NASCAR-Chef würdigt verstorbene Rennsport-Legende Kyle Busch als "American Badass"

Eine Gedenktafel für Kyle Busch am Charlotte Motor Speedway
Eine Gedenktafel für Kyle Busch am Charlotte Motor SpeedwaySteve O'Donnell/CTK/AP

NASCAR-Chief-Operating-Officer Steve O'Donnell hat am Freitag emotionale Abschiedsworte an Kyle Busch gerichtet und den zweifachen Cup-Series-Champion als "American Badass" gewürdigt. Nur einen Tag zuvor war die 41-jährige Rennsport-Ikone, die als einer der Größten in der Geschichte des Sports gilt, völlig überraschend verstorben.

Vor Journalisten in Charlotte, North Carolina, bestätigte O'Donnell nach internen Abstimmungen, dass das Coca-Cola 600 am kommenden Sonntag wie geplant stattfinden wird. "Kyle Busch wäre vermutlich ziemlich sauer auf uns, wenn wir nicht fahren würden", erklärte O'Donnell. "Deshalb werden wir sein Andenken auf der Strecke ehren und zeigen, wofür er gelebt hat."

Busch, der sich mitten in seiner 22. Saison in der höchsten NASCAR-Klasse befand, erlag am Donnerstag den Folgen einer nicht näher definierten schweren Erkrankung, nachdem er tags zuvor ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Seine Familie bat eindringlich um Privatsphäre. O'Donnell betonte daher aus Respekt, keine Fragen zu den medizinischen Details oder der genauen Todesursache zu beantworten.

Erste Hintergründe kamen ans Licht, als US-Medien Aufzeichnungen eines Notrufs auswerteten. Dieser war am Mittwoch aus dem General Motors Trainingszentrum in North Carolina abgesetzt worden, um einen Rettungswagen anzufordern. Der Anrufer schilderte der Leitstelle, dass Busch unter akuter Atemnot leide, ihm extrem heiß sei und er Blut huste.

Busch mit großem sportlichen Vermächtnis

O'Donnell berichtete, er habe am Donnerstagmorgen einen Anruf erhalten, dass es um den Piloten „gar nicht gut“ stehe. Kurz darauf gaben die Familie und sein Team Richard Childress Racing Buschs Hospitalisierung sowie den Verzicht auf das Sonntagsrennen bekannt – nur wenige Stunden später folgte die Nachricht von seinem Tod.

"Aus Respekt vor den Angehörigen werde ich mich zu den Umständen nicht weiter äußern", so O'Donnell. Stattdessen stellte er das sportliche Vermächtnis des leidenschaftlichen Rennfahrers in den Vordergrund: "Er hatte zu allem eine klare Meinung, aber sein Antrieb war immer der Wunsch, diesen Sport voranzubringen. NASCAR ist ein hartes Geschäft. Kyle Busch war für mich ein echter ‚American Badass‘. Wir hatten gewiss unsere Reibungspunkte, aber ich würde viel Geld darum geben, noch ein paar dieser Kämpfe mit ihm auszufechten."

O'Donnells Worte spiegelten die tiefe Bestürzung im Fahrerlager wider. Auch Dale Earnhardt Jr., ein langjähriger Rivale auf der Strecke, mit dem Busch etliche Scharmützel austrug und den er erst später zu seinen Freunden zählte, meldete sich zu Wort. "Kyle und ich hatten jahrelang ein extrem schwieriges Verhältnis", schrieb Earnhardt in den sozialen Medien und bezeichnete Busch als "einen der besten Fahrer, die die NASCAR je gesehen hat".

Legendäre Fehde mit Logano

"Glücklicherweise haben wir unsere Differenzen irgendwann beigelegt. Die Initiative ging damals von ihm aus, als er mich in seinem Motorhome ansprach, um darüber zu reden, wie wir unsere jeweiligen Rennställe führen. Ich wollte dieses Kriegsbeil unbedingt begraben, aber er hat den ersten Schritt gemacht. Ich kann diesen Verlust noch gar nicht begreifen, bin aber unendlich dankbar, dass wir noch Freunde geworden sind."

Der für sein Temperament bekannte Busch pflegte zudem eine berüchtigte Fehde mit Joey Logano, die 2017 in einer handfesten Schlägerei in der Boxengasse von Las Vegas gipfelte. Im Interview mit dem Fernsehsender WCNC aus Charlotte zeigte sich Logano nun tief betroffen: "Ich bin völlig am Boden zerstört. Letztlich steht er ganz weit oben in der Riege der besten Rennfahrer aller Zeiten. Er hat unserem Sport mit seiner riesigen Persönlichkeit auf so viele Arten seinen Stempel aufgedrückt. Das Ganze führt uns vor Augen, wie zerbrechlich das Leben ist."

Wie weit Buschs Strahlkraft über den Motorsport hinausreichte, zeigte sich am Donnerstagabend in der NHL: Die Carolina Hurricanes ehrten den Verstorbenen vor ihrem Playoff-Auftakt gegen die Montreal Canadiens mit einem Tribut-Video und einer Schweigeminute. Zudem verzeichnete eine von Busch und seiner Frau gegründete Stiftung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch einen enormen Zustrom an Spenden. Viele Fans überwiesen dabei symbolische Beträge von 18,08 Dollar – eine Hommage an die Startnummern 18 und 8, mit denen Busch seine größten Erfolge feierte.