Die jüngeren Fußballfans in Deutschland konnten sich oft nur noch an die Weltmeisterschaften ab dem Heimturnier 2006 erinnern. Doch schon lange bevor das Sommermärchen und diese erfolgreiche Ära unter Jürgen Klinsmann und Joachim Löw im Titelgewinn in Brasilien 2014 ihren Höhepunkt erreichten, sorgte die DFB-Auswahl alle vier Jahre für herausragende Auftritte auf der Weltbühne des Sports.
Flashscore wirft für dich einen Blick auf die vergangenen Erfolge, Statistiken und Rekorde Deutschlands bei Weltmeisterschaften und zeigt auf wie der Mythos Deutschland als Turniermannschaft entstanden ist.
Die Anfänge und der erste Triumph
Die allererste Weltmeisterschaft der Geschichte fand 1930 in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo statt – allerdings ohne deutsche Mannschaft. Vier Jahre später war es dann aber soweit und Deutschland feierte in Italien WM-Prämiere. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Beim Debütturnier fliegt man erst im Halbfinale gegen die damalige Tschechoslowakei raus und sichert sich dennoch im ersten Turnier einen überzeugenden dritten Platz. Im folgenden Jahr in Frankreich führt sie ihr Weg nur ins Achtelfinale, ehe die Weltmeisterschaft aufgrund des zweiten Weltkrieges bis 1950 pausierte.
Deutschland war jedoch zu dem Zeitpunkt kein Mitglied der FIFA mehr und entsandt dahingehend keine Mannschaft. Doch der große Triumph sollte lediglich vier Jahre später folgen. In der Gruppenphase musste ein Entscheidungsspiel gegen die Türkei über das Weiterkommen bestimmen. Max Morlock schoss die deutsche Auswahl damals mit einem Hattrick zum 7:1-Sieg und dem Einzug in die K.o.-Runde. Nach überzeugenden Siegen gegen Jugoslawien (2:0) und Österreich (6:1) folgte das Wiedersehen im Endspiel mit Gruppengegner Ungarn.
Zum Match-Center: Deutschland vs. Ungarn (WM-Finale 1954)
Einen frühen 0:2-Rückstand nach zehn Minuten konnten die Tore von Morlock und Helmut Rahn noch vor der Halbzeit egalisieren. Deutschland kämpfte lange Zeit mit den unermüdlichen Offensivbemühungen des großen Turnierfavoriten, ehe es erneut Flügelstürmer Rahn war, der etwa sechs Minuten vor Schluss den 3:2-Endstand erzielte und das "Wunder von Bern" entstehen ließ. Es war gleichzeitig der bis heute einzige WM-Titel, bei dem ein Verband nur gegen Mannschaften vom eigenen Kontinent gespielt hat. Zudem munkelt man, dass Adidas neue Fußballschuhe mit Schraubstollen dem Team im Regen von Bern einen entscheidenden Vorteil verliehen haben.
Aufschluss zur Elite – Heimtitel 1974
In den darauffolgenden Jahren etabliert sich Deutschland endgültig in der Elite des Weltfußballs. Im Jahr 1958 in Schweden krallte man sich erneut einen Platz auf dem Podest (3.), 1962 führte ihr Weg zumindest ins Viertelfinale in Chile (0:1 gegen Jugoslawien). Es folgte die WM im "Heimatland" des Fußballs in England. Dort traf man im zweiten Endspiel der Verbandsgeschichte auf die Gastgebernation.
Es folgte Dramatik pur: Mit dem Auslaufen der regulären Spielzeit glich Verteidiger Wolfgang Weber (89.) mit seinem ersten Länderspieltor überhaupt die Partie aus und forcierte eine Entscheidung in der Verlängerung. Am Ende machte das legendäre "Wembley-Tor" den entscheidenden Unterschied aus, als Geoff Hurst (101.) den Ball an die Unterkante der Latte schoss und er von dort senkrecht nach unten prallte, ehe ihn Weber ins Toraus köpfte.
Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst und sein Gespann entscheiden nach Rücksprache auf Tor und ebnete England den Weg zum bislang einzigen WM-Titel ihrer Geschichte. Dennoch sollte der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft in den Folgejahren nicht abebben. Zwar verhinderte das legendäre "Jahrhundertspiel" im Halbfinale 1970 den zweiten Titel seit 1954, doch kurze Zeit später sollte es dann endlich wieder klappen. Im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt sicherte sich Italien nach einem absurden Hin- und Her in der Verlängerung durch ein 4:3 den Einzug ins Finale und unterlag in selbigem Brasilien mit 4:1.
Dann aber folgte der sensationelle Höhepunkt einer grandiosen Generation. Beim Heimturnier fand in der Gruppenphase das einzige jemals ausgetragene A-Länderspiel zwischen der DFB-Elf und der DDR-Auswahl statt. Letztere sicherten sich dank eines 1:0-Erfolges den Gruppensieg. Es blieb die einzige Niederlage des amtierenden Europameisters und durch drei Siege in der zweiten Gruppenphase des damaligen Turnierformates erreichte die westdeutsche Auswahl das Finale.
Zum Match-Center: Niederlande vs. Deutschland (WM-Finale 1974)
Gegen die Niederlande musste man aufgrund des Elfmetertores von Johan Neeskens (2.) bereits extrem früh einem Rückstand hinterherlaufen. Letzlich sorgten aber Paul Breitner (25.) und Gerd Müller (43.) für das Comeback und den zweiten Erfolg Deutschlands auf der größten Bühne des Weltfußballs.
Die goldene Ära der Finalteilnahmen
Was in den nächsten Jahren folgte, sucht seinesgleichen in der Geschichte der Weltmeisterschaften. Direkt nach dem Titel kam man in Argentinien zwar nicht über die Zwischenrunde hinaus, doch danach gelang Deutschland ein historischer Lauf. Dreimal (!) in Serie zog man in das Endspiel ein – das gelang keiner anderen Mannschaft bis zum heutigen Tag.
Die DFB-Auswahl scheiterte zwar in Spanien und Mexiko noch jeweils am letzten Schritt, doch 1990 folgte ausgerechnet in Italien die Revanche für die Niederlage im "Jahrhundertspiel" 1970 sowie dem Rückschlag im Endspiel 1986 gegen Argentinien, die man im Finale mit 1:0 dank eines Elfmeters (85.) kurz vor Schluss durch Andreas Brehme schlagen konnte.
Zum Match-Center: Deutschland vs. Argentinien (WM-Finale 1990)
Durch den Titeltriumph wurde Nationaltrainer Franz Beckenbauer als erst zweiter Fußballspieler nach dem Brasilianer Mario Zagallo, sowohl als aktiver Spieler ('74) als auch in der Rolle des Trainers ("Teamchefs") Weltmeister. Zudem schloss Deutschland mit dem insgesamt dritten Erfolg numerisch zu Brasilien und Italien auf.
Das moderne Comeback & die jüngste Krise
Wie es so oft in der Vergangenheit der Fall war, folgten auf den dritten Titelgewinn zwei durchwachsene Turniere, die jeweils im Viertelfinale endeten. Mit der Jahrtausendwende kehrte auch der Erfolg zurück. In Südkorea reichte es aufgrund eines kleinen Patzers des sonst überragenden Oliver Kahns im Finale gegen Brasilien "nur" zum Vize-Weltmeister und die Südamerikaner feierten ihren fünften und bislang letzten WM-Titel.
Im Jahr 2006 folgte dann das emotionale Highlight der frühen 2000er Jahre, als man beim Heimturnier für das große "Sommermärchen" sorgte. Nachdem man im Viertelfinale in einem packenden Elfmeterschießen das Ausscheiden gegen Argentinien noch abwenden konnte, stach Italien durch einen 3:1-Erfolg in der Verlängerung einen Dolch durch das deutsche Fußballherz. Die Träume vom zweiten Heimtitel der Geschichte zerbrachen im Signal Iduna Park am späteren Titelträger.
