Die schöne neue DFB-Welt: Klopp, Völler - und Mertesacker?

Wird Mertesacker der dritte Mann im Bunde?
Wird Mertesacker der dritte Mann im Bunde?ČTK / imago sportfotodienst / Ralf Brueck

Jürgen Klopp gönnte sich in Vancouver bei der Experten-Arbeit Pommes mit Ketchup und ein kanadisches Mineralwasser aus der blauen Dose. Rudi Völler ließ sich in der Frankfurter Kennedyallee eine gute Tasse schwarzen Kaffee einschenken. Aus mehr als 8000 km Entfernung umgarnten die beiden Genießer einander erst am Telefon und dann in Interviews - das Ergebnis: Ja, wir wollen den Weg in eine erfolgreichere deutsche Fußball-Zukunft gemeinsam gestalten.

Er habe zwar "zweimal für die Studenten-Nationalmannschaft gespielt", sagte Klopp (59) am Dienstagabend bei MagentaTV mit einem Augenzwinkern, die große Erfahrung mit Verbänden und Turnieren liege aber bei Völler (66). An ihm werde die Chemie im dynamischen Duo also "nicht scheitern", betonte Klopp. "Wenn es so kommen sollte, ist es total hilfreich, dass man jemanden da hat, der die Abläufe kennt." Er sprach sogar schon vom "ersten Spiel gegen Holland" im September.

Die Vorlage, die er so souverän verwandelte, hatte der ehemalige Weltklassestürmer Völler dem früheren Rechtsverteidiger mustergültig gegeben. In einem längeren Telefonat am Samstag habe sich "schnell herauskristallisiert, dass das am Ende auch funktionieren kann und wird", hatte der Weltmeister von 1990 berichtet. Er werde "eng mit dem Bundestrainer zusammenarbeiten".

Ergebnis Ende der Woche?

Mit dem Bundestrainer? So weit sind wir schon? Nein, versichern beide pflichtbewusst, durch ist die größte Frage der Fußball-Nation nicht. Wer allerdings hinzurechnet, dass selbst Oliver Mintzlaff, derzeit noch Klopps Chef bei Red Bull, Völler telefonisch zur Zusammenarbeit riet, der sieht: Die Indizien für Klopps Engagement beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) verknüpfen sich zu einer belastbaren Kette.

Spätestens Ende der Woche wollen Bundesliga-Chef Hans-Joachim Watzke und DFB-Präsident Bernd Neuendorf in den Flieger nach Amerika steigen, um einer Einigung noch näher zu kommen. Gegen Turnierende soll sich dann auch Mintzlaff hinzugesellen. Mit Völler hat er ja schon gesprochen. Auch durch dieses Telefonat sei zu sehen, "dass halt jeder versucht, Lösungen zu finden", sagte der DFB-Sportdirektor. "Bis dann Jürgen Klopp letztendlich der Bundestrainer wird."

Gewaltige Hürden oder schnelle Verkündung?

Durch Klopps Omnipräsenz im Fernsehen sind die Nachrichtenzyklen so kurz geworden, dass sich ein Blick zurück lohnt. Gar nicht weit: Es gehört zu den vielen Kuriositäten im Werben um den künftigen Bundestrainer, dass der DFB sich eigentlich vorgenommen hatte, etwas Dampf vom Kessel zu nehmen. Einen Tag vor Völlers Interview setzte sich also Watzke hin und trat auf die Bremse: Bitte alle ruhig bleiben, es gibt noch viele und "gewaltige" Hürden.

Nur 24 Stunden später wirkte es, als hätten Völler und Klopp einen Backstein aufs Gaspedal geworfen, trotz ihrer zarten Hinweise auf die letzten Problemchen. Ja, was denn nun? Vorerst muss wohl weiter zwischen den Zeilen gelesen werden.

Was geht mit Mertesacker?

Und dort steht neben "Wird schon werden!" inzwischen immer häufiger der Name Per Mertesacker. Der Weltmeister von 2014 hat sich zunächst selbst ins Gespräch gebracht, wurde dann von Uli Hoeneß wärmstens empfohlen, und auch Völler erwähnte ihn im Zusammenhang mit anderen Helden von Rio de Janeiro, die nun in die Verantwortung rücken müssten. Mertesacker ("Ich stehe zur Verfügung") könnte als langjähriger Leiter der Arsenal-Akademie der dritte Mann im Bunde sein, DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig lässt seinen Vertrag schließlich am Jahresende auslaufen.

Hannes Wolf ist da. Der Nachwuchsdirektor hat beim Verband 2024 die "Trainingsphilosophie Deutschland" an den Start gebracht, ein ganzheitliches Förderungskonzept für die fußballerische Ausbildung. Er im Zusammenspiel mit Mertesacker, dazu Völler als erfahrener Seismograph für Stimmungen und Klopp als Potenzial-Maximierer für die A-Mannschaft - so könnte die schöne neue DFB-Welt aussehen.

Doch noch umgarnt man sich nur. Bis zu den Unterschriften wird man sich wohl noch mehrfach auf einen Kaffee treffen müssen.