Ferran Torres: Spaniens Rätsel auf zwei Beinen will die WM-Flaute beenden

Ferran Torres im Duell mit Mohammed Al-Owais im Spiel gegen Saudi-Arabien.
Ferran Torres im Duell mit Mohammed Al-Owais im Spiel gegen Saudi-Arabien.JOSÉ BRETÓN / DPPI VIA AFP

Der durchwachsene WM-Start von Ferran Torres zeigt einmal mehr, wie unberechenbar und schwer greifbar dieser Fußballer bleibt. Er hat keine feste Position, pendelt permanent zwischen genialen Torserien und Phasen kompletter Wirkungslosigkeit und steht oft in der Kritik – während er gleichzeitig das uneingeschränkte Vertrauen seiner Trainer genießt.

Der moderne Fußball liebt vielseitige, flexible Profis. Doch selbst die tiefgründigsten Analysen geraten ins Stocken, wenn es darum geht, Ferran Torres einzuordnen. Der 26-Jährige ist ein Spieler, der gleichzeitig alles und nichts zu sein scheint. Er ist weder ein klassischer Mittelstürmer noch ein reiner Flügelspieler, obwohl er beide Rollen ausfüllt. Er ist weder der geborene Knipser noch ein chronischer Chancentod – vielmehr ist er in der Lage, eine beeindruckende Tierserie hinzulegen, nur um kurz darauf in ein tiefes Formtief zu stürzen. Nach den ersten beiden WM-Spieltagen wird in Spanien intensiv über die Nummer 7 diskutiert. Eine Situation, die der Mann aus Foios nur zu gut kennt.

Vielleicht liegt diese Unnahbarkeit, diese Schwierigkeit seiner Einordnung, schon in seiner Wiege: Torres wurde am 29. Februar des Schaltjahres 2000 geboren. Rein rechnerisch hätte der Angreifer somit erst sieben echte Geburtstage gefeiert. Es gibt wohl keine treffendere Metapher für jemanden, der zu den besten und schlechtesten Leistungen fähig ist; der alle überrascht, wenn niemand mehr an ihn glaubt, und enttäuscht, wenn die Vorzeichen perfekt stehen.

"Bitte, lass es ein Tor sein"

Ausgerechnet auf der größten aller Bühnen steht er nun besonders im Rampenlicht. In den ersten beiden Partien der spanischen Nationalmannschaft zog Torres die Blicke auf sich. Gegen Kap Verde fand er als Außenstürmer in einer trägen, ideenlosen Mannschaft kaum Bindung zum Spiel. Gegen Saudi-Arabien, diesmal als "falsche Neun" aufgeboten, vergab er eine hochkarätige Großchance.

Dass es ihm derzeit an der nötigen Leichtigkeit fehlt, zeigte eine bezeichnende Szene beim vermeintlichen Treffer zum 5:0, der wegen Abseits aberkannt wurde. Während der VAR im Hintergrund die kalibrierten Linien zog, fingen die Kameras den Stürmer ein, wie er leise vor sich hin betete: "Bitte, lass es ein Tor sein."

Schon auf Vereinsebene schleppte er in dieser Saison eine hartnäckige Torflaute mit sich herum, aus der er sich nur mühsam befreien konnte. Die Ironie dabei: Zuvor war er mit herausragenden Quoten in die Spielzeit gestartet. Torres ist es gewohnt, inmitten dieser sportlichen Turbulenzen zu leben.

Zahlen sprechen für Ferran

Bemerkenswert ist jedoch, dass seine Trainer trotz der permanenten Kritik von außen nie an ihm zweifelten: Ob Pep Guardiola, Luis Enrique, Xavi Hernández, Hansi Flick oder Luis de la Fuente – sie alle machten ihn zu einem zentralen Baustein ihrer Teams.

Ein Blick auf die nackten Zahlen im Nationaldress gibt ihnen recht: Allen Krisen zum Trotz rangiert Torres bereits in den Top 10 der ewigen Torschützenliste der Furia Roja. Im Schnitt erzielt er im spanischen Trikot alle 90 Minuten 0,64 Tore. Die Qualität ist unbestritten – sie muss bei dieser WM nur wieder den Weg auf den Platz finden.

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