Xhaka zwischen Kritik und Rekorden: "Mit Granit macht es immer Spaß"

Granit Xhaka ist der unumstrittene Schlüsselspieler der Schweiz.
Granit Xhaka ist der unumstrittene Schlüsselspieler der Schweiz.ČTK / AP / Gregory Bull

Über den Auftrag von höchster Stelle musste auch Granit Xhaka schmunzeln. "Wenn ich einen Wunsch habe, dann, dass sie meine Ferien stören am 19. Juli", sagte Bundespräsident Guy Parmelin bei seinem Besuch im Teamcamp der Schweizer Nationalmannschaft in Vancouver mit Blick auf das WM-Finale in New Jersey und fügte lachend an: "Das wäre doch eine gute Motivation, wenn sie wissen, dass der Bundespräsident nochmal kommt."

Brauchen würde sie die Nati jedoch kaum, erst recht nicht Xhaka. Er wolle schließlich "Weltmeister werden", hatte der Kapitän vor dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada gewohnt selbstbewusst angekündigt. Im Achtelfinale gegen Kolumbien am Dienstag (22.00 Uhr MESZ/ARD, MagentaTV und Flashscore-Audioreportage) kann Xhaka diesem Ziel ein Stück näherkommen - und seinen Status als einer der besten Schweizer Fußballer der Geschichte weiter zementieren.

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Dass er überhaupt einmal in dieser Kategorie eingeordnet werden würde, hatte sich nicht immer abgezeichnet. Oft genug ist Xhaka seit seinem Debüt für die Nati im Juni 2011 mit seiner direkten und oft provokanten Art bei Fans und Medien angeeckt. Auch heute noch, über 15 Jahre später, sieht er sich immer wieder Kritik ausgesetzt. Auch bei der WM.

Xhaka lässt Kritiker erneut verstummen

Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Katar zum WM-Auftakt hatte die Boulevardzeitung Blick etwa über ein von Xhaka erzeugtes "toxisches" Umfeld im Nationalteam berichtet. Solche Berichte würden zwar von seiner "Seite auch ein bisschen provoziert", gab sich der frühere Bundesligaprofi einsichtig. Aber vielleicht, sagte Xhaka, könne man auch einfach "stolz sein" auf einen Spieler, der so viele "Spiele gemacht hat für dieses Trikot, für dieses Land".

Xhaka reagierte wie so oft: auf dem Platz. Beim 4:1 gegen Bosnien-Herzegowina feierte er seinen Treffer mit einer "Bla-Bla"-Geste, im Sechzehntelfinale gegen Algerien (2:0) durchbrach er als erster Schweizer die Schallmauer von 150 Länderspielen - und wurde von allen Seiten gefeiert. Für ihn, sagte Xhaka, sei es ein "Privileg", so oft das Land vertreten zu haben, "wo ich groß geworden bin, wo ich geboren bin, das mir und meiner Familie sehr vieles gegeben hat".

Dass er trotzdem immer wieder Kritik einstecken muss, sei "nicht immer einfach", gab Xhaka zu: "Ich würde lügen, wenn es da rein und da raus geht. Es tut weh, weil es Sachen gibt, die ich nicht verstehe." Vielleicht, mutmaßte er, brauche er "das auch ein bisschen, diese Provokationen, diese Meinungen von außen". Letztendlich zähle ohnehin nur, "dass die Mannschaft hinter mir steht, der Trainer hinter mir steht".

Und das tut Murat Yakin. Mittlerweile. Nach Anlaufschwierigkeiten haben sich die beiden Alphatiere längst gefunden. Xhaka sei seine "wichtigste Ansprechperson", schwärmte Yakin zuletzt. Er könne mit ihm "über alles reden", das sei zwar "nicht immer angenehm, aber trotzdem sehr produktiv und konstruktiv". Kurzum: "Mit Granit", so Yakin, "macht es immer Spaß". Und das soll es auch weiterhin. Ein Rücktritt von der Nationalmannschaft ist bei Xhaka, 33, aktuell nicht geplant. Ob der WM-Titel daran etwas ändern würde?