Österreichs Mittelfeld bei der WM 2026: Die Taktgeber des Dauerpressings

Marcel Sabitzer und Paul Wanner beim letzten WM-Test gegen Tunesien.
Marcel Sabitzer und Paul Wanner beim letzten WM-Test gegen Tunesien.Marco Steinbrenner / DeFodi Images / Profimedia

Pressing, Tempo und permanente Bewegung: Das österreichische Mittelfeld bildet das Herzstück von Ralf Rangnicks Spielidee. Mit erfahrenen Führungsspielern, laufstarken Mittelfeldmotoren und vielversprechenden Talenten verfügt der ÖFB in diesem Mannschaftsteil über besonders viel Qualität.

Kaum ein Mannschaftsteil verkörpert die Handschrift von Ralf Rangnick so sehr wie das österreichische Mittelfeld. Pressing, Intensität und schnelles Umschalten sind die Grundpfeiler des ÖFB-Spiels. Und genau dort liegen die Stärken jener Spieler, die Österreich nach 28 Jahren Abstinenz wieder auf der WM-Bühne vertreten.

 

Leistungsdaten Nicolas Seiwald
Leistungsdaten Nicolas SeiwaldFlashscore

 

Das Herzstück

Eine zentrale Rolle spielt dabei Nicolas Seiwald. Der Leipziger gehört zu den absoluten Vertrauensspielern Rangnicks und ist das taktische Gleichgewicht der Mannschaft. Er schließt Räume, gewinnt zweite Bälle und sorgt dafür, dass Österreichs Pressingstruktur auch in hektischen Phasen erhalten bleibt. Seine Arbeit fällt oft erst auf, wenn sie fehlt.

Nicht weniger wichtig für das defensive Mittelfeld ist Xaver Schlager. Trotz einiger verletzungsbedingter Rückschläge zählt er weiterhin zu den aggressivsten Ballgewinnern im Kader und verkörpert den Pressinggedanken wie kaum ein anderer. Die beiden dürften bei der Weltmeisterschaft wohl das Zentrum der Rangnick-Elf bilden.

 

Leistungsdaten Xaver Schlager
Leistungsdaten Xaver SchlagerFlashscore

 

Mit Florian Grillitsch verfügt Österreich zudem über einen seltenen Spielertypen. Der Kicker von Sporting Braga verbindet defensive Stabilität mit Spielmacherqualitäten und kann das Tempo einer Partie kontrollieren. Auch Paul Wanner kann im Zentrum für Stabilität sorgen. Er hat sich erst vor wenigen Monaten endgültig für Österreich entschieden und gilt als eines der größten Talente des Landes. Der technisch starke Spielmacher bringt Kreativität, Übersicht und Unberechenbarkeit mit.

Konrad Laimer könnte bei Bedarf ebenfalls im Mittelfeld auflaufen. In der Flashscore-Analyse der österreichischen Abwehrspieler wurde der Bayern-Profi bereits als Außenverteidiger behandelt, er kann aber genauso im Zentrum eingesetzt werden. Genau diese Vielseitigkeit macht ihn so wertvoll. Ergänzt wird der Kader durch Alessandro Schöpf. Der erfahrene Allrounder kann mehrere Rollen übernehmen und wurde trotz einer durchwachsenen Saison beim Wolfsberger AC für den WM-Kader nominiert. Er wird wohl nur eine untergeordnete Rolle beim Turnier spielen.

 

 

Der Unglücksrabe

Christoph Baumgartner ist der Pechvogel des Jahres. Seine Verletzung kurz vor Turnierbeginn stellt einen schweren persönlichen wie auch kollektiven Rückschlag dar. Teamchef Rangnick sprach von einer „sehr bitteren Nachricht“, schließlich gehört der Leipzig-Legionär seit Jahren zu den prägenden Gesichtern der Mannschaft. Mit 19 Treffern ist er zudem der torgefährlichste Mittelfeldspieler im österreichischen Kader. Nach der Verletzung Baumgartners rückte Dejan Ljubicic in den WM-Kader nach. Der Schalke-Profi gilt als laufstarker Box-to-Box-Spieler und erweitert die personellen Optionen im Zentrum.

 

Marcel Sabitzer könnte bei der WM sein 100. Länderspiel für Österreich bestreiten.
Marcel Sabitzer könnte bei der WM sein 100. Länderspiel für Österreich bestreiten.Marco Steinbrenner / DeFodi Images / Profimedia

 

Für die kreativen Momente ist vor allem Marcel Sabitzer zuständig. Der Dortmunder steht kurz vor seinem 100. Länderspiel und dürfte damit während des Turniers einem exklusiven Klub österreichischer Teamspieler beitreten. Sabitzer agiert meist über die linke Seite, ist aber in nahezu jede Offensivaktion eingebunden. In der WM-Qualifikation war er Österreichs bester Vorlagengeber und gefährlichster Chancen-Kreierer. Seine Distanzschüsse, Standards und vertikalen Pässe machen ihn zu einer der wichtigsten Offensivwaffen des Teams.

 

Leistungsdaten Romano Schmid
Leistungsdaten Romano SchmidFlashscore

 

Gefahr über die Außenbahnen

Mit Patrick Wimmer und Romano Schmid verfügt Österreich über viel Kreativität und Tempo in der Offensive. Während Wimmer mit seinen Dribblings und Tiefenläufen immer wieder den direkten Weg zum Tor sucht, überzeugt Schmid mit Technik, Übersicht und klugen Pässen zwischen den Linien. Einer von ihnen dürfte bei der WM den zweiten Flügelplatz neben Marcel Sabitzer besetzen.

Für zusätzliche Dynamik sorgt Carney Chukwuemeka. Der 22-Jährige traf bei seinem ÖFB-Debüt auf Anhieb und bringt mit seiner Explosivität, Dribbelstärke und Athletik eine neue Komponente ins österreichische Offensivspiel. Weitere Optionen sind Michael Gregoritsch und Sasa Kalajdzic, die zwar als Stürmer nominiert sind, bei Bedarf aber auch im zentralen offensiven Mittelfeld eingesetzt werden können, wo aufgrund des Ausfalls Baumgartners ein Platz frei geworden ist.

 

Österreichs WM-Mittelfeld auf einen Blick

Marcel Sabitzer (Borussia Dortmund/GER) – 98 Länderspiele, 26 Tore

Florian Grillitsch (SC Braga/POR) – 59 Länderspiele, 1 Tor

Konrad Laimer (FC Bayern München/GER) – 57 Länderspiele, 7 Tore

Xaver Schlager (RB Leipzig/GER) – 51 Länderspiele, 4 Tore

Nicolas Seiwald (RB Leipzig/GER) – 47 Länderspiele, 1 Tor

Alessandro Schöpf (LASK) – 35 Länderspiele, 6 Tore

Romano Schmid (SV Werder Bremen/GER) – 34 Länderspiele, 3 Tore

Patrick Wimmer (VfL Wolfsburg/GER) – 30 Länderspiele, 1 Tor

Dejan Ljubicic (FC Schalke 04/GER) – 9 Länderspiele, 1 Tor

Carney Chukwuemeka (Borussia Dortmund/GER) – 2 Länderspiele, 1 Tor

Paul Wanner (PSV Eindhoven/NED) – 3 Länderspiele