Brasilien-Star Matheus Cunha: Endlich auch im Nationalteam wichtig

Matheus Cunha feiert seinen zweiten Treffer gemeinsam mit Vinicius Junior und Lucas Paqueta.
Matheus Cunha feiert seinen zweiten Treffer gemeinsam mit Vinicius Junior und Lucas Paqueta.Reuters / Dylan Martinez

Matheus Cunha wusste gar nicht so recht, wohin mit all den Emotionen. Immer und immer wieder warf er seinen Liebsten auf der Tribüne Kusshände zu, er winkte, formte ein Herz und grinste über das ganze Gesicht, als er den Moment, auf den er so lange gewartet hatte, endlich mit seiner Familie teilen konnte.

"Bei einer WM Tore zu schießen und meiner Mannschaft zu helfen – das ist alles, wovon ich je geträumt habe", schwärmte der Profi, dessen Karriere einst in Deutschland nur langsam Fahrt aufgenommen hatte, nach dem 3:0 (3:0) Brasiliens gegen Haiti. Er sei "sehr dankbar", dass er die "kleinen Augen" seiner Familie "voller Tränen" gesehen habe.

Zum Match-Center: Brasilien vs. Haiti

Nach seinem ersten Doppelpack für die Selecao empfand Cunha auch etwas Genugtuung, 2022 hatte er die WM ja noch verpasst. Und das mit ihm und Brasiliens Auswahl, es war bis zu diesem Abend in Philadelphia nicht immer eine Erfolgsstory. Doch der 27-Jährige, dessen Karriere erst über Umwege in Schwung kam, scheint sein Glück inzwischen gefunden zu haben.

Cunhas schwierige Zeit bei Atletico Madrid

Einst hatte ihn Leipzig als 19-Jährigen in die Bundesliga geholt. Es folgte der Wechsel zu Hertha BSC. Seine Klasse blitzte immer wieder auf, taktische Disziplinlosigkeiten und mitunter unberechenbare Leistungen wurden ihm aber gleichermaßen vorgeworfen. Der damalige Hertha-Coach Pal Dardai fragte sich sogar einmal, wie es Cunha nur geschafft habe, während eines Spiels derart in den "Spaziergang-Modus" zu schalten.

Immerhin bescherte er den Berlinern eine Rekordablöse, als er zu Atlético Madrid wechselte, um seine Chancen auf die WM in Katar zu erhöhen. Dort fielen sie aber rasant, Cunha verkam zur Randfigur. In Spanien erlebte er die schwierigste Zeit seiner Karriere. Als sein WM-Traum platzte, habe er sich "wirklich sehr schlecht" gefühlt und "sehr gelitten", gab Cunha im Vorjahr zu.

Erst als er 2023 nach Wolverhampton wechselte, blühte Cunha auf. Die Wolves, sagte er dem Guardian, hätten ihm die Freude zurückgegeben: "Manchmal wollen wir im Leben einfach nur Wertschätzung." Die erhielt er in England, auch beim lange kriselnden Riesen Manchester United, für dessen Aufschwung er in der abgelaufenen Saison anders als in Brasiliens Nationalteam als Linksaußen mitverantwortlich war.

Und selbst in der Selecao, die in Philadelphia zwar souverän gewann, aber weiterhin Luft nach oben besitzt, wird ihm diese Wertschätzung mittlerweile zuteil. Als Cunha, der seine Startelfchance nutzte, vom Feld ging, feierten ihn die Anhänger jedenfalls lautstark. Carlo Ancelotti, ein Fan von Cunhas Spielstil und dessen Vielseitigkeit, stellte umgehend klar, dass er gegen Schottland am Mittwoch (Ortszeit) "natürlich" wieder im Sturmzentrum beginnen werde.

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