Für Christoph Baumgartner hätte die Weltmeisterschaft der Höhepunkt seiner bislang stärksten Saison werden sollen. Stattdessen verfolgt der Offensivspieler die Endrunde aus einer ungewohnten Rolle.
Beim Aufwärmen vor dem WM-Test gegen Tunesien zog sich der 26-Jährige eine schwere Muskelverletzung im rechten Oberschenkel zu. Die anschließende MRT-Untersuchung brachte die bittere Gewissheit: Die Weltmeisterschaft findet ohne ihn statt.
„Es ist bei einem Schuss beim Aufwärmen passiert. Ich habe einen Stich in der Oberschenkelregion gespürt und habe in dem Moment schon gemerkt, dass etwas passiert ist“, schildert Baumgartner die entscheidenden Sekunden. Dass die Verletzung letztlich so schwerwiegend sein würde, habe er zunächst nicht erwartet. „Als ich erfahren habe, dass ich die WM verpassen werde, war das natürlich ein Schock für mich.“
Trotz der Enttäuschung fasste der Leipzig-Legionär rasch einen Entschluss. „Ich habe in mir dann aber relativ schnell den Entschluss gefasst, dass ich hier her will.“
Größter Fan statt Schlüsselspieler
Baumgartner wird seine Rehabilitation nun im Teamcamp in Santa Barbara absolvieren. Gemeinsam mit dem medizinischen Team des ÖFB und in enger Abstimmung mit seinem Klub arbeitet er an seiner Rückkehr.
Auch wenn ein Einsatz bei der WM ausgeschlossen ist, möchte er seinen Beitrag leisten. „Ich versuche zu unterstützen, wo ich kann. In erster Linie als Energiegeber. Ich werde versuchen, alles was in mir ist, weiterzugeben, werde der größte Fan sein“, betont der Niederösterreicher.
Die Mannschaft scheint diese Unterstützung dankbar anzunehmen. Baumgartner gilt innerhalb des Teams als eine der wichtigsten Persönlichkeiten und hatte zuletzt immer wieder entscheidende Akzente gesetzt.
Ljubicic erfüllt sich den WM-Traum
Während Baumgartner seine neue Rolle annimmt, beginnt für Dejan Ljubicic ein unerwartetes WM-Abenteuer. Der Mittelfeldspieler des FC Schalke 04 wurde kurzfristig nachnominiert und absolvierte bereits seine erste Trainingseinheit mit dem Team.
„Ich war in Kroatien, habe noch geschlafen und gesehen, dass ich einen verpassten Anruf vom Teamchef habe“, erzählt Ljubicic. Wenig später machte er sich auf den Weg nach Wien und anschließend weiter in die USA. „Es geht damit ein Traum in Erfüllung. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, wieder beim Nationalteam zu sein.“
Den Vergleich mit Baumgartner weist der 28-Jährige jedoch zurück. „Ich glaube nicht, dass ich den Baumi eins zu eins ersetzen kann. Er ist ein Unterschiedsspieler. Er hat große Leistungen für Österreich und Leipzig gebracht.“
Auch Baumgartner selbst sieht die Lösung weniger in einer Einzelperson als in der Qualität des gesamten Kaders. „Ich kenne Dejan schon lange und weiß, dass er ein sehr, sehr guter Spieler ist. Wir haben im Kader eine gute Qualität und viele unterschiedliche Profile. Wer auch immer die Position bekleiden wird, ich bin mir sicher, dass wir eine gute Lösung finden werden.“
Der Fokus richtet sich auf Jordanien
Während sich die personelle Situation geklärt hat, rückt der WM-Auftakt immer näher. Am 17. Juni trifft Österreich in San Francisco auf Jordanien und bestreitet damit das erste WM-Spiel seit 28 Jahren.
Die Formkurve der Rangnick-Elf stimmt. Im Jahr 2026 feierte das Nationalteam Siege gegen Ghana, Südkorea und Tunesien. Jordanien hingegen reist mit einer weniger erfolgreichen Vorbereitung an und blieb in den jüngsten vier Testspielen ohne Sieg.
Für Baumgartner beginnt die Weltmeisterschaft zwar anders als er es sich erträumt hatte. Seine Rolle innerhalb der Mannschaft bleibt aber unverändert wichtig. Statt auf dem Platz will er nun neben dem Platz dazu beitragen, dass Österreich bei seiner WM-Rückkehr Geschichte schreibt.
