Erst Buhmann, jetzt Belligoal, bald Bond: Der seltsame Fall des Jude Bellingham

Jude Bellingham feiert das zweite Tor.
Jude Bellingham feiert das zweite Tor.REUTERS/Henry Romero

Ein egoistischer Star, der am besten gar nicht bei der WM dabei sein sollte - dieses Image klebte bis zuletzt an Jude Bellingham. Doch mittlerweile sieht alles ganz anders aus.

Man schreibt den 16. November 2025. Jude Bellingham wird von Thomas Tuchel im abschließenden WM-Qualifikationsspiel der Engländer, einem schmucklosen 2:0 in Albanien, in der 83. Minute ausgewechselt. Er verlässt den Platz nur widerwillig, macht seinem Frust gestenreich Luft und pflegt sein Image als egoistischer Star derart exzentrisch, dass der Daily Mail der Kragen platzt: "Leave Jude at home" (Lass Jude Zuhause), gießt die Zeitung ihre Forderung an den deutschen Teammanager in eine Überschrift.

Knapp acht Monate später sieht die Fußballwelt vollkommen anders aus. Bellingham hat vier WM-Tore plus eine Vorlage auf dem Konto, gilt vor dem Viertelfinale am Samstag (23.00 MESZ/MagentaTV) gegen Norwegen neben Harry Kane als großer Hoffnungsträger der Three Lions und ist bei den Fans auf dem Weg zum erhofften zweiten Titelgewinn nach 1966 vom ungeliebten Buhmann zum Darling aufgestiegen - in den WM-Arenen hallt der Beatles-Klassiker "Hey Jude" immer lauter von den Rängen.

Imagewechsel für den neuen Helden

Beim 3:2 im Achtelfinale gegen Co-Gastgeber Mexiko zeigte Bellingham auf der ganz großen Bühne sein bisher bestes Länderspiel. Er überzeugte mit zwei Treffern, einer spektakulären Rettungsaktion und großem Kampfgeist. "Es war die beste Nacht meiner internationalen Karriere", gab der "Man of the Match" überwältigt zu Protokoll. Dass Tuchel noch kurz vor der Endrunde den Stammplatz Bellinghams infrage stellte, erscheint mittlerweile fast surreal. Die Schlagzeile vom November ist dennoch nicht vergessen - eine Ikone hat sie jedenfalls bestens in Erinnerung.

Match-Center: Mexiko vs. England

Statistiken: Jude Bellingham vs. Mexiko.
Statistiken: Jude Bellingham vs. Mexiko.REUTERS/Paul Childs/Opta by StatsPerform

Ex-Nationalspieler Rio Ferdinand postete die Headline zuletzt bei X, versah sie mit fünf lachenden Smileys und forderte sogar Rechenschaft dafür. "Fünf Torbeteiligungen in fünf Spielen. Das ist absurd", lobte Ferdinand die bisherige Turnierleistung Bellinghams, der während der WM seinen 23. Geburtstag feierte: "Es gab Journalisten, die geschrieben haben, Jude dürfe gar nicht im Flugzeug sitzen. Ich will eine öffentliche Entschuldigung!"

Vielleicht kommt es dazu, wenn die Engländer tatsächlich den Titel holen. Doch schon jetzt sind die Medien verzaubert von Bellinghams neuer Attitüde. "Bellingham zeigte seine Klasse", schrieb zuletzt das Massenblatt The Sun - und meinte damit gar nicht die Leistungen des Offensivspielers von Real Madrid auf dem Platz.

Zwischen "Bond" und WM-Traum

Bellingham erwärmte die Herzen in der Heimat, weil er bei Маnu Gutierrez Halt machte. Der im Rollstuhl sitzende Reporter aus Venezuela fragte Bellingham nach einer Botschaft an seine Landsleute, die vom schweren Erdbeben betroffen sind. "Alles Gute für die Menschen in Venezuela - mit sehr viel Liebe", grüßte Bellingham prompt auf Spanisch.

Schon zuvor arbeitete Bellingham eifrig an einem Imagewechsel. In der Show des englischen TV-Stars James Cordon schmetterte er bei der längst kultigen Carpool Karaoke den Neil-Diamond-Oldie "Sweet Caroline" und ging mit dem Moderator zum Angeln. Dabei verriet "einer der komplettesten Mittelfeldspieler der Welt" (Toni Kroos) unter anderem, dass er eines Tages gerne in Nordamerika in der Major League Soccer (MLS) kicken würde.

Schlagzeilen produzierte aber vor allem Bellinghams Wunsch, 007 zu sein. "Ich würde liebend gern James Bond sein. Ich liebe James Bond", sagte der bekennende Cineast. Noch lieber als die "Lizenz zum Töten" wäre Bellingham aber die Erlaubnis zum Feiern nach dem WM-Finale: "Das wäre mehr als legendär." Und auch die Schlagzeile der Daily Mail wäre dann eine ganz andere als im November.