"Bruda", "Alta" – zumindest bei seiner Ansprache über den Wolken nach dem 7:1-Kantersieg über Curacao verzichtete Undav auf seine Lieblingswörter. Fast zurückhaltend erzählte er, wie "unglaublich stolz" er auf sein erstes WM-Spiel sei und dass diese Mannschaft "noch einige Schritte zu gehen" habe. "Ich genieße jeden Moment", schloss er, "jeden Tag mit euch." Das beruht auf Gegenseitigkeit.
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Alle lieben Deniz, den Quatschkopf. Die Fans, die Mitspieler – und inzwischen sogar der Bundestrainer. Die Irritationen rund um das Ländersiel gegen Ghana (2:1) im März nach den unglücklichen Aussagen von Julian Nagelsmann sind ausgeräumt. Seit seiner Entschuldigung auf Anraten seiner Ehefrau Lena scheint der Bundestrainer immer besser zu verstehen, wie er sich die vielfältigen Qualitäten dieses ungewöhnlichen Typen am besten zunutze machen kann.
Vorerst und mit Blick auf das zweite Gruppenspiel am Samstag (22.00 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) gegen die Elfenbeinküste (Cote d'Ivoire) bedeutet das: Undav bleibt Super-Joker wie gegen Curacao, als er nach seiner Einwechslung zwei Tore auflegte und eines selbst erzielte.
"Unfassbar schlauer Spieler"
"Er hat einen absoluten Lauf", lobte Toni Kroos seinen früheren Mitspieler in seiner TikTok-Show. Der Rio-Weltmeister schwärmte von Undavs "super guter Entscheidungsfindung in den letzten Aktionen. Er hat den Kopf oben, hat ein sehr, sehr gutes Spielverständnis und setzt seinen Körper unheimlich gut ein."
Damit gleiche er Nachteile in Sachen Geschwindigkeit und Körpergröße mehr als aus. "Er ist ein unfassbar schlauer Spieler. Deswegen ist so einer immer wertvoll. Und wenn du ihn bringen kannst, sowieso nochmal."
Zumal Undav diese Rolle demütig an – und die Fans mitnimmt. Als lustig-launiger Camp-Guide ("Safe Arschbombe!"), mit seinen schwarzen Retro-Schuhen beim Teamfoto oder wenn er mal wieder offenherzig von seiner Vorliebe für Energydrinks und Döner plaudert.
Der etwas andere Weg zum Profi
Schon in der Jugend, hat sein damaliger Coach Jens Janßen dem NDR verraten, ist der im niedersächsischen Varel geborene Undav "zu jedem Training mit einem Tetrapack Eistee gekommen". An die Trainer-Ansage ("Hier gibt es Wasser!") hat sich der kleine Deniz nicht gehalten – und ging seinen eigenen Weg.
Dass sich einer vom TSV Achim unter anderem über Havelse, Meppen, Belgien und Brighton nach Stuttgart, in die Nationalelf und jetzt zur WM spielt – auch das begeistert den Anhang. Weil es die Fans träumen lässt. Nach dem Motto: Der Deniz ist einer von uns! Das kann jeder schaffen!
DFB-Gegner im Check
Curaçao in der Analyse | Elfenbeinküste | Ecuador

Dann tragen sie stolz das Trikot eines Spielers, der mit einem Tanz nach Toren seine kurdisch-jesidischen Wurzeln ehrt – für die er von türkischen Nationalisten angefeindet wird. Dass dem DFB mit seinem Partner 11teamsports bei der Beflockung der adidas-Shirts zwischenzeitlich der Buchstabe V ausgegangen ist, liegt neben Kai Havertz und Aleksandar Pavlovic vor allem an: Undav.
Wohin all die Begeisterung noch führt? Am 19. Juli, dem Tag des WM-Finales, wird der Stürmer 30 - "Flugbegleiter" Undav würde auf der Heimreise sicher liebend gern die nächste Durchsage machen: mit dem Pokal als Geburtstagsgeschenk.