Nachdem es auch in Südafrika trotz eines überragenden Turnieres, wegen eines fast übermächtig wirkenden Spaniens wieder nicht zum Titel reichte, trug sich Mario Götze (113.) mit seinem entscheidendem Tor im Endspiel 2014 in die deutschen Geschichtsbücher ein. Zwar konnte die Mannschaft von Bundestrainer Jogi Löw sich bis zum Halbfinale nicht so auszeichnen, wie noch vier Jahre zuvor, doch spätestens nach dem historischen 7:1 gegen Gastgeber Brasilien im Belo Horizonte (Mineirão) machte die Auswahl um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose ihre Ansprüche klar.
Das spätere Endspiel schrieb zahlreiche Geschichten. Christoph Kramer, der aufgrund des kurzfristigen Ausfalls von Sami Khedira in die Startelf rückte, musste das Spielfeld bereits früh mit einer Gehirnerschütterung verlassen, "Schweini" blieb selbst mit blutigem Turban das Zweikampfmonster im Mittelfeld und tief in der Nachspielzeit musste Mario Götze "ihn nur noch machen – und er machte ihn".
Zum Match-Center: Deutschland vs. Argentinien (WM-Finale 2014)
Doch der große Erfolg im Maracanã (Rio de Janeiro) mündete in einem historischen Einsturz. Nach den bitteren Vorrunden-Enttäuschungen von 2018 und 2022 sollte die Weltmeisterschaft 2026 die große Kehrtwende bringen. Das Turnier startete in der Gruppenphase vielversprechend mit einem deutlichen 7:1-Erfolg gegen Curaçao und einem umkämpften 2:1 gegen die Elfenbeinküste. Trotz einer anschließenden 1:2-Niederlage gegen Ecuador zog das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann in die K.-o.-Runde ein. Dort fand der Traum vom Titel jedoch ein schnelles und dramatisches Ende: In der neu eingeführten Runde der letzten 32 scheiterte Deutschland nach einem 1:1 nach Verlängerung mit 3:4 im Elfmeterschießen an Paraguay. Damit endete auch diese XXL-Weltmeisterschaft für die DFB-Auswahl deutlich früher als erhofft, was den alten Mythos der "Turniermannschaft" vorerst weiter in den Geschichtsbüchern verblassen ließ.
Deutsche WM-Rekorde
Die deutschen Leistungen bei Weltmeisterschaften sind dennoch nichts weniger als historisch. Die DFB-Auswahl hält aufgrund des regelmäßigen herausragenden Abschneidens zahlreiche Rekorde beim größten Fußballturnier der Welt.
Über Jahrzehnte war Lothar Matthäus der Akteur mit den meisten Einsätzen (25). Beim letzten WM-Finale zog Lionel Messi mit dem deutschen Weltfußballer jedoch gleich, mittlerweile hat ihn auch Cristiano Ronaldo überholt.
Den Rekord für die meisten WM-Tore trug lange Zeit Miroslav Klose (16). Ausgerechnet beim Triumph 2014 hat der Stürmer den Brasilianer Ronaldo in seinem Heimatland überholt. Auch wenn es nicht für die Bestmarke gereicht hat, klingen Gerd Müllers 14 Treffer in lediglich 13 Partien schlichtweg beeindruckend. Zudem gewann Thomas Müller gleich bei seiner ersten Teilnahme mit fünf Toren den goldenen Schuh.
Und auch als Team hat die deutsche Nationalmannschaft zahlreiche eindrucksvolle Rekorde. Mit 232 Toren hat die DFB-Auswahl die meisten aller Verbände bei einer WM erzielt. Zudem ist Deutschland der einzige Teilnehmer der dreimal in Serie im Endspiel stand, achtmal bereits generell im Finale, zwölfmal den Wettbewerb unter den Top-3 beendet hat und sich dreizehnmal unter die letzten vier kämpfte.
An den Zahlen kann man recht gut erkennen, warum Deutschland zu den besten Turniermannschaften der Welt gezählt wird. Sowohl in der Spitze als auch in der Konstanz sucht die deutsche Nationalmannschaft seinesgleichen und gleichwohl der aktuellen Krise, sorgt der Mythos "Deutschland als Turniermannschaft" immer noch für Angst und Schrecken bei anderen Nationen.
