Ja, tatsächlich. In Kanada erlebt der einst "vergessene Sport" (The Athletic) aktuell seine große Stunde. Im abschließenden WM-Gruppenspiel der Nationalmannschaft gegen die Schweiz am Mittwoch (21.00 Uhr MESZ/ARD, MagentaTV und Flashscore-Audioreportage) in Vancouver könnte es zum vorläufigen Höhepunkt kommen - und Kanada, das Mutterland des Eishockey, sich endgültig als "soccer nation" zementieren?
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Die jüngsten Leistungen der Mannschaft von Trainer Jesse Marsch, nicht zuletzt das berauschende 6:0 gegen Katar, seien "großartig für das Land, großartig für den Fußball in Kanada", sagte Draisaitl: "Ich hoffe nur, dass das die ganze Sache vorantreibt. Und in ein paar Jahren Kanada eine Fußball-Großmacht sein wird."
Eustaquio sieht Kanada schon als "Fußballland"
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, die Richtung aber stimmt - nicht zuletzt dank der nun entfachten Euphorie. In Massen strömen Kanadierinnen und Kanadier dieser Tage in die Stadien, auf "watch parties", vor die Fernseher - ganz ohne Eishockey. Die Partie gegen Katar verfolgten im Schnitt 5,2 Millionen Menschen im TV, in der Spitze waren es 7,3 Millionen. Es war das meistgesehene WM-Spiel in Kanada seit dem Finale 2014 zwischen Deutschland und Argentinien in Rio.
Längst scheint es in Ordnung, bei Straßenumfragen einen WM-Triumph Kanadas über den Gewinn des Stanley Cups zu stellen. Er habe, sagte Mittelfeldspieler Stephen Eustaquio zuletzt, "wirklich das Gefühl, dass wir ein Fußballland sind". Kanada, 2017 als 120. der FIFA-Weltrangliste noch unbedeutend und von der Fußballwelt vergessen, ist plötzlich angekommen im Theater der Großen.
Und noch ist die Party ja nicht vorbei. Ein Unentschieden würde "Les Rouges" gegen die Schweiz schon reichen, um als Gruppenerster in die K.o.-Phase einzuziehen. Hieße: Ein, im besten Fall zwei weitere Spiele in Vancouver. In der Metropole an der Westküste sind die Menschen ohnehin fußballbegeistert. Am Sonntag kam bei der Partie zwischen Belgien und Iran zwischenzeitlich niemand mehr ins Public Viewing auf Granville Island unweit des Zentrums - wegen Überfüllung.
Nun ist es aber vor allem an der kanadischen Mannschaft, die Euphorie weiter hoch zu halten. Der Erfolg gegen Katar war schon mal ein guter Anfang. Der erste WM-Sieg der Männer in der Geschichte des Landes, hatte der Amerikaner Marsch stolz betont, sei "ein unglaublich prägender Moment für alle" gewesen um zu verstehen, "dass es in diesem Land Talent gibt, dass es Mentalität, Willen gibt, dass es viele Dinge gibt, die dieses Land besonders machen". Auch wenn es ein Eishockeyland ist.
