Teamkollegin Nyara Sabally hatte unterdessen ihre ganz eigene Idee, den historischen 93:74 (42:35)-Erfolg im Viertelfinale gegen Europameister Belgien zu begehen. "Erstmal ins Eisbad. Vielleicht ein Döner. Das hört sich doch gut an. Eisbad und Döner – das hört sich nach einer super Celebration an", so die 26-Jährige.
Sabally glänzte in ihrer Heimatstadt mit einem überragenden Double-Double (16 Punkte, 12 Rebounds) – und das in ganz besonderen Schuhen. An den Füßen trug sie ein knallorangenes Modell, das eine tiefe familiäre Bedeutung hat. "Das sind Satous Schuhe. Hat sie vor einem Monat oder so rausgebracht", erzählte Sabally über ihre ältere Schwester, die beim Turnier wegen der Folgen einer Gehirnerschütterung leider nicht selbst auf dem Parkett stehen kann.
"Sie verfolgt das alles sehr mit und fiebert auch sehr mit." Die Schuhe seien "auch einfach sexy, finde ich. Es ist cool, im Schuh seiner Schwester zu spielen." Durch die auffälligen Treter sei Satou nun zumindest gedanklich auf dem Feld: "Der Spirit ist da."
Zum Match-Center: Belgien vs. Deutschland
Mit diesem Teamgeist schrieben die deutschen Frauen Geschichte: Erstmals überhaupt stehen Basketballerinnen aus der Bundesrepublik unter den besten vier der Welt; lediglich die DDR war 1967 WM-Vierter geworden. "Ich glaube, nicht viele haben gedacht, dass wir überhaupt so weit kommen. Jetzt ist das nächste Frankreich und dann mal gucken, was wir da reißen können", blickte Sabally voraus.
Fiebich wird "delusional"
Die detaillierte Analyse von Halbfinalgegner Frankreich, der am Samstag (16.30 Uhr/ProSieben MAXX und Magenta) wartet, verschoben die Deutschen ganz gepflegt auf Freitag – der Moment war schlicht zu groß. So oder so werden die DBB-Frauen erstmals seit EM-Bronze 1997 wieder bei einem großen Turnier um eine Medaille spielen, wahlweise im kleinen oder großen Finale am Sonntag.
Fiebich lud bereits zum Träumen ein: "Jetzt muss man anfangen, ein bisschen 'delusional' (dt. realitätsfern) zu sein, den Schwung mitzunehmen. Frankreich ist für mich ein Top-zwei-Team mit den USA zusammen. Aber mal schauen, was geht." Deutschland sei jedenfalls "kein Underdog mehr. Alle haben uns jetzt auf dem Visier. Mit uns ist nicht zu spaßen."
Bundestrainer Lange, seit Herbst des Vorjahres im Amt, war zwar darauf bedacht, nicht in Übermut zu verfalllen, zeigte sich jedoch schwer beeindruckt von seiner Mannschaft. "Ich bleibe immer da, wo ich gerade bin, ich denke nicht so viel nach. Ich glaube, dass wir auf jeden Fall Medaillenchancen haben, habe ich ja auch vorher gesagt. Ob es nun so früh möglich wäre, war mir nicht klar", so der 54-Jährige. Nun wolle man sich "neu fokussieren, sich auf das nächste Spiel konzentrieren und die Chance nutzen."
