"Dartitis", der unsichtbare Feind, der selbst Legenden trifft, hatte den deutschen Profi Ricardo Pietreczko offenbar fest im Griff. Die mentale Blockade, die dafür sorgt, dass Dartsspieler Schwierigkeiten beim Werfen der Pfeile bekommen und die Hände blockieren lässt, führte bei "Pikachu" zu einer riesigen Ergebniskrise. Ab Donnerstag steht er bei der Team-WM in Frankfurt vor einem der wichtigsten Turniere seiner Karriere.
Mit Mentalcoach zum Comeback
"Ich habe davon erst durch Ricardo erfahren. Ich habe das erst gar nicht als Problem wahrgenommen. Er hat mir dann gesagt, dass er Probleme damit hat, den dritten Dart loszulassen. Aus diesem dritten Dart sind dann alle drei Darts geworden", verriet sein World-Cup-Teamkollege Martin Schindler im SID-Interview. Von Februar bis Mitte Mai gewann Pietreczko, hinter Schindler die deutsche Nummer zwei im PDC-Ranking, nur drei von 19 Spielen auf der Tour, seine Averages sanken teilweise in die 60er – eine Katastrophe für einen Profi.
Laut Schindler arbeitete Pietreczko "mit einem Mentalcoach" zusammen, um die Blockade loszuwerden, die ähnlich wie Yips beim Golf zu Muskelkrämpfen führt. Auch Legende Eric Bristow und Vizeweltmeister Gian van Veen hatten schon mit "Dartitis" zu kämpfen.
Doch vor drei Wochen meldete sich der 31-Jährige eindrucksvoll auf der PDC-Bühne in Riesa zurück. Mit einem neuen Wurfrhythmus kämpfte er gegen die Blockade an, spielte wieder deutlich höhere Averages und blieb sogar im Decider gegen den niederländischen Top-Spieler Danny Noppert cool.
"Ich hatte spielerisch in letzter Zeit eine echt schwere Phase. Es fühlte sich nicht leicht an, mit Druck umzugehen, ruhig zu bleiben und den richtigen Rhythmus zu finden", schrieb Pietreczko auf Instagram.
"Totgesagte leben länger"
Gemeinsam wollen sich die beiden in Frankfurt aus der Krise arbeiten. Denn auch Schindler, aktuell auf Platz 19 der Weltrangliste, hatte bisher keine optimale Saison. "Ich bin ehrlich: Die Saison war bis hierhin nicht gut. Ich tue mich auch sehr schwer, nehme aber trotzdem das Positive mit", sagte der Mann mit dem Spitznamen "The Wall".
Deshalb formuliert der 29-Jährige das Ziel für 2026 eher zurückhaltend: "Für uns sollte es erst einmal darum gehen, die Gruppenphase zu überstehen." In dieser treffen sie auf die Philippinen und Neuseeland – eine schwierige Auslosung für das an Position fünf gesetzte Team. Dennoch haben sich Pietreczko und Schindler das Sprichwort "Totgesagte leben länger" zu ihrem Motto für das Turnier gemacht.
Zum Match-Center: Deutschland vs. Philippinen
Dabei erinnerte Schindler an das Turnier im vergangenen Jahr. Damals sorgten sie für eine Sensation, als sie die beiden englischen Ausnahmespieler Luke Littler und Luke Humphries besiegten und erst im Halbfinale gegen Nordirland verloren. Mit der Unterstützung des Heimpublikums in Frankfurt könnte ihnen das erneut gelingen. "Es ist ein tolles Turnier mit einer besonderen Atmosphäre", sagte Schindler.
