Lipowitz, Degenkolb und Co.: Die deutschen Starter bei der Tour de France 2026

Florian Lipowitz gilt als große deutsche Tour-Hoffnung
Florian Lipowitz gilt als große deutsche Tour-HoffnungČTK / DPA / Nicolás Carvalho Ochoa

Angeführt vom Vorjahresdritten Florian Lipowitz gehen zwölf deutsche Radprofis aus sieben Teams am Samstag bei der 113. Tour de France an den Start. So viele waren es zuletzt 2021 – 2007 bedeuteten 18 Deutsche den Topwert dieses Jahrtausends. Wir beleuchten die Rollen und Aussichten von Lipowitz, Politt, Degenkolb und ihren Landsleuten im Peloton.

Florian Lipowitz

Geb. 21. September 2000 in Laichingen

Bisherige Teams: Tirol KTM Cycling Team (2020 bis 2022), Red Bull-Bora-hansgrohe (seit 2022)

2. Tour-Teilnahme – Beste Platzierung: 3. (2025)

Größte Erfolge: 3. Platz Gesamtwertung Tour de France (2025), 2. Platz Gesamtwertung Paris-Nizza (2025), 3. Platz Gesamtwertung Critérium du Dauphiné (2025), 2. Platz Gesamtwertung Baskenland-Rundfahrt (2026), 3. Platz Gesamtwertung Katalonien-Rundfahrt (2026), Gesamtsieger Slowenien-Rundfahrt 2026

Profisiege: 6

Tour-Check: Nach seinem sensationellen Tour-Debüt im Vorjahr (3.) hat sich Lipowitz unter den weltbesten Berg- und Rundfahrern etabliert. Der Druck ist größer geworden, und mittlerweile wirkt der leise Ulmer, als käme er damit besser klar als vor dem Jahreswechsel. Die Form stimmt, das zeigte Lipowitz bei seinen Starts im Jahr 2026.

John Degenkolb

Geb. am 7. Januar 1989 in Gera

Bisherige Teams: Thüringer Energie Team (2008 bis 2010), HTC-Highroad (2011), Argos- Shimano/Giant-Shimano/Giant-Alpecin (2012 bis 2016), Trek-Segafredo (2017 bis 2019), Lotto-Soudal (2020 bis 2021), Team DSM/Picnic PostNL (seit 2022)

11. Tour-Teilnahme – Beste Tour-Platzierung: 104. (2022)

Größte Erfolge: Sieger Paris-Roubaix (2015), Sieger Mailand-Sanremo (2015), Etappensieger Tour de France (2018), Etappensieger Vuelta (2012/5, 2014/4, 2015), Etappensieger Giro d'Italia (2013), Sieger Gent-Wevelgem (2014), Sieger Hamburg Cyclassics (2013)

Profisiege: 48

Tour-Check: Einst war Degenkolb einer der besten Sprinter der Welt, zwischenzeitlich auch einer der besten Klassikerfahrer. "Deges" große Tage liegen zwar eine Weile zurück, seine Erfahrung kann aber immer noch Gold wert sein. Zu erwarten ist allerdings eine eher unauffällige Tour.

Nils Politt

Geb. am 6. März 1994 in Köln

Bisherige Teams: Team Stölting (2013 bis 2015), Katusha/Katusha-Alpecin (2016-2019), Israel Start-up! Nation (2020), Bora-hansgrohe (2021 bis 2023), UAE Emirates-XRG (seit 2024)

10. Tour-Teilnahme – Beste Tour-Platzierung: 50. (2021)

Größte Erfolge: Etappensieger Tour de France (2021), Sieger Deutschland-Tour (2021), deutscher Meister Straßenrennen (2022), deutscher Meister Zeitfahren (2023, 2024, 2026)

Profisiege: 9

Tour-Check: Politt ist im Tour-Team von Titelverteidiger Tadej Pogacar erneut eine unverzichtbare Größe. Der passionierte Tempo-Bolzer soll für den Weltmeister die flachen bis mittelschweren Abschnitte kontrollieren. Und wird vielleicht mit einer Fluchterlaubnis belohnt.

