EXKLUSIV: Letzter Tanz auf großer Bühne – Witsel geht letzte WM an wie die erste

Axel Witsel jubelt über ein Tor für Belgien.
Axel Witsel jubelt über ein Tor für Belgien.Yves Herman / Reuters

Axel Witsel will bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 jeden Augenblick auskosten. Der belgische Mittelfeldstratege reist zu seinem vierten großen Turnier – wohlwissend, dass es sein letztes sein wird.

Seit 2010 ist der 37-Jährige eine feste Größe bei den Roten Teufeln. Einst tragende Säule der "Goldenen Generation" der 2010er-Jahre, ist der weitgereiste Routinier inzwischen der älteste Profi im belgischen Kader. 

Seine Faszination für das größte Fußballturnier der Welt ist seit seinem WM-Debüt 2014 ungebrochen. Der defensive Mittelfeldspieler geht die Aufgabe in Nordamerika genau mit derselben Leidenschaft an wie damals vor zwölf Jahren in Brasilien.

Witsel-Statistiken für Girona in dieser Saison
Witsel-Statistiken für Girona in dieser SaisonBagu Blanco/Pressinphoto / Shutterstock Editorial / Profimedia / Opta by StatsPerform

Im exklusiven Vorab-Gespräch mit Daniel Sobis für Flashscore betonte Witsel: "Ich werde dieses Turnier so angehen, als wäre es mein erstes – eben weil ich weiß, dass es mein letztes sein wird."

"Ich werde alles dafür tun, wirklich jeden Moment zu genießen. Und damit meine ich nicht nur die Spiele, sondern auch das Training und die Zeit mit den Jungs im Hotel – hoffentlich über volle vier Wochen."

Goldene Generation will die Krönung

Mit 138 Länderspielen auf dem Buckel hat Witsel im Nationaldress Höhen und Tiefen erlebt. Vom historischen dritten Platz 2018 bis zum bitteren Vorrunden-Aus vor vier Jahren in Katar – es war eine emotionale Achterbahnfahrt für eine Mannschaft, die ihr riesiges Potenzial selten komplett auf den Platz brachte.

Unter Nationaltrainer Rudi Garcia bietet sich nun die definitiv letzte Chance für die verbliebenen Stars der alten Garde – neben Witsel auch Thomas Meunier, Thibaut Courtois, Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku –, nach der Krone zu greifen.

Frische Energie bringen junge Talente wie Jérémy Doku und Charles De Ketelaere ins Team. Witsel ist überzeugt, dass er der Mannschaft mit seiner Routine entscheidend helfen kann.

"Es kommt auf die richtige Balance an, auf einen guten Mix aus der neuen Generation und der alten Garde", erklärte er. "Die Stimmung im Team ist elementar. Spieler wie Lukaku, Kevin, Courtois und ich sind mittlerweile etwas älter. Wir sind da, um den Jüngeren den Druck zu nehmen und ihnen das Leben leichter zu machen. Gerade bei einer Weltmeisterschaft ist internationale Erfahrung unersetzlich."

Axel Witsel im Einsatz gegen Kroatien vor der Weltmeisterschaft
Axel Witsel im Einsatz gegen Kroatien vor der WeltmeisterschaftAntonio Bronic / Reuters

In der Vergangenheit schnupperte Belgien mehrfach am ganz großen Wurf. 2018 scheiterte das Team erst im Halbfinale knapp mit 0:1 am späteren Weltmeister Frankreich. Noch schmerzhafter war das EM-Aus 2016 gegen Außenseiter Wales, als die Belgier als Top-Favorit galten. Witsel stand in beiden Partien auf dem Platz. Der verpassten Chance von 2018 trauert der Girona-Profi noch immer ein wenig hinterher.

Belgien nicht mehr in der Favoritenrolle

"Mit der Generation, die wir damals hatten, haben wir Großartiges erreicht", blickt er zurück. "Der dritte Platz 2018 war etwas Besonderes, das hatte uns niemand zugetraut. Trotzdem bleibt dieses Gefühl, dass wir es vielleicht hätten noch besser machen können. Wenn du im Halbfinale stehst, ist alles möglich."

Für das aktuelle Turnier stapelt er dagegen tief: "Heute sieht die Welt anders aus, da müssen wir ehrlich zu uns sein. Andere Nationen sind derzeit stärker als wir – Frankreich zum Beispiel hat ein unglaublich starkes Team. Auch Spanien und Argentinien gehören dazu. Wir leben heute in einer anderen Fußball-Realität. Aber eine WM schreibt eigene Gesetze und bringt immer Überraschungen hervor – man denke nur an Marokko in Katar."

Wenn Belgien beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko überraschen will, muss die erfahrene Achse funktionieren. Die Verantwortung lastet vor allem auf den Schultern des rechtzeitig fitten Lukaku, Spielgestalter De Bruyne und Rückhalt Courtois im Tor.

Die Sonne geht langsam unter über Belgiens "Goldener Generation" – doch Witsel und seine Weggefährten hoffen, am 19. Juli im Finale das glorreiche letzte Kapitel ihrer Nationalmannschaftskarriere zu schreiben.