Formula 1 Focus: Russell schlägt zurück, Antonelli bleibt cool – Titelkampf ist offen

Kimi Antonelli verlässt im Zweikampf mit George Russell die Strecke.
Kimi Antonelli verlässt im Zweikampf mit George Russell die Strecke.ALBERTO VIMERCATI / DPPI VIA AFP

Was waren die prägendsten Geschichten des vergangenen Rennwochenendes? Und welche Dynamiken abseits der Strecke sorgen für Gesprächsstoff? All das beleuchtet der Formel 1 Fokus, die regelmäßige F1-Kolumne von Flashscore-Autor Finley Crebolder.

Wechselhafte Bedingungen, eine anspruchsvolle Strecke und eine Historie voller Dramen: Der Große Preis von Kanada muss traditionell hohen Erwartungen gerecht werden – und 2026 hat er sie eindrucksvoll übertroffen.

Sechs Ausfälle, ein packender Fight an der Spitze und der obligatorische Regen als Katalysator: Montreal lieferte uns Chaos, pure Magie und das bislang beste Rennen der Saison.

Das sind meine wichtigsten Erkenntnisse.

Vorgeschmack auf Mercedes-Zweikampf

Nach etwas mehr als einem Jahr wirkte das Mercedes-Duo eher wie eine harmonische Partnerschaft als eine echte Rivalität – obwohl beide die WM anführten. Russell hatte Kimi Antonelli im Vorjahr meist im Griff, und im aktuellen Jahr waren sich die beiden Rad an Rad noch nicht gefährlich geworden.

Doch die Schonzeit ist vorbei.

Weder im Sprint noch im Hauptrennen schenkte einer dem anderen auch nur einen Millimeter. Sie fighteten am absoluten Limit, drängten sich gegenseitig von der Strecke und schrammten mehrfach nur haarscharf an einer teaminternen Kollision vorbei. Für Toto Wolff an der Boxenmauer war das kaum auszuhalten – für die Fans an den Bildschirmen schlichtweg spektakulär.

Auch wenn ein Motorproblem seine Jagd vorzeitig beendete: Russell lieferte eine bärenstarke Performance ab und stoppte Antonellis dreiwöchige Dominanz. In beiden Qualifyings war er – wenn auch hauchdünn – der Schnellere und verteidigte seine Führung in den Rennen mit ebenso cleveren wie kompromisslosen Manövern.

Dass er sich überhaupt so extrem breitmachen musste, lag allerdings daran, dass Antonelli im Rennen die bessere Pace hatte. Sobald der Youngster im Heck von Russell lauerte, erhöhte er den Druck massiv. Meiner Meinung nach hätte er den Briten am Sonntag über kurz oder lang überholt und sich abgesetzt – selbst ohne Russells technischen Klettereffekt.

Die stärkere Rennpace und das finale Ergebnis zementieren Antonellis Status als Top-Titelfavorit nach diesem Wochenende nur noch mehr.

Dennoch war es ein Mutmacher für alle, die sich einen packenden Titelkampf wünschen: Russell nutzte all seine Erfahrung, um den schnelleren Teamkollegen in Schach zu halten, während Antonelli noch die letzte Abgeklärtheit fehlte, um nach einer Attacke auch vorne zu bleiben. Beide sind bereit, bis ans Äußerste zu gehen – und bewiesen gleichzeitig, dass sie das ohne Schrott zu produzieren beherrschen. Bitte mehr davon!

Hamilton so glücklich wie seit Jahren nicht mehr

Lewis Hamiltons zweite Saison bei Ferrari läuft seit dem Saisonauftakt deutlich besser als sein Premierenjahr. Inzwischen ist unübersehbar: Der siebenfache Weltmeister ist so happy wie schon lange nicht mehr.

Nachdem er Charles Leclerc im Qualifying am Samstag und Sonntag im Griff hatte, distanzierte er seinen Teamkollegen auch im Rennen deutlich. Während Hamilton mit Max Verstappen erst um Platz drei und dann um Platz zwei rang, schlug sich der Monegasse mit dem langsameren Red Bull von Isack Hadjar herum.

Als Verstappen ihn in der Anfangsphase überholte, drohte Hamilton trotz eines starken Wochenendes ein eher enttäuschendes Kanada-Ergebnis. Doch der Routinier schüttelte den Rückschlag ab, blies zur Jagd, holte den Niederländer wieder ein und zog mit einem sehenswerten Manöver vorbei.

Damit sicherte er sich Platz zwei – sein bestes Resultat seit seinem Wechsel zur Scuderia und sein unterm Strich überzeugendstes Wochenende im roten Overall.

Nach dem Rennen strahlte Hamilton über das ganze Gesicht. Nach drei zähen Jahren bei Mercedes und einem harten Übergangsjahr bei Ferrari scheint er nun wieder in einer Verfassung zu sein, wie man sie von ihm seit fast einem halben Jahrzehnt nicht mehr gesehen hat – auf und abseits der Piste.

Und die Formel-1-Geschichte lehrt uns: Ein glücklicher Hamilton ist nur verdammt schwer zu schlagen.

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AutorFlashscore