Wenn Brasilien bei einer Weltmeisterschaft antritt, richtet sich der Blick traditionell auf Neymar. Doch ebenso regelmäßig wie seine Genialität auf dem Platz sind die Sorgen um seine körperliche Verfassung.
Zum Match-Center: Brasilien vs. Marokko
Auch vor der WM 2026 steht der Offensivstar im Mittelpunkt eines Wettlaufs gegen die Zeit. Auch wenn ein Neymar-Einsatz im ersten Spiel gegen Marokko mittlerweile als realistisch gesehen wird: Ein Ödem in der rechten Wade vor dem Turnierauftakt weckt Erinnerungen an die vergangenen Weltmeisterschaften, bei denen Verletzungen immer wieder eine entscheidende Rolle spielten.
FIFA WM 2026
Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird vom 11. Juni und 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen. In zwölf Gruppen kämpfen zunächst 48 Mannschaften um den Einzug in die erste von erstmals insgesamt fünf K.o.-Runden.
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Das Trauma von 2014
Der Beginn dieser Geschichte führt zurück zur Heim-WM 2014. Im Viertelfinale gegen Kolumbien erlitt Neymar nach einem Zusammenprall mit Zúñiga einen Bruch des dritten Lendenwirbels. Unter starken Schmerzen wurde der damalige Hoffnungsträger der Selecao auf einer Trage vom Feld gebracht.

Das Turnier war für ihn beendet, noch bevor es seinen Höhepunkt erreicht hatte. Neymar verpasste das Halbfinale gegen Deutschland, das als eines der dunkelsten Kapitel der brasilianischen Fußballgeschichte in Erinnerung blieb. Brasilien verlor im Mineirão mit 1:7 und musste den Traum vom Titel im eigenen Land begraben.
Russland 2018: Fit, aber nicht in Bestform
Vier Jahre später kämpfte Neymar erneut gegen die Zeit. Im Februar 2018 hatte sich der Angreifer bei PSG einen Bruch des fünften Mittelfußknochens im rechten Fuß zugezogen. Zwar schaffte er es rechtzeitig zur Weltmeisterschaft in Russland, doch die lange Pause hinterließ Spuren.

Neymar fehlte die notwendige Spielpraxis, und insbesondere in der Anfangsphase des Turniers wirkte er nicht auf seinem gewohnten körperlichen Niveau. Seine Explosivität und Dynamik waren deutlich eingeschränkt. Brasilien erreichte das Viertelfinale, schied dort jedoch gegen Belgien aus.
Die nächste Verletzung gleich zum Auftakt
Auch die Weltmeisterschaft 2022 entwickelte sich für Neymar zu einer Geduldsprobe. Im ersten Gruppenspiel gegen Serbien zog sich der Offensivspieler eine schwere Verstauchung des rechten Sprunggelenks zu. Die Bilder seines geschwollenen Knöchels sorgten in Brasilien für große Besorgnis.

Neymar verpasste die beiden folgenden Gruppenspiele und kehrte erst im Achtelfinale gegen Südkorea auf den Platz zurück. Vollständig beschwerdefrei war er dabei nicht. Brasiliens Turnier endete wenig später im Viertelfinale gegen Kroatien, bei der Neymar in der Verlängerung noch den scheinbar goldenen Siegtreffer nach einer tollen Solo-Aktion erzielte. Doch nachfolgend kassierte man den Ausgleich und musste den Traum vom WM-Gold nach dem Elfmeterschießen abermals begraben.
Die Wade sorgt vor 2026 für Sorgen
Vor seiner vierten Weltmeisterschaft war die Nominierung Neymars ein nationales Thema. Trainer Carlo Ancelotti berief den Superstar erst nach intensiven Diskussionen in den Kader. Kurz darauf sorgte eine Wadenverletzung für neue Unsicherheit.

Das Ödem zog sich Neymar bei der 0:3-Niederlage seines Klubs Santos gegen Coritiba in der brasilianischen Liga zu. Untersuchungen des brasilianischen Verbandes verliefen zwar positiv, dennoch gibt es bislang keinen festen Termin für seine Rückkehr ins Mannschaftstraining.
Der wohl letzte Tanz
Für Neymar könnte die Weltmeisterschaft 2026 die letzte Gelegenheit sein, den Titel zu gewinnen, der seiner Karriere noch fehlt. Seine fußballerischen Fähigkeiten stehen außer Frage. Über Jahre gehörte der Brasilianer zu den spektakulärsten und einflussreichsten Spielern seiner Generation. Doch erneut hängt vieles davon ab, ob sein Körper den Belastungen eines wochenlangen Turniers standhalten kann.

Der Kampf des Brasilianers richtet sich dabei nicht nur gegen die Uhr oder gegen eine weitere Verletzung. Es ist der Versuch, ein Karrierekapitel mit dem größten Triumph zu vollenden und die Hoffnungen einer Nation zu tragen, die seit 2002 auf den "Hexa", den sechsten WM-Titel wartet.
