Die Künstler können auch "schmutzig": Frankreichs Kampfansage im Glutofen

Désiré Doué und Manu Koné sind nach dem französischen Sieg über Paraguay erleichtert.
Désiré Doué und Manu Koné sind nach dem französischen Sieg über Paraguay erleichtert.REUTERS/Mike Segar

Kylian Mbappé sendete nach der eindrucksvoll bestandenen Reifeprüfung gegen das am Rande der Legalität wandelnde Paraguay eine deutliche Warnung in Richtung Fußballwelt. "Wenn wir uns die Hände schmutzig machen müssen, dann machen wir uns die Hände schmutzig", sagte der Kapitän der französischen Nationalmannschaft mit Nachdruck. Die Équipe Tricolore sei viel mehr als nur purer Zauber oder offensives Spektakel, "wir können auch dreckig spielen".

Dank der Nervenstärke von Mbappé am Elfmeterpunkt (70.) behielt der Topfavorit in der "Schlacht" von Philadelphia die Oberhand und löste mit dem 1:0 (0:0) das Viertelfinal-Ticket. Dabei trotzten Les Bleus im Geburtsort der USA nicht nur der Gluthitze von 40 Grad, sondern widerstanden auch den massiven Provokationen und Unsportlichkeiten der Paraguayer. "Sie dachten, wir kommen, um im Smoking zu spielen. Sie wollten nur kämpfen", so Mbappé, "aber wir waren trotzdem besser als sie."

Zum Match-Center: Paraguay vs. Frankreich

Nach dem Spaziergang durch die Gruppenphase sowie durchs Sechzehntelfinale musste Frankreich im Achtelfinale erstmals Schwerstarbeit verrichten, ein Fußballfest gab es zu den Feierlichkeiten der 250-jährigen Unabhängigkeit der USA wahrlich nicht. Paraguay spielte ruppig, foulte wie Matías Galarza zum Teil hinterlistig abseits des Balls - und provozierte mit Trash-Talk am laufenden Band. Doch der zweimalige Weltmeister war bereit dafür.

Kritik am usbekischen Schiedsrichter

"Wir wollten allen zeigen, dass auch wir kämpfen können, dass wir uns behaupten und dagegenhalten können", betonte Rayan Cherki. Dieser Arbeitssieg gegen den Deutschland-Schreck könne zu einem Schlüsselmoment auf dem Weg zum dritten Stern werden, hofft Didier Deschamps. "Ich bin überzeugt, dass uns das helfen wird", sagte der Trainer: "Viele Spieler haben noch keine WM-Erfahrung. Ich bin sehr zufrieden, dass sie die Kontrolle behalten haben. Man hätte in diese Falle tappen können – so wie andere Teams es getan haben."

Letztlich reichte in einer extrem chancenarmen Begegnung ein Elfmeter nach Videobeweis nach Foul von Diego Gomez an Joker Desiré Doué. Generell warf Deschamps dem Gegner vor, "endlos viel" gefoult zu haben. Referee Ilgis Tantashev aus Usbekistan unterband dies auch in keinster Weise. "Wie viele Fouls waren es? 30? 40? Und keine einzige Gelbe Karte?", schimpfte Cherki. Der frühere Bundesliga-Referee Patrick Ittrich sprach bei MagentaTV von der "schlechtesten Schirileistung dieser WM".

Solche Partien gerade auch in der Hitze seien "manchmal echte Schlachten", sagte Innenverteidiger William Saliba. Auf ein ähnlich hitziges Duell können sich die Franzosen am Donnerstag (22.00 Uhr MESZ/Flashscore-Audioreportage) in Boston einstellen. Denn im Viertelfinale wartet mit Marokko erneut ein unangenehmer und extrem intensiv spielender Gegner, der zudem über mehr spielerische Klasse als Paraguay verfügt.

"Das ist eine sehr gute Mannschaft", warnte Mbappé, "aber wir wollen unseren Weg weitergehen." Man werde, sagte Cherki martialisch, "wieder bereit sein, in den Kampf zu ziehen". Wenn dann noch die offensive Magie ins Spiel der Équipe Tricolore zurückkehrt, dürfte das Tor zum Halbfinale offenstehen.