Vom Staatsfeind zum Helden: Varela lässt Kap Verde von K.o.-Runde träumen

Helio Varela feiert nach dem zweiten Tor für Kap Verde gegen Uruguay.
Helio Varela feiert nach dem zweiten Tor für Kap Verde gegen Uruguay.REUTERS/Marco Bello

Helio Varela rannte nach seinem Schuss ins Glück los - und alle liefen hinterher. Der neue Volksheld aus Kap Verde verschwand kurz in einer glückseligen Jubeltraube, dann trugen sie ihn auf Händen und präsentierten ihn den eigenen Fans und der ganzen Welt. Denn dank Varela geht das WM-Märchen des Außenseiters in die Verlängerung. Mehr noch: Die "Blauen Haie" wollen jetzt richtig zubeißen.

"Davon habe ich immer geträumt, aber ich hätte nie gedacht, dass es auf diese Weise passieren würde", sagte Varela, der nur drei Minuten nach seiner Einwechslung zum 2:2 (1:2) gegen Uruguay traf und die kleine afrikanische Inselgruppe im Atlantik in Ekstase versetzte: "Mein erstes Tor für die Nationalmannschaft bei meinem Debüt bei der Weltmeisterschaft zu erzielen, ist einfach unglaublich. Mir fehlen die Worte."

Zum Match-Center: Uruguay vs. Kap Verde

Unglaublich trifft es bei Varela und Co. ganz gut. Die Nummer 63 der Weltrangliste hat in Gruppe H jetzt gegen Spanien gespielt, gegen Uruguay gespielt - und dennoch sind die Außenseiter noch ungeschlagen. Eine Momentaufnahme, die vor ein paar Tagen noch unmöglich schien. Doch dem Land mit nur rund 525.000 Einwohnern winkt beim WM-Debüt nun plötzlich die K.-o.-Runde. Selbst der Gruppensieg ist noch drin.

"Im Moment denken wir nur daran, uns für die nächste Runde zu qualifizieren", sagte Trainer Pedro Leitao Brito, den alle nur "Bubista" nennen, mit Blick auf das letzte Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien in der Nacht zu Samstag (2.00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV): "Egal, wie klein du auch bist, wenn du den Willen hast, für das zu kämpfen, was du haben willst, dann erreichst du es auch meistens."

Kap Verde hat jetzt schon Geschichte geschrieben, aber die Mannschaft will mehr - mit aller Macht. Giftig, energiegeladen, trickreich - so nervte der Herausforderer auch Uruguay. Und diesmal war nicht Torwart Vozinha, dessen Mutter für die Partie extra eingeflogen war und im Stadion mitfieberte, der große Held, sondern Kevin Pina, der das erste WM-Tor überhaupt für Kap Verde per Freistoß aus rund 30 Metern erzielte (21.). Und eben Schlitzohr Varela.

Kap Verde begeistert als Underdog

Der 24-Jährige von Maccabi Tel Aviv lauerte bei seinem Ausgleichstreffer (61.) clever auf seine Chance, schnappte sich einen schlampigen Rückpass und glich so nach den Treffern von Maxi Araujo (44.) und Agustin Canobbio (45.+6) für Uruguay noch aus. Die Fans feierten ihn dafür frenetisch, auch in der Heimat.

Dabei war Varela noch vor gut drei Jahren gewissermaßen der Fußball-Staatsfeind Nummer eins, als er die Nominierung für den Afrika-Cup dankend ablehnte. Viele Anhänger reagierten tief enttäuscht. Nun ist alles vergessen. Stattdessen ist Varela plötzlich eines der strahlenden Gesichter der "Underdog-Helden der WM" (The Guardian).

Und das Märchen soll noch lange nicht zu Ende sein. "Für die Welt mag es eine Überraschung sein, aber für uns nicht", sagte Pina über die bisherige WM-Geschichte der Kapverden: "Jetzt geht es darum, unserem Volk weiter Freude zu bereiten." Womöglich sogar als Gruppensieger?

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