Der gebürtige Kairoer verließ seine Heimat und seinen Jugendklub Wadi Degla bereits mit 18 Jahren, um in Europa Fuß zu fassen. Seine Reise begann in Deutschland, wo er zunächst für die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg auflief. Nach Leihstationen beim FC St. Pauli und dem VfB Stuttgart startete er schließlich bei Eintracht Frankfurt an der Seite von Hugo Ekitiké so richtig durch.
Während dieses Aufstiegs wurde auch der kanadische Verband auf ihn aufmerksam. Da seine Eltern vor seiner Geburt sechs Jahre lang im "Ahornland" gearbeitet hatten, besitzt Marmoush neben der ägyptischen auch die kanadische Staatsbürgerschaft.
"Nach drei oder vier Jahren in Deutschland hat mich die kanadische Nationalmannschaft kontaktiert. Der Trainer rief mich sogar persönlich an", erinnerte er sich in der TV-Sendung Sahibat Al Saada. "Aber als der Anruf kam, war meine Entscheidung längst gefallen: Meine Nationalmannschaft ist Ägypten. Ich stelle mein Heimatland über alles."
Im Rausch der Idole: Zidane und Ronaldinho
In Vancouver steht der 27-jährige Angreifer gegen die "All Whites" aus Neuseeland vor seinem 52. Länderspiel. Gemeinsam mit Mohamed Salah und Mahmoud Hassan (genannt "Trézéguet") bildet er das Prunkstück der ägyptischen Offensive.
Schon beim WM-Auftakt gegen Belgien (1:1) blieb Marmoush zwar ohne eigenen Treffer, wirkte aber durch seine Schnelligkeit, seine Wucht und seine gefährlichen Freistöße als ständiger Unruheherd vor Keeper Thibaut Courtois. "Ägypten steht defensiv kompakt und kontert extrem gefährlich. Mit Salah und Marmoush haben sie zwei fantastische, blitzschnelle Spieler", lobte auch Belgiens französischer Trainer Rudi Garcia nach dem Spiel der Gruppe G.

Für Marmoush ist die WM 2026 die Erfüllung eines Kindheitstraums. Im Interview mit der Nahost-Ausgabe des Magazins GQ verriet er: "Ich erinnere mich noch genau an den Panenka-Elfmeter von Zinédine Zidane im Finale 2006 gegen Italien – und an seinen Platzverweis. Auch der Brasilianer Ronaldo hat mich geprägt, aber mein absoluter Lieblingsspieler war Ronaldinho. Ich habe es geliebt, ihm zuzusehen. Er hat einfach immer mit einem Lächeln auf den Lippen gespielt."
Große Last für den Edeljoker
Gegen Neuseeland will die Nummer 22 nun Historisches schaffen: den allerersten WM-Sieg in der Geschichte Ägyptens. Die Hoffnungen des 108-Millionen-Einwohner-Landes ruhen zu einem großen Teil auf Marmoushs Schultern. Dieser immense nationale Druck steht im krassen Gegensatz zu seinem Alltag bei Manchester City. Im englischen Starensemble kommt der flexible Angreifer – der im Sturmzentrum, als hängende Spitze oder auf dem linken Flügel spielen kann – meist nur von der Bank.
Der Weg in die Startelf ist prominent versperrt: Erling Haaland, Rayan Cherki, Jérémy Doku und Antoine Semenyo heißen die Konkurrenten. Doch Marmoush nimmt die Herausforderung an: "Es ist hart, aber gleichzeitig macht es dich besser. Du weißt einfach: Wenn du auf dem Platz stehst, musst du dein absolut Bestes geben. Du musst abliefern, weil der nächste Spieler schon bereitsteht, um deinen Platz einzunehmen."
Dass er diese Mentalität verinnerlicht hat, beweisen seine Zahlen: Trotz seiner Jokerrolle steuerte Marmoush in dieser Saison bereits 8 Tore und 3 Vorlagen in 36 Pflichtspielen für City bei.
