Es gibt diese Momente im neuen Alltag des Hans-Joachim Watzke, da sitzt er doch plötzlich wieder in der Kommandozentrale. Als die sportliche Führung den Sportdirektor Sebastian Kehl durch den auf Spitzenniveau noch gänzlich unerfahrenen Ole Book ersetzte, hätte Watzke durchaus intervenieren oder zumindest skeptisch die Augenbraue heben können.
"Wollte das von der Pike auf lernen"
Doch loslassen bedeutet für den langjährigen Chef: ganz loslassen. In seiner neuen Rolle als Präsident von Borussia Dortmund ist Watzke nicht mehr in der Verantwortung für den sportlichen Erfolg, er ist ein (meist) stiller Beobachter der Geschäftsführer Lars Ricken und Carsten Cramer, und genau das hatte sich der 66-Jährige von seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft auch versprochen.
"Es ist ein sehr großer Unterschied, ob du jetzt Geschäftsführer bist oder Präsident – auch wenn es komisch klingen mag. Ich musste den e.V. erst mal wieder kennenlernen", sagte Watzke den Ruhr Nachrichten. Und der Verein Borussia Dortmund steht ja für weitaus mehr als nur Profifußball der Männer.
Fast 240.000 Mitglieder zählt der BVB, auf professionellem Niveau werden auch Tischtennis und Handball betrieben. Alexandra Popp soll die Fußballerinnen in höhere Sphären führen. Watzke, der bei seiner Wahl im November nur 59 Prozent der Stimmen erhalten hatte, will ein Präsident für alle sein.
"Ich hatte viele Gespräche mit Abteilungen, mit den einzelnen Verästelungen des Vereins, für die ich mir viel Zeit genommen habe. Das war für mich wichtig, und ich wollte nicht am Anfang schon irgendwie Stellung beziehen zu Dingen, die ich noch nicht so durchdrungen habe", sagte Watzke: "Das hat mir gutgetan, war auch mal ganz schön. Ich wollte das von der Pike auf lernen."
Wahlergebnisse sorgte kurz für Frustration
Sein schwaches Wahlergebnis hätte ihn "die ersten zwei bis fünf Sekunden schon ein bisschen frustriert", betonte Watzke, der von 2005 bis 2025 Geschäftsführer gewesen war: "Aber Borussia Dortmund ist größer als ein Wahlergebnis und jede einzelne Person. Punkt."
Und natürlich hat Watzke mit dem Verein ambitionierte Ziele. In der Nähe des Fußball-Stadions soll in Eigenleistung eine Sporthalle für die Abteilungen Handball und Tischtennis entstehen. Zwar verstehe er bei diesen Sportarten "noch nicht jede Regel bis ins letzte Detail", aber: "Ich verstehe schon ein bisschen was vom Leistungssport."
Das wissen Ricken und auch Cramer, die zwar nicht über diesen reichen Erfahrungsschatz Watzkes verfügen, sich aber nun immer mehr freischwimmen. Er vertraue der Geschäftsführung "zu 100 Prozent", er habe zwar stets ein offenes Ohr, aber überhaupt könne er sich nur ein Urteil erlauben, wenn Entscheidungen ohne seinen Einfluss getroffen würden.
"Beim DFB automatisch Schluss"
So sei es, wie eingangs erwähnt, auch in der Causa Kehl/Book gewesen. Ricken und Cramer hätten ihm zwar angeboten, den Topkandidaten Book zu treffen und kennenzulernen. Aber: "Das wollte ich nicht, ich wollte ihre Meinung nicht zerschießen oder bestärken."
Ohnehin hat Watzke genug zu tun, er ist ja immer noch als Funktionär beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) im Einsatz.
Erst im Jahr 2029 wird neu gewählt. Dann könne er bei der DFL gar nicht mehr weitermachen, "weil ich kein operatives Amt mehr bei Borussia Dortmund habe. Dafür müsste man die Satzung ändern, und das möchte ich nicht. Dadurch ist dann auch beim DFB automatisch Schluss", sagte Watzke, der dann bald 70 Jahre alt wird: "Das ist genau der richtige Zeitpunkt, dann aufzuhören." Für sein Präsidentenamt beim BVB gilt das natürlich nicht.
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