44 Jahre nach Gijón: ÖFB-Team weiß, "welches Ergebnis es braucht"

Ralf Rangnick und seine Spieler treffen zum Gruppenabschluss auf Algerien.
Ralf Rangnick und seine Spieler treffen zum Gruppenabschluss auf Algerien.REUTERS/Kai Pfaffenbach

Die berühmte "Schande von Gijón" war vor dem Gruppenfinale der Österreicher allgegenwärtig - bis eine Niederlage der "Piefke" das leidige Thema kurz in den Hintergrund drängte. "Die Chancen sind plötzlich gesunken", titelte oe24.at nach dem 1:2 der Deutschen gegen Ecuador sorgenvoll. Warum das?

Nur noch mit 51,1-prozentiger Wahrscheinlichkeit würde dem ÖFB-Team im abschließenden Gruppenspiel am Sonntag (4.00 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) in Kansas City gegen Algerien auch eine Niederlage reichen, um dann als einer der besten acht Gruppendritten in die K.o.-Runde einzuziehen.

Heißt: Ein Unentschieden muss mindestens her, um das Minimalziel abzusichern. Stand jetzt! Bis zum Abschluss der Vorrunde kann sich angesichts des komplizierten Modus nämlich noch viel ändern, wie auch Ralf Rangnick weiß. "Es ist sicherlich von Vorteil", sagte der ÖFB-Teamchef, "dass wir das allerletzte Spiel von allen haben, so dass wir zu Beginn des Spiels schon ganz genau wissen, welches Ergebnis es braucht."

Wollen beide Teams verlieren?

Gut möglich, dass eben dann doch eine Niederlage das Weiterkommen garantiert. Hätte den Vorteil, dass Österreich sich den Gegner im Sechzehntelfinale aussuchen könnte. Von einer möglichen "Schande von Kansas City" war deshalb schon die Rede. Rangnick wiegelte jedoch ab: "Wir müssen im letzten Spiel dafür sorgen, dass wir dann auf jeden Fall dabei sind, wenn es in die Playoff-Phase geht. Dann ist es am Ende auch egal, gegen wen wir dann kommen."

Klar ist nur: Als Zweiter der Gruppe J hinter Weltmeister Argentinien wäre der Sieger der Gruppe H der Gegner der Österreicher am kommenden Donnerstag in Los Angeles. Dies dürfte voraussichtlich Europameister und Titelkandidat Spanien sein. Als Dritter wiederum wäre am Freitag in Vancouver ein Duell mit der Schweiz wahrscheinlich.

Dass es angesichts dieser Konstellation Absprachen geben könnte, glaubt dennoch keiner. Er könne zwar mit der "Schande von Gijón" von 1982 "was anfangen", sagte Stefan Posch. Aber dass 44 Jahre nach dem historischen Nichtangriffspakt zwischen Deutschen und Österreichern bei der WM in Nordamerika Ähnliches drohe, glaubt der ÖFB-Verteidiger "gar nicht".

Rückblick: Am 25. Juni 1982 benötigte Deutschland nach der peinlichen 1:2-Auftaktpleite gegen Algerien einen Sieg zum Weiterkommen, Österreich reichte eine knappe Niederlage, um die punktgleichen Nordafrikaner aus dem Wettbewerb zu werfen. Nach dem frühen 1:0 durch Horst Hrubesch stellten beide Mannschaften nach und nach ihre Offensivbemühungen ein. Die algerischen Fans auf den Rängen wedelten mit Geldscheinen. Mehrere Spieler gaben im Nachhinein einen "Nichtangriffspakt" oder eine Absprache in der Halbzeit zu.

Posch wischt "Nichtangriffspakt" beiseite

Davon wollte Posch im österreichischen WM-Quartier aber nichts hören. "Ich kann ja nicht in das Spiel gehen und sagen, heute will ich unentschieden spielen oder verlieren. Das funktioniert ja nicht", sagte der Mainzer bestimmt: "Ich glaube, das hat keiner von uns jemals gemacht und wird's auch nie machen. Deswegen stellt sich da für uns gar keine Frage."

Damals reagierte die FIFA und führte für die kommenden Weltmeisterschaften parallele Gruppenspiele zum Vorrundenabschluss ein, um derartige Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Das funktionierte, solange nur die ersten beiden Teams jeder Gruppe weiterkamen. Doch jetzt ist das Problem zurück. Und Österreich mittendrin.

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