"Man muss auch als Innenverteidiger die elf Kilometer abspulen und immer präsent sein – und wenn ich kurz abschalte, hat der Gegner eine Chance, und meistens ist die dann auch drin." Trotz schwächerer Phasen gegen Ende der Spielzeit habe er jedoch nie konkrete Abstiegsängste verspürt, da das Team auch unter Trainer Lukas Kwasniok eine intakte Moral bewiesen habe: "Egal, wie schlecht wir gespielt haben, wir haben immer bis zur 90. Minute alles reingeworfen."
Inmitten einer sehr jungen Mannschaft wächst Schmied immer stärker in die Rolle des lautstarken Führungsspielers hinein. Mit seinen 27 Jahren versteht sich der Schweizer als erfahrener Anker, der geforderte Verantwortung übernimmt und von hinten heraus Kommandos gibt: "Du kannst zu mir kommen, und ich gebe dir meine Meinung. Ob die dir dann passt oder nicht, ist nicht mein Problem, aber du kriegst eine ehrliche Meinung."
"Spätzünder" Schmied zeigt sich dankbar
Neben der spielerischen Entwicklung gelte es nun, dem Kölner Spiel etwas mehr Biss einzuimpfen: "In der Schweiz nennen wir das ‚Grinta‘ – das kommt vom Italienischen und bedeutet, ein ekliger Gegenspieler zu sein."
Zugleich gibt Schmied einen Einblick in seine ganz persönliche Entwicklung als sportlicher "Spätzünder". Während in der heutigen Branche oft schon Teenager im Rampenlicht stehen, habe er sich seinen Weg über kontinuierliche, harte Arbeit aufbauen müssen.

"Es hieß bei mir nie: ‚Hey, du bist das Supertalent, du läufst einfach durch.‘ Ich nehme mal Said El Mala: Der kommt, startet durch, und nach einer Saison hat er schon einen Marktwert von 50 Millionen. Aber es gibt ganz viele, die etwas länger brauchen."
Für die anstehende Saison nimmt der Abwehrspieler vor allem eine Schwachstelle ins Visier: die Standardsituationen. Die Ausbeute bei ruhenden Bällen sei in der abgelaufenen Spielzeit schlicht unzureichend gewesen: "Standards waren eine unserer Baustellen, defensiv wie offensiv. Wir haben viel versucht, gelungen ist uns leider wenig. Das müssen wir dieses Jahr deutlich besser machen."
"Solche Spieler haben wir nicht"
Getragen wird der Blick nach vorne von einer tiefen Dankbarkeit für das Privileg des Profifußballs. Gemeinsam mit Cheftrainer René Wagner spüre man im gesamten Umfeld eine enorme Energie. Das Bewusstsein, das einst als Hobby begonnene Spiel nun vor 50.000 Zuschauern als Beruf ausüben zu dürfen, müsse als intrinsische Motivation völlig ausreichen.
Wer diese Begeisterung nicht mitbringt, für den findet bei Schmied klare Worte: "In ein Stadion zu kommen mit 50.000 Zuschauern – wenn man dann denkt: ‚Puh, heute gar kein Bock‘ –, dann muss man zu Thomas Kessler gehen und sagen: ‚Lass mich gehen.‘ Aber solche Spieler haben wir nicht."
