Tränen, Trauer, Schmerz: Mexikos WM-Reise endet im Aztekenstadion

Die mexikanischen Fans mussten gegen England das bittere Ausscheiden hinnehmen.
Die mexikanischen Fans mussten gegen England das bittere Ausscheiden hinnehmen.REUTERS/Paola Garcia

Torhüter-Ikone Guillermo Ochoa stand einsam auf dem grünen Rasen, rieb sich durch die tränenverschmierten Augen und presste dann die Hand auf seine Brust, als wolle er sein Herz davor bewahren, auseinanderzubrechen. Um ihn herum lagen sich seine traurigen Teamkameraden in den Armen, und auch auf den Rängen der zerbröckelten Festung "Azteca" herrschte tiefer Kummer.

Ein ganzes Land hatte vom Einzug ins Viertelfinale geträumt, sich in den schönsten Illusionen gar schon Jubelbilder mit dem Goldpokal ausgemalt. Doch ausgerechnet in der heiligen Stätte des mexikanischen Fußballs fand die hoffnungsvolle Reise bei der Heim-WM ein jähes Ende. Erstmals seit 2013 unterlag Mexiko im Aztekenstadion, zum ersten Mal überhaupt ging dort ein WM-Spiel verloren. Nach dem bitteren 2:3 gegen England im Achtelfinale in Mexiko-Stadt steht El Tri vor einem Neuanfang.

Zum Match-Center: Mexiko vs. England

"Gegen Mannschaften wie England darf man sich keine Fehler erlauben", resümierte Trainer Javier Aguirre: "Wir haben drei Fehler gemacht – und dafür einen hohen Preis bezahlt." Drei Fehler, drei Gegentore. Auch die Rote Karte für Englands Jarell Quansah in der 54. Minute half Mexiko nicht.

Aguirre bittet um Entschuldigung

Dabei waren die Hoffnungen groß gewesen vor dem Duell mit dem Titelkandidaten, schließlich war Mexiko mit drei Siegen und ohne Gegentor durch die Gruppenphase marschiert und hatte im Sechzehntelfinale auch Ecuador beim 2:0 souverän ausgeschaltet.

"Die Fans kann ich nur um Entschuldigung bitten", sagte Aguirre, seine Mannschaft habe gegen England um den deutschen Coach Thomas Tuchel "Herz, Seele und Leidenschaft auf dem Platz gelassen". Doch wenn Mexiko "dauerhaft zu den sieben oder acht besten Nationen der Welt gehören will, müssen wir uns weiterentwickeln", betonte der 67-Jährige.

Diese Entwicklung anzuleiten ist künftig nicht mehr die Aufgabe Aguirres, dessen dritte Amtszeit als Nationaltrainer Mexikos nach dem schmerzhaften Ausscheiden endete. Stattdessen wird künftig der ehemalige Nationalspieler und Kapitän Rafael Márquez die Auswahl trainieren. Der Wechsel war bereits vor dem Turnier beschlossen worden.

148 Partien für Mexiko hat der frühere Profi des FC Barcelona bestritten, zuletzt fungierte er bereits als Co-Trainer bei der Nationalmannschaft. Dort findet er laut seinem Vorgänger nun beste Bedingungen vor: "Ich glaube, dass wir große Fortschritte gemacht haben", sagte Aguirre, "unsere Spieler verfügen über alle Voraussetzungen, um auf höchstem Niveau mitzuhalten." Sie werden sich an seine Worte erinnern, wenn der Schmerz nachlässt.