beide bisherigen Duelle gewann die Österreicherin.
Sinja Kraus
Härter hat es Sinja Kraus erwischt. Bei ihrer New-York-Premiere wartet mit der an sieben gesetzten Karolina Muchova die diesjährige Wimbledon-Finalistin, die in Flushing Meadows bereits zweimal das Halbfinale erreicht hat.
Julia Grabher
Julia Grabher bekommt es mit der routinierten Rumänin Sorana Cirstea, der Nummer 16 der Setzliste, zu tun. Grabher verlor die beiden bisherigen Begegnungen mit Cirstea.
Thiems Triumph und weitere rot-weiß-rote Erfolge
Österreich und die US Open – das ist spätestens seit 2020 eine besondere Verbindung. Damals schrieb Dominic Thiem im Arthur Ashe Stadium Tennisgeschichte. Im Finale gegen Alexander Zverev lag der Niederösterreicher bereits 2:6, 4:6 zurück, drehte die Partie aber noch mit 6:4, 6:3 und 7:6. Es war Thiems erster und einziger Grand-Slam-Titel. Zudem wurde er zum ersten Spieler der Open Era, der ein US-Open-Finale nach einem 0:2-Satzrückstand noch gewinnen konnte.
Schon vor Thiem hatten Österreicher in New York für starke Ergebnisse gesorgt. Thomas Muster erreichte 1993, 1994 und 1996 jeweils das Viertelfinale. Bei den Damen gelang dies Judith Wiesner 1996, Barbara Schett 1999 und Sybille Bammer 2008. Weiter als unter die letzten Acht schaffte es bislang keine Österreicherin.
Auch im Doppel gab es rot-weiß-rote Titel. Julian Knowle triumphierte 2007 gemeinsam mit dem Schweden Simon Aspelin, Jürgen Melzer gewann 2011 an der Seite des Deutschen Philipp Petzschner.
Sinner fehlt – wer nutzt die Chance bei den Herren?
Bei den Herren fehlt ausgerechnet der Weltranglistenerste. Sinner musste wegen anhaltender Probleme am rechten Knie absagen. Der Italiener hatte 2026 bis zu seiner Verletzung eine beeindruckende 44:3-Bilanz aufgebaut und unter anderem Wimbledon gewonnen.
Damit rücken vor allem drei Namen in den Mittelpunkt. Zverev führt die Setzliste erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier an. Der Deutsche gewann in diesem Jahr die French Open und stand anschließend auch im Wimbledon-Finale. Flushing Meadows kennt er bestens – allerdings auch wegen einer der bittersten Niederlagen seiner Karriere. 2020 führte Zverev im Finale gegen Thiem bereits mit 2:0 nach Sätzen, ehe ihm der Titel noch entglitt.
Alcaraz reist als Titelverteidiger nach New York. Der Spanier gewann zu Jahresbeginn die Australian Open, musste danach wegen einer Handgelenksverletzung mehrere Monate pausieren. Wie schnell er seinen Rhythmus wiederfindet, gehört zu den großen Fragen des Turniers. Mit einem weiteren Triumph würde er seinen dritten US-Open-Titel nach 2022 und 2025 holen.
Und dann wäre da natürlich Novak Djokovic. Der 39-Jährige hält bei 24 Grand-Slam-Titeln und hat die US Open bereits viermal gewonnen. Durch Sinners Absage öffnet sich für den Serben noch einmal eine große Chance auf Major-Titel Nummer 25. Djokovic befindet sich allerdings in derselben Tableauhälfte wie Alcaraz – ein Duell wäre bereits im Halbfinale möglich.
Zum erweiterten Favoritenkreis gehört auch Ben Shelton. Der US-Amerikaner gewann im Sommer erneut das Masters in Kanada und holte 2026 bereits mehrere Titel. In einem offenen Herrenfeld könnte der Heimvorteil zusätzliche Energie liefern.
Sabalenka jagt den historischen Titel-Hattrick
Bei den Damen beginnt die Favoritinnenliste mit Sabalenka. Die Weltranglistenerste gewann die US Open sowohl 2024 als auch 2025 und könnte als erste Spielerin seit Serena Williams von 2012 bis 2014 drei Titel in Folge holen.
Die Konkurrenz ist allerdings enorm. Elena Rybakina gewann heuer die Australian Open, Mirra Andreeva die French Open und Linda Noskova Wimbledon. Dazu kommen mit Coco Gauff und Iga Swiatek zwei Spielerinnen, die in New York bereits wissen, wie man den Titel holt. Gauff triumphierte 2023, Swiatek ein Jahr zuvor.
Wie offen das Feld ist, zeigt eine andere Zahl. Seit Beginn der Saison 2025 gab es sieben unterschiedliche Grand-Slam-Siegerinnen. Sabalenka bleibt zwar die Frau, die es zu schlagen gilt. Eine klare Alleinherrscherin gibt es auf der WTA-Tour derzeit aber nicht.
Rekordpreisgeld und viel Tennis live im österreichischen TV
Nicht nur sportlich haben die US Open wieder einiges zu bieten. Auch finanziell setzt das Turnier neue Maßstäbe. Insgesamt stellt die USTA 108 Millionen US-Dollar an Spieler-Vergütung bereit. Das sind 20 Prozent mehr als beim bisherigen Rekord im Jahr 2025. Die Siegerin und der Sieger im Einzel erhalten jeweils 5,5 Millionen Dollar – mehr als Champions bei einem Tennisturnier jemals zuvor kassiert haben. Selbst eine Niederlage in der ersten Hauptrunde bringt bereits 140.000 Dollar. Auch das ist Grand-Slam-Rekord.
Österreichische Tennisfans haben mehrere Möglichkeiten, das Turnier live zu verfolgen. Sky zeigt die US Open vom 30. August bis 13. September und auf WOW im Livestream. Auch kostenlos gibt es jede Menge US-Open-Tennis. Joyn zeigt ab dem 30. August täglich zwei ausgewählte Matches live. Ein Herren-Halbfinale sowie beide Einzel-Endspiele laufen zusätzlich auf PULS 4 und Joyn.
Damit ist alles angerichtet für zwei lange Tenniswochen in New York. Die österreichische Ausgangslage ist dabei so spannend wie schon länger nicht mehr. Potapova geht gesetzt ins Turnier, Tagger und Kraus feiern ihre US-Open-Premiere, Grabher bringt Erfahrung mit und Misolic startet sein Comeback auf einer der größten Bühnen der Tenniswelt. Dazu kommt Rodionov, der sich mit drei Qualifikationssiegen erstmals einen Platz im Hauptfeld von Flushing Meadows erkämpft hat.
