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Schleichender Abgang des Rad-Stars: Kommt Julian Alaphilippes Rücktritt zu spät?

Julien Alaphilippe hat das Ende seiner großen Karriere angekündigt.
Julien Alaphilippe hat das Ende seiner großen Karriere angekündigt.ANNE-CHRISTINE POUJOULAT / AFP

Julian Alaphilippe verlässt das Profipeloton. Damit geht offiziell ein prägendes Kapitel des französischen Radsports zu Ende – vermutlich allerdings ein oder zwei Jahre zu spät.

Die Gerüchte verdichteten sich am Donnerstag, als das niederländische Portal Wielerflits berichtete, dass Alaphilippe trotz seines bis 2027 laufenden Vertrags beim Schweizer Tudor Pro Cycling Team über ein Karriereende nach der Saison 2026 nachdenke. Die Realität überholte die Spekulationen jedoch rasch: Am selben Abend bestätigte L’Équipe, dass „Loulou“ seinen Radschuh mit sofortiger Wirkung an den Nagel hängt.

Die entscheidende Wendung seiner Laufbahn datiert wohl aus dem April 2022. Ein schwerer Sturz bei Lüttich–Bastogne–Lüttich, bei dem er unter anderem einen Pneumothorax erlitt, markierte den Anfang vom Ende. Obwohl er danach noch sieben Siege einfahren konnte, schien das alte Feuer erloschen. Abseits der Strecke sorgte eher die öffentliche Kritik seines damaligen Teamchefs Patrick Lefevere für Schlagzeilen, der ihm mangelnde Disziplin vorwarf. Was aber wirklich fehlte, war der gewohnte Alaphilippe: jener tanzende, angriffslustige Fahrer, der Fans weltweit von den Sofas riss.

Alaphilippe mit Leistungsabfall seit 2024

Umso überraschender kam Ende 2024 sein Wechsel von Soudal Quick-Step zum Schweizer Tudor-Rennstall für drei Jahre. Schon damals hatten viele Experten mit einem Abschied gerechnet. Sein eindrucksvoller Coup beim Grand Prix de Québec im vergangenen September – sein 45. und letzter Profisieg – blieb ein seltener Lichtblick in einer langen Phase der Ernüchterung. Ein Fahrer seines Kalibers war nicht dafür gemacht, im Feld mitzurollen. Und doch war genau das Alltag geworden.

Der Spätsommer 2024 wäre der ideale Zeitpunkt für einen stilvollen Abgang gewesen. Es hätte den Fans den schmerzhaften Anblick erspart, den zweifachen Weltmeister bei seiner letzten Tour de France an einer Welle der 4. Kategorie aus einer Ausreißergruppe zurückfallen zu sehen. Seine Ankündigung vor der Großen Schleife, er sei weiterhin "hungrig", wirkt im Nachhinein wie reine Zweckoptimismus.

Es bleibt die unbequeme Frage: Werden diese letzten, zähen Jahre dem Denkmal Julian Alaphilippe nachhaltig schaden? Die Antwort darauf wird erst die Zeit bringen.