Georg Zimmermann

Geb. am 11. Oktober 1997 in Augsburg

Bisherige Teams: Felbermayr-Simplon Wels (2016 bis 2017), Tirol KTM Cycling (2018 bis 2019), CCC (2020), Intermarché-Wanty-Gobert Materiaux/Intermarché-Wanty (2021 bis 2025), Lotto-Intermarché (seit 2026)

6. Tour-Teilnahme – Beste Platzierung: 43. (2022)

Größte Erfolge: deutscher Meister Straßenrennen (2025), Sieger Eschborn-Frankfurt (2026) Etappensieger Criterium du Dauphine (2023), Etappensieger Tour de l'Ain (2021), Gesamtsieg Giro d'Abruzzo (2025)

Profisiege: 5

Tour-Check: Der kletterstarke Allrounder fuhr im Vorjahr als deutscher Meister eine unglückliche Tour, musste nach einem Sturz auf der neunten Etappe aufgeben. Bei der Etappenjagd der Lotto-Mannschaft spielt Zimmermann eine zentrale Rolle auf (mittel-)schweren Etappen. Bei seinem Sieg bei Eschborn-Frankfurt im Mai zeigte der Augsburger, dass er auch auf hohem Niveau gewinnen kann.

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Phil Bauhaus

Geb. am 8. Juli 1994 in Bocholt

Bisherige Teams: Team Stölting (2013 bis 2014), Bora-Argon 18 (2015 bis 2016), Team Sunweb (2017 bis 2018), Bahrain Victorious (seit 2019)

4. Tour-Teilnahme – Beste Platzierung: 151. (2025)

Größte Erfolge: Etappensieger Criterium du Dauphine (2017), Etappensieger Polen-Rundfahrt (2021, 2022), Etappensieger Tirreno-Adriatico (2022 und 2024), Etappensieger Tour Down Under (2023), Sieger Saudi Tour 2020

Profisiege: 22

Tour-Check: Dreimal Dritter, zweimal Zweiter – Bauhaus schnupperte in den vergangenen Jahren am Tour-Etappensieg. 2026 reist der Routinier mit mäßigen Ergebnissen an, ist noch sieglos, der große Coup wäre eine Überraschung. Vielleicht klappt es aber nun ausgerechnet an seinem Geburtstag: Am 8. Juli endet die Etappe in Pau, einem traditionellen Sprinterort.

Pascal Ackermann

Geb. am 17. Januar 1994 in Kandel

Bisherige Teams: Rad-Net Rose (2013 bis 2016), Bora-hansgrohe (2017 bis 2021), UAE Team Emirates (2022 bis 2023), Israel-Premier Tech (2024 bis 2025), Jayco AlUla (seit 2026)

3. Tour-Teilnahme – Beste Platzierung: 112. (2024)

Größte Erfolge: Etappensieger Giro d'Italia (2/2019 und 2023), Punktewertung Giro d'Italia (2019), Etappensieger Vuelta a Espana (2/2020), deutscher Meister Straßenrennen (2018)

Profisiege: 41

Tour-Check: Ackermann galt lange als legitimer Nachfolger der Sprint-Stars André Greipel und Marcel Kittel, das Niveau der beiden erfolgreichen Etappenjäger erreichte er aber nie ganz. Anders als seine Form sind seine Ansprüche auf einem hohen Level geblieben – das sorgt für Frust wie bei der Tour 2025, als er dem ersehnten Etappensieg meist weit hinterher sprintete. Die Aussichten sind diesmal nicht besser, Ackermann wartet seit mehr als einem Jahr auf einen Profisieg.

Nico Denz

Geb. 15. Februar 1994 in Waldshut-Tiengen

Bisherige Teams: AG2R La Mondiale (2014 bis 2019), Sunweb/DSM (2020 bis 2022), Red-Bull-Bora-hansgrohe (seit 2023)

2. Tour-Teilnahme – Beste Platzierung: 110. (2024)

Größte Erfolge: Etappensieger Giro d'Italia (2025/2, 2023), Etappensieger Tour de Suisse (2022)

Profisiege: 7

Tour-Check: "Niko ist immer eine Bank bei einer Grand Tour", sagt RB-Teamchef Ralph Denk. Und in der Tat: Mit einer Nominierung des dreimaligen Giro-Etappensiegers lässt sich wenig falsch machen. Der Mann von Hochrhein wird seinen Job vor allem auf den mittelschweren Etappen erledigen, vielleicht gibt es zur Belohnung einen Platz in einer Fluchtgruppe.

Niklas Märkl

Geb. 3. März 1999 in Queidersbach

Bisherige Teams: Development Team Sunweb (2018 bis 2020), Picnic PostNL (seit 2021)

2. Tour-Teilnahme – Beste Platzierung: 112. (2025)

Größte Erfolge: 2. Platz Junioren-Weltmeisterschaft Straßenrennen (2016)

Profisiege: keine

Tour-Check: Märkl ist kein Typ für große Einzelaktionen, aber ein vorzüglicher Teamplayer, der seine Arbeit akribisch verrichtet. Dies bringt ihm nun die zweite Tour-Teilnahme in Folge ein – wahrscheinlich erneut abseits des Rampenlichts.

Spektakel von Tag eins an: Der Etappen-Guide der Tour de France

Felix Engelhardt

Geb. am 19. August 2000 in Ulm

Bisherige Teams: Tirol KTM Cycling Team (2019 bis 2022), Jayco AlUla (seit 2023)

1. Tour-Teilnahme

Größte Erfolge: Deutscher Meister Straßenrennen 2026, U23-Europameister Straßenrennen 2022, Sieger Per Sempre Alfredo (2023), Etappensieger Vuelta a Castilla y Leon (2023) und Slowakei-Rundfahrt (2022)

Profisiege: 4

Tour-Check: Engelhardt ist ein klassischer Allrounder ohne alles überragende Stärke und wirkliche Schwäche, besitzt aber riesige Willenskraft – mit dieser sicherte er sich kurz vor der Tour den DM-Titel im Straßenrennen. Nach einem ganz starken Jahr 2023 stagnierte er etwas, zuletzt ging die Formkurve aber wieder nach oben. Beim Giro im Mai musste Engelhardt nach fünf Etappen angeschlagen aufgeben, bei der Tour-Premiere soll es besser laufen.

Max Kanter

Geb. am 22. Oktober 1997 in Cottbus

Bisherige Teams: Sunweb/DSM (2019 bis 2021), Movistar (2022 bis 2023), Astana (seit 2024)

1. Tour-Teilnahme

Größte Erfolge: Etappensieger Paris-Nizza (2026), Sieger Famenne Ardenne Classic (2025), Etappensieger Presidential Cycling Tour of Türkiye (2024), Etappendritter Vuelta a Espana (2020/2)

Profisiege: 3

Tour-Check: Kanter, mit seinen 1,76 m eher ein kleiner Sprinter, hat einen weiteren und diesmal deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Sein Etappensieg bei Paris-Nizza im März kam nicht von ungefähr. Bei seiner Tour-Premiere bringt er Überraschungs-Potenzial mit.

Georg Steinhauser

Geb. 21. Oktober 2001 in Lindenberg im Allgäu

Bisherige Teams: Tirol KTM Cycling Team (2020 bis 2021), EF Education-EasyPost (seit 2022)

1. Tour-Teilnahme

Größte Erfolge: Etappensieger Giro d'Italia (2024), Gesamtdritter Paris-Nizza (2026)

Profisiege: 1

Tour-Check: Bei Paris-Nizza im März waren nur der große Jonas Vingegaard und der frühere Giro-Zweite Daniel Martínez besser als der baumlange Steinhauser, der trotz seiner 1,89 m vorzüglich klettern kann. Der Allgäuer besitzt großes Überraschungs-Potenzial.

Michel Heßmann

Geb. am 6. April 2001 in Münster

Bisherige Teams: Jumbo-Visma (2022 bis 2024), Movistar (seit 2025)

1. Tour-Teilnahme

Größte Erfolge: deutscher U23-Meister im Einzelzeitfahren (2021)

Profisiege: 0

Tour-Check: Für Heßmann ist es die erste Tour de France, beim Giro fuhr er 2023 allerdings bereits auf einen sehr ordentlichen 33. Gesamtrang. Bis März 2025 war der Münsteraner wegen Dopings gesperrt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hatte ihn für 21 Monate gesperrt, obwohl die Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) zuvor Heßmanns Argumentation gefolgt war, dass seine positive Probe auf ein kontaminiertes Schmerzmittel zurückzuführen sei.