Belgien verabschiedet sich mit einem "Scheißgefühl" beim "letzten Hurra"

Aktualisiert
Kevin de Bruyne im Kreis der Belgier nach dem Ausscheiden gegen Spanien
Kevin de Bruyne im Kreis der Belgier nach dem Ausscheiden gegen SpanienFoto von FREDERIC J. BROWN / AFP

Ein Fehler seines Ersatztorwarts kostet Belgien eine Sensation gegen Spanien. Danach verteidigt Thibaut Courtois die "goldene Generation".

Senne Lammens wäre wohl am liebsten im Erdboden versunken, aber es gab nun mal kein Loch im Strafraum. Also schlurfte der Unglücksrabe nach dem Abpfiff erst zurück zu seinem Tor, in das gut zehn Minuten zuvor nach seinem unheilvollen Patzer der Ball zum 2:1 (1:1) für Spanien geflogen war. Dann machte der belgische Ersatztorhüter kehrt, kickte ein paar Grashalme um, ehe er Thibaut Courtois über den Weg lief. Sie umarmten sich.

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"Ich habe ihn umarmt, mehr kann ich nicht machen. Für einen Torwart ist das ein Scheißgefühl", sagte der 34 Jahre alte Weltklasse-Torhüter. Er selbst war in der 71. Minute beim Spielstand von 1:1 vom Feld geholt worden, wegen einer Verletzung am Oberschenkel, aber auch ein wenig gegen seinen Willen. Zwei Minuten vor dem Abpfiff dann: Schuss Pau Cubarsi, Aufsetzer, Lammens (24) lässt den Ball nach vorne prallen, Mikel Merino staubt ab (88.).

Ein Fehler zu viel

Es war das eine kleine Unglück zu viel, um an der Sensation zumindest zu schnuppern. "Wenn du gegen ein Team von diesem Kaliber spielst", sagte Trainer Rudi Garcia, "dann brauchst du ein bisschen Glück auf deiner Seite. Außerdem darfst du auch nichts auf dem Silbertablett servieren." Aber leider, sagte der Franzose, "standen die Sterne nicht so gut für uns. Wir haben unseren Torwart verloren, wir haben unseren Kapitän verloren."

Die Enttäuschung bei Belgien war groß
Die Enttäuschung bei Belgien war großFoto von TAYFUN COSKUN / ANADOLU / ANADOLU VIA AFP

Youri Tielemans, 29 Jahre alt, Kapitän und Mittelfeldstratege vom Europa-League-Sieger Aston Villa, hatte sich beim Aufwärmen verletzt - ein schwerer Schlag für Belgien. Wenigstens Kevin De Bruyne machte diesmal mit, er leitete das 1:1 von Charles De Ketelaere ein (41.), das erste Gegentor der Spanier nach 649 WM-Minuten. Und vielleicht wäre es trotzdem anders gekommen, hätten die Belgier nach einem ungeahndeten Handspiel von Rodri einen Strafstoß zugesprochen bekommen (62.).

So blieb neben dem leichten Unmut des starken Courtois, der mehrfach beteuerte, nur bei langen Schlägen wirklich Probleme gehabt zu haben, und dem erkennbaren Ärger über den Fehler des unglücklichen Lammens nur die Erkenntnis: Bei ihrem wohl "letzten Hurra" (Garcia) verkaufte sich die sogenannte, aber bereits arg dezimierte "goldene Generation" der Belgier anständig: "Wir können stolz sein. Und wir werden aus der Niederlage lernen", sagte Garcia, der seine Zukunft offen ließ.

"Immer gut abgeschnitten"

Courtois (34), der sich ein Jahr Auszeit von der Nationalmannschaft nehmen will, wollte dann auch mal etwas geraderücken. "Ich weiß", sagte er für seine Verhältnisse beinahe energisch, "die goldene Generation muss immer Kritik einstecken, weil wir nichts gewonnen haben. Aber wir sind nicht England, Spanien oder Frankreich, wir sind ein kleines Land mit zwölf Millionen Einwohnern - und wir haben bei Turnieren immer gut abgeschnitten."

Die Bilanz liest sich so: Dritter bei der WM 2018, Viertelfinale bei der WM 2014, der EM 2016, der EM 2021, Achtelfinale bei der EM 2024. "Wir sollten stolz sein", betonte Courtois, "schaut euch mal all die großen Namen an, die kein Turnier gewinnen konnten." Hoffnung machen ihm die jungen Spieler. "Sie werden stärker werden, und wir werden den nächsten Schritt machen", beteuerte Courtois. Sein Schlusswort - auf Englisch: "Nice things will come."