Es gab einiges zu bereden. Klopp steht bis 2029 als "Global Head of Soccer" beim Red-Bull-Konzern unter Vertrag, diesen muss er in Abstimmung mit Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff auflösen. Anschließend könnte Klopp sich an den Deutschen Fußball-Bund und die deutsche Nationalmannschaft binden. Eine Millionen-Ablöse ist aber wohl hinfällig, stattdessen soll Klopp Werbebotschafter für Red Bull bleiben.
Der Deutsche Fußball-Bund hatte sich Klopp bereits vorab mit Haut und Haaren verschrieben, schon in der offiziellen Kommunikation zum Rücktritt von Julian Nagelsmann wurde sein Name genannt. Zudem ließ Klopp seine Verhandlungspartner einfliegen - seine Position ist also extrem stark.
Bezahlung, Laufzeit und Wünsche für den Trainerstab sollen ebenfalls geklärt sein. Strukturelles und Klopps Werbeverträge mit Unternehmen, die in Konkurrenz zu DFB-Partnern stehen, könnten noch im Wege stehen. In einem längeren Telefonat habe sich allerdings "schnell herauskristallisiert, dass das am Ende auch funktionieren kann und wird", berichtete zuletzt DFB-Sportdirektor Rudi Völler.
Wie geht es mit Red Bull weiter?
Klopp soll seine Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders mitbringen, er soll beim Verband auch strukturell mitreden dürfen. Er wird wohl der mächtigste Bundestrainer jemals werden. Sein zackiges K und das leicht gekippte Doppel-P kann er allerdings erst offiziell auf die Linie setzen, wenn sein Vertrag als Fußball-Chef mit dem Red-Bull-Imperium aufgelöst ist. Das wird wohl noch etwas dauern - und genau bei diesem Thema gibt es zumindest ein bisschen Knatsch.
Denn einen Bundestrainer, der weiterhin Werbe-Botschafter für den Energydrink-Giganten wäre, sieht so mancher Beobachter kritisch. Auf diesem Wege will der DFB sich anscheinend eine Millionenablöse ersparen. Dies wäre "ein weiterer Kniefall vor dem Kapital", sagte Sprecher Thomas Kessen vom Fan-Bündnis "Unsere Kurve" dem SID.
Der DFB würde "mit viel Geld und Integrität" bezahlen. Bevor Klopp "als vermeintlicher Heilsbringer aufs Podest" gehoben werde, möge man sich bitte daran erinnern, wie viel Kredit er mit seiner Unterschrift bei Red Bull verspielt habe.
Für Fußball-Traditionalisten war es ein Pakt mit dem Teufel. Selbst bei Dortmunder Hardcore-Fans ist Klopp seitdem unten durch. Sie sehen im Red-Bull-Verhalten und dem Fußball als reine Werbefläche zum Verkauf einer Getränkedose Raubtier-Kapitalismus. RB Leipzig ist ihnen als Klub aus dem Reagenzglas glühend verhasst.
Auch ein ehemaliger DFB-Präsident hat Zweifel. Ein Bundestrainer im Zeichen des österreichischen Konzerns wäre "ein völliges No-Go", sagte Theo Zwanziger der FAS. Dann, sagte er, "stellt Red Bull demnächst die deutsche Nationalmannschaft auf". Das Unternehmen wolle "Macht gewinnen in den Sport hinein" - und Klopp hätte letztlich "zwei Loyalitäten". Die Lösung? Wenn Klopp der Job so wichtig sei, "dann muss er alles andere sein lassen. Der Bundestrainer kann nicht zwei Hüte tragen."
Erste leichte Kritik von außen
Auch kritische Kommentare von Ex-Nationalspielern und Medien mehren sich. Die Süddeutsche Zeitung schreibt sogar von einem "faustischen Pakt, einer Verabredung, deren Preis man erst erkennt, wenn es zu spät ist". Ein Nebenjob "als Maskottchen" sei "das Letzte, was sich damit verträgt", dass Klopp für Authentizität und Emotionen stehe.
Weltmeisterkapitän Philipp Lahm stellte (unabhängig von Red Bull) offen die Frage, ob Klopp überhaupt "die Ideallösung" sei. Bastian Schweinsteiger bemängelt die offensichtliche Alternativlosigkeit, beim DFB wünscht er sich zudem noch mehr Fußball-Expertise. Verhindern werden sie alle den Deal kaum.
Noch ist die Art der Übereinkunft auch nicht geklärt. Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff soll erst in der kommenden Woche nach Amerika reisen. Also: Erst die Einigung Klopp/DFB, dann die Vertragsauflösung mit dem bisherigen Arbeitgeber, dann die Unterschrift beim Verband. Und Klopp wäre im dritten Anlauf endlich Bundestrainer.
Absolute Wunschlösung
Auch Watzke gab sich optimistisch. "Ich weiß, dass Jürgen Deutschland liebt", sagte der Präsident von Borussia Dortmund, ein enger Freund Klopps aus gemeinsamen erfolgreichen Zeiten. Der Wunsch-Bundestrainer wird bis zum Ende der WM mit dem Finale am 19. Juli als Experte für MagentaTV vor Ort im Einsatz sein. Auch er hat seine Bereitschaft für ein Engagement beim DFB klar signalisiert: Es sei nicht der perfekte Zeitpunkt, er sei aber auch noch nie besser gewesen.

Mit Völler hatte Klopp bereits zuvor telefoniert, der Sportdirektor wird im Amt bleiben und möchte gerne mit Klopp arbeiten. Julian Nagelsmann war nach dem blamablen WM-Ausscheiden der Nationalmannschaft gegen Paraguay (3:4 i.E.) als Bundestrainer zurückgetreten. Das erste Länderspiel für seinen Nachfolger steht am 24. September in der Nations League in Amsterdam gegen die Niederlande an.
Zum Match-Center: Deutschland vs. Paraguay / Niederlande vs. Deutschland
