Was jedoch in den ersten Partien massiv auffällt: Die nackten Ergebnisse driften teilweise extrem von den tatsächlich herausgespielten Torchancen ab, wie auch die offiziellen Turnier-Daten der FIFA auf X (ehemals Twitter) eindrucksvoll belegen.
Niemand hätte wohl im Vorfeld ernsthaft geglaubt, dass der krasse Außenseiter Kap Verde gegen den Turnierfavoriten Spanien auch nur einen Punkt mitnehmen würde. In solchen David-gegen-Goliath-Duellen ist meist die eigene Überheblichkeit der einzige Gegner der Favoriten. La Roja kann man diesen Vorwurf allerdings nicht machen: Die Spanier dominierten das Spiel in fast jeder erdenklichen Statistik.
Ferran und Oyarzabal zu nachlässig
Die nackten Zahlen der Opta-Daten sprechen eine deutliche Sprache: Trotz 51:6 Ballkontakten im gegnerischen Strafraum und 27:6 Torschüssen für den Favoriten, trotz eines erdrückenden Werts von 2,1 Expected Goals (xG) gegenüber 0,21 von Kap Verde, rettete der WM-Debütant ein unvorstellbares, torloses Unentschieden über die Zeit, das Schockwellen durch die Fußballwelt jagte.
Wie das möglich war? Die Erklärung liegt in einer Mischung aus dem Spiel des Lebens des 40-jährigen kapverdischen Keepers Vozinha und einer extremen Abschlussschwäche der spanischen Offensivreihe. Ferran Torres vergab eine absolute Großchance; seine xG-Karte zeigt, dass seine vier Torschüsse die Qualität der Abschlusspositionen von 0,66 xG auf einen schwachen xGOT-Wert (Expected Goals on Target) von 0,17 drückten.

Nicht besser lief es für Mikel Oyarzabal: Nach fünf Schüssen sank sein xG-Wert von 0,5 auf magere 0,09 xGOT. Damit gehören beide Spanier zu den zehn ineffizientesten Spielern des bisherigen Turniers. Flashscore-Datenanalyst Marek Kabat resümiert: "Für Spanien war die Chancenverwertung nicht nur unglücklich. Gepaart mit einer außergewöhnlichen Leistung von Vozinha, der Chancen im Wert von 1,5 Toren vereitelte, führte dies zu diesem schockierenden 0:0."
Schweiz lässt Federn gegen Katar
Ein fast identisches Drama erlebte die Schweiz bei ihrem Auftakt gegen Katar. Die Eidgenossen weisen mit 3,2 den aktuell dritthöchsten xG-Wert des Turniers auf (Katar: 0,6). 26 Torschüsse und 42 Ballkontakte im katarischen Sechzehner (gegenüber 8 auf der Gegenseite) hätten statistisch zu einem Schützenfest führen müssen. Am Ende stand jedoch nur ein mageres Tor per Strafstoß auf der Anzeigetafel.

Gleich vier Schweizer Akteure vergaben hochkarätige Großchancen, allen voran Ruben Vargas, der doppelt patzte. Die logische Konsequenz: Der Wert der Abschlusspositionen implodierte von 3,2 xG auf 1,78 xGOT. Die Schweiz hat durch die mangelhafte Chancenverwertung quasi 1,5 Tore eingebüßt. "Den Daten nach hätte das ein klarer Kantersieg für die Schweiz sein müssen", so Analyst Kabat. "Das Verspielen dieser Riesenchancen hat sie am Ende zwei sicher geglaubte Punkte gekostet."
Messi-Masterclass in Sachen Effizienz
Dass es auch anders geht, zeigten andere Teams, die das genaue Gegenteil aufs Parkett legten. Lionel Messis One-Man-Show für Argentinien beim Sieg gegen Algerien wurde völlig zu Recht gefeiert – vor allem wegen seiner eiskalten Effizienz. Die Albiceleste benötigte im Gegensatz zu Spanien oder der Schweiz kaum Großchancen, um das Spiel zu entscheiden.

Argentinien schraubte die Qualität seiner Abschlüsse von 1,26 xG auf starke 2,22 hoch. Messi selbst steigerte seinen persönlichen Wert laut Positionskarte von 1,05 xG auf 1,86 xGOT, was ihm eine überragende Flashscore-Bewertung von 9,6 einbrachte – der bisherige Bestwert des Turniers. Neben seinen genialen Toren glänzte der Superstar mit sechs Torschüssen, zwei kreierten Großchancen, sechs progressiven Pässen sowie vier Pässen direkt in den Strafraum. Eine echte Spielmacher-Demonstration.
Kaltschnäuzige US-Boys und Tunesiens Torwart-Albtraum
Auch die USA und Schweden profitierten bei ihren Kantersiegen von einer brutalen Effizienz vor dem Tor. Die USA verbesserten sich beim 4:1 gegen Paraguay von 1,34 xG auf 2,43 xGOT. Herausragend agierte dabei Folarin Balogun: Trotz einer vergebenen Großchance verdiente er sich eine 9,0-Bewertung. Zwei Tore, fünf Torschüsse und zehn Ballkontakte im gegnerischen Strafraum (jeweils Spielbestzeit) ließen seinen Wert von 0,47 xG auf phänomenale 1,65 xGOT nach oben schnellen.

Schweden wiederum schraubte seinen Wert beim 5:1 gegen Tunesien von 1,34 xG auf 2,12 hoch. Während der Schwede Yasin Ayari mit einer perfekten Ausbeute glänzte (zwei Tore bei nur zwei Schüssen und 0,07 xG), erlebte der tunesische Keeper Mouhib Chamakh einen absoluten Albtraum. Von sechs Paraden gelang ihm nur eine einzige; zwei Gegentore gingen direkt auf seine Kappe. Statistisch kassierte er fast drei Tore mehr (2,88), als es der xGOT-Wert gegen ihn vorausgesagt hätte.
Die Quittung war die mit Abstand schlechteste Turnier-Bewertung von 2,9. Zum Vergleich: Selbst Curaçaos Eloy Room erhielt nach sieben Gegentoren gegen Deutschland noch eine 4,3, und Südafrikas Yaya Sithole kam nach einer roten Karte in der 49. Minute sowie einer katastrophalen Zweikampfquote noch auf eine 3,8.

Die Daten der bisherigen Spiele zeigen ein klares Bild: Argentinien, die USA und Schweden erzielten trotz deutlich niedrigerer xG-Werte (alle unter 1,5) deutlich mehr Tore als Spanien oder die Schweiz. Das ist eine Warnung an alle Ballbesitz-Liebhaber: Dominanz alleine reicht nicht. Wenn die Effizienz im Abschluss fehlt, verkommt das Kurzpassspiel zu einer brotlosen Kunst – schön anzusehen für die Zuschauer, aber tödlich für die Titelambitionen.
FIFA WM 2026
Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird vom 11. Juni und 19. Juli ausgetragen. Bei Flashscore findest du alle Infos zur Endrunde in in den USA, Kanada und Mexiko.
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