Kurz vor dem (leicht verspäteten) Saisonstart für Real Madrid und den ewigen Rivalen FC Barcelona aber hat auch der Rückkehrer Mourinho seine Grenzen erfahren. Er warb intensiv um Rodri, den spanischen Weltmeisterkapitän - doch der entschied sich für Barcelona: und Hansi Flick. Das Duell der gänzlich unterschiedlichen Trainer wird die Saison prägen. Mourinho, der plärrende Mitreißer. Flick, der ruhige Bessermacher.
Zumindest Rodri liegt Flicks Art offensichtlich besser. "Ich habe mit Hansi gesprochen - und natürlich hat er seine Begeisterung darüber zum Ausdruck gebracht, dass ich hierher komme", sagte der geniale Strippenzieher, in Madrid geboren, nachdem er sich emotional von Manchester City verabschiedet hatte. "Ich freue mich sehr darauf, unter ihm zu trainieren, und bin froh, einen Trainer zu haben, von dem ich glaube, dass er meiner Karriere viel geben wird." Die Transfer-Saga des spanischen Sommers war beendet.
Obwohl, das war sie ehrlich gesagt nicht ganz. Denn Mourinho mag ein überaus erfolgreicher, charismatischer Mensch sein, der alle drei Europapokale und Meistertitel in vier Ländern gewonnen hat - im Verwinden von Niederlagen war er nie wirklich gut. Und so sagte der 63-Jährige, eigentlich habe er Rodri ja gar nicht haben wollen: "Ich habe ein paarmal mit ihm gesprochen, aber als er zweifelte, habe auch ich an ihm gezweifelt." Real könne keine Spieler gebrauchen, "die zweimal darüber nachdenken, ob sie kommen sollen".
Diomande (von RB Leipzig), Marc Cucurella, Ibrahima Konaté, Denzel Dumfries, Bernardo Silva und Carlos Espí werden dem Trainer-Rückkehrer für insgesamt fast eine Viertelmilliarde Euro wohl ein angenehmes Transfer-Trostpflaster sein. Auch Kylian Mbappé ist ja noch da: "Im Training bringt er mich manchmal zum Lachen, weil er einfach zu gut ist. Er befindet sich auf einem überirdischen Niveau", sagt Mourinho.
Wer ersetzt Lewandowski?
Flick (61) wird sich über Rodri, Anthony Gordon und Karim Adeyemi von Borussia Dortmund ("Ein fantastischer Stürmer") für zusammen 160 Millionen auch nicht beschweren. Er hatte ohnehin schon sein Meisterteam der vergangenen beiden Jahre beisammen, mit Weltmeistern wie Lamine Yamal, Pedri, Gavi, Pau Cubarsi oder Dani Olmo.
Sportdirektor Deco hat Flick zudem noch einen Topstürmer als Ersatz für Robert Lewandowski in Aussicht gestellt, damit nicht alles über die brillant besetzten Flügel laufen muss. Bedarf ist da: Auch Ferran Torres, Torschütze im WM-Finale gegen Argentinien, hat Barcelona verlassen.
Am Samstagabend spielt Real Madrid zunächst bei Espanyol Barcelona (Samstag, 21:30 Uhr/DAZN und Flashscore-Audioreportage), der FC Barcelona tritt am Sonntag beim FC Elche an (Sonntag, 21:30 Uhr/DAZN und Flashscore-Audioreportage) - die Saison läuft schon, aber Vereine mit WM-Halbfinalisten im Kader durften am ersten Spieltag aussetzen.
Mourinho verspricht, man werde nicht mehr den exzentrischen Wüterich früherer Tage sehen: "Ich habe dieselbe DNA, kann nicht verbergen, wer ich bin", sagte der Portugiese. "Aber ich bin reifer, weniger emotional, mehr unter Kontrolle." Ein Härtetest für diese Aussage steht noch aus.
