Was ist diesmal anders?
Der Auftakt. Nicht etwa, weil es in Barcelona losgeht - bereits zum 27. Mal findet der Grand Départ außerhalb Frankreichs statt. Vielmehr wird die Rundfahrt diesmal mit einem sehr speziellen Mannschaftszeitfahren eröffnet.
Was ist daran so besonders?
Eigentlich ein Mannschaftswettbewerb, geht es letztlich doch um individuellen Erfolg: Alle Fahrer eines Teams starten zusammen, nur die Zeit des schnellsten entscheidet über den Etappensieg für die Equipe. Für die Gesamtwertung zählt die persönliche Zeit eines jeden Starters - empfindliche Abstände sind also möglich, zumal es am Ende den Montjuic hinaufgeht.
Das mit starken Zeitfahrern wie Olympiasieger Remco Evenepoel gespickte deutsche Team Red Bull-Bora-hansgrohe dürfte sich Chancen auf das erste Gelbe Trikot der Tour ausrechnen.
Wie sieht die Route ansonsten aus?
An Tag drei rollt der zu Beginn 184-köpfige Tour-Tