"Diese Mannschaft ist weder Weltmeister noch Vizeweltmeister. Im Moment ist sie nicht die stärkste", sagte Mbappé. Und schob einen Satz hinterher, den die Konkurrenz vor den entscheidenden K.o.-Spielen getrost als Kampfansage verstehen darf: "Es ist die Mannschaft mit dem größten Potenzial."
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Mbappés Elfer-Patzer und die Wende nach der Stunde
Wozu Les Bleus und ihr überragender Anführer bei dieser WM fähig sind, zeigten sie beim 2:0-Erfolg gegen komplett überforderte Marokkaner eindrucksvoll. Geduldig erspielte sich das Team Chance um Chance und leistete sich sogar den Luxus eines verschossenen Mbappé-Elfmeters in der ersten Halbzeit, ehe nach einer Stunde der Knoten platzte. Mit einem traumhaften Schlenzer aus rund 17 Metern ins rechte Toreck brachte Mbappé die Führung, ehe sein kongenialer Sturmpartner Ousmane Dembélé nur sechs Minuten später das 2:0 nachlegte.
Marokko fand gegen die druckvollen Franzosen offensiv über weite Strecken schlicht nicht statt und musste sich zum zweiten Mal nach dem WM-Halbfinale 2022 mit demselben Ergebnis geschlagen geben.
Mbappés gibt Entwarnung – Deschamps vor Rekord
Selbst der Schlag auf die Ferse, der zu seiner Auswechslung in der 77. Minute führte, konnte Mbappé die Laune nicht verderben. "Mir geht es gut, ich habe einen Schlag auf die Ferse bekommen, aber es geht gut", sagte er, nachdem er sich aus den Armen des euphorisierten Jürgen Klopp "befreit" hatte, und nahm all jenen die Sorge, die angesichts der Bilder mit Eisbeutel am Fuß Schlimmeres befürchtet hatten. Auch Nationaltrainer Didier Deschamps gab Entwarnung: "Das ist nichts Ernstes."
Frankreichs scheidender Nationalcoach, der nach 14 Jahren im Amt nach dieser WM aufhört, zieht im Halbfinale am Dienstag um 21 Uhr MESZ in Dallas gegen den Sieger aus Spanien oder Belgien mit seinem 26. Länderspiel als Trainer an Rekordmann Helmut Schön vorbei, der die deutsche Nationalmannschaft zwischen 1964 und 1978 in 25 WM-Partien betreut hatte. Auch bei den WM-Siegen hat Deschamps den früheren Bundestrainer bereits überholt: 20 Erfolge stehen mittlerweile zu Buche, Schön kam einst auf 16.

Deschamps ist fest entschlossen, sein Land zum dritten WM-Titel nach 1998 und 2018 zu führen. "Wir sind hier, um zu gewinnen", sagte er selbstbewusst. "Das ist jetzt das dritte Halbfinale in Folge, das ist also schon mal eine gute Sache."
Euphorie in der Heimat und Lob der internationalen Presse
Der Erfolg ließ in Frankreich Hunderte Fans spontan zum Feiern auf die Champs-Élysées strömen. Auch international würdigte die Presse die Vorstellung von Mbappé und Co. nach dem sechsten Sieg im sechsten Turnierspiel und einer Torbilanz von 16:2.
"Wer soll dieses Team stoppen?", fragte etwa die Sportschau und sprach damit vielen Beobachtern aus der Seele. Vor allem offensiv überzeugt Frankreich bislang wie kein zweites Team im Turnier: Mbappé steht mittlerweile bei acht Turniertoren und insgesamt 20 WM-Treffern, nur Lionel Messi hat mit 21 mehr erzielt. Auch Dembélé traf inzwischen zum fünften Mal bei dieser WM.
Mbappés Ausblick aufs Halbfinale
Nach dem nächsten großen Auftritt seines Teams durfte Mbappé, der schon beim WM-Titel 2018 und beim Finaleinzug 2022 eine zentrale Rolle gespielt hatte, wieder größer träumen. "Wir stehen im Halbfinale und freuen uns sehr, aber der Weg ist noch lang", sagte er, betonte aber zugleich: "Uns ist klar, dass das, was vor uns liegt, noch härter wird als alles bisher. Aber wir sind auf alles vorbereitet."

Gewonnen ist schließlich noch nichts. Starke Mannschaften, so Mbappé, seien diejenigen, die am Ende gewinnen – und genau das will er mit seinem Team nun am Dienstag unter Beweis stellen. Einen Final-Hattrick schaffte bislang nur Deutschland zwischen 1982 und 1990 sowie Brasilien zwischen 1994 und 2002.
