Nach einem starken fünften Platz in der Vorjahrstabelle ist Williams weit abgeschlagen: Mit Magerbeute von gerade einmal 11 Punkten (sechs durch Sainz, fünf durch Albon) belegt das Team derzeit nur den neunten Rang unter den elf Rennställen.
"Ich hatte wirklich Sorge, beide zu verlieren", räumte Vowles am Freitag in Zandvoort offen ein. "Alex und Carlos sind Fahrer mit Weltmeister-Potenzial. Sie verdienen es, um Podestplätze und Siege zu kämpfen – doch das konnten wir ihnen bisher einfach nicht bieten." Umso dankbarer zeigt sich der Teamchef für die Treue seiner Piloten: "Dass sie genau in der Phase zu uns stehen, in der wir kämpfen, ist ein starkes Signal nach außen. Es zeigt, dass sie an unsere Zukunft glauben." Die Erleichterung sei im gesamten Werk spürbar: "Seit der Verkündung ist bei den Mitarbeitern eine Last abgefallen, der Glaube an das Projekt ist wieder greifbar."
Sainz setzt auf den langen Atem
Besonders um Carlos Sainz hatte es Spekulationen gegeben, unter anderem galt das künftige Audi-Werksteam als Interessent. Der viermalige Grand-Prix-Sieger entschied sich jedoch für einen mehrjährigen Vertrag bei Williams. Sainz erklärte, er habe sich bewusst Zeit genommen, um die Lage zu analysieren, sei aber kein Typ, der beim ersten Gegenwind das Weite sucht: "Ich wollte im Hinterkopf immer verlängern. Wichtig war mir aber zu verstehen, wie wir aus dieser schwierigen Lage herauskommen und wie wir das gemeinsam so schnell wie möglich schaffen."
Alex Albon, der mittlerweile mehr als 100 Rennen für Williams absolviert hat, unterschrieb eine Verlängerung um ein weiteres Jahr.
Laut Vowles konnte man Sainz davon überzeugen, dass der Rennstall das Schlimmste hinter sich gelassen hat und die Trendwende eingeleitet ist. Der Teamchef gab dabei offene Einblicke in die technologischen Rückstände: So stand dem Team wichtige Simulationstechnik zu Beginn der Entwicklung des 2025er-Autos noch gar nicht zur Verfügung. Sie ging erst im November ans Netz – zu einem Zeitpunkt, als das Fahrzeugkonzept längst stand.
"Wir mussten im Grunde auf Basis von Erfahrungswerten raten – und haben dabei manche Fehlentscheidung getroffen", gestand Vowles. Unter anderem habe man bei der Aerodynamik am Heck auf der falschen Höhe entwickelt: "Das klingt banal, führt aber dazu, dass man aerodynamisch komplett am Ziel vorbeientwickelt." Die Konsequenz: Der Bolide kam zu spät zu den Testfahrten, war übergewichtig und generierte zu wenig Abtrieb. Das Auto, das schließlich im Mai beim Rennen in Miami eingesetzt wurde, entsprach technisch im Grunde der Spezifikation, die eigentlich für den Saisonauftakt in Melbourne geplant war.
Ein jahrelanger Weg zurück an die Spitze
Dass Williams nicht über Nacht an die Spitze zurückkehren kann, liegt für Vowles auf der Hand. Das Budget Cap schränkt schnelle Reparaturen ein, zudem gelte es, 20 Jahre Versäumnisse und Unterinvestitionen aufzuholen. "Ich muss aktuell viel Geld in die Behebung von Problemen stecken, die andere Teams gar nicht erst haben", so Vowles.
Um die Prozesse in der Fabrik neu aufzustellen, holte Williams diesen Monat den ehemaligen McLaren-COO Piers Thynne an Bord. Er soll Produktion, Planung und Infrastruktur modernisieren. Für Vowles ein entscheidender Mosaikstein, da Thynne genau wisse, wie ein Team auf WM-Niveau strukturiert sein müsse. Der Weg zurück zu altem Glanz bleibt weit: Williams prägte die Formel 1 in den 1980er- und 1990er-Jahren als dominierende Macht, wartet jedoch seit 1997 auf einen Weltmeistertitel.
