"So viel wie ein 7:2 Spaß macht", antwortete Süle auf die Frage nach dem Spaßfaktor in seiner neuen Rollen als Feierabend-Kicker für den Klub aus dem 1300-Seelen-Dorf, das 1972 in die Kleinstadt Östringen im Landkreis Karlsruhe eingemeindet wurde. Mehr wollte der 30-Jährige nicht sagen im Anschluss an seine Amateur-Premiere nach gerade einmal drei Trainingseinheiten bei seinem neuen Verein.
Mit der Nummer 22 war der frühere Verteidiger im offensiven Mittelfeld aufgelaufen. Das gelbe Trikot, das ein wenig an den Dress seines Ex-Arbeitgebers Borussia Dortmund erinnerte, lag an einigen Stellen ziemlich eng an. In Süles Zeit als Berufsfußballer (299 Bundesligaspiele für die TSG Hoffenheim, Bayern München und Dortmund, 49 Länderspiele, Champions-League-Triumph 2020) hätte die Erscheinung selbstverständlich für die turnusmäßige Fitnessdebatte gesorgt.
Süle gelingt erster Treffer
Genau davon wollte sich der gebürtige Frankfurter befreien, als er vor drei Monaten dem Profitum den Rücken kehrte. "Ich freue mich sehr, den Fußball endlich wieder aus einem ganz anderen Blickwinkel zu erleben – dort, wo es einzig und allein um den Sport an sich geht und nicht um ein Geschäft oder ums Geld", hatte Süle damals gesagt: "Nach 13 Jahren Profifußball ist es für mich ein absolutes Geschenk, mit meinen Kumpels auf dem Platz stehen zu dürfen und die Freude an diesem wundervollen Sport noch einmal in vollen Zügen genießen zu können."
Mit Genuss hatte die Partie für Süle, der bei der benachbarten TSG unter dem damaligen Trainer Julian Nagelsmann zum umworbenen Bundesliga-Profi aufgestiegen war, allerdings wenig zu tun. In seiner ungewohnten Rolle lief das Spiel zunächst weitgehend an ihm vorbei. Nach der Pause wurde es etwas besser. Es war allerdings nichts mehr zu retten, als Süle den Ball nach einer Ecke zum zwischenzeitlichen 2:6 ins Netz wuchtete (75.).
"Es war viel Trubel die letzten Wochen", sagte Spielertrainer Jason Walzel und nahm seinen Golf-Kumpel in Schutz: "Niklas muss auch erst mal wieder reinfinden. Er wird uns noch weiterhelfen". Zukünftig aber vielleicht eher in der Abwehr.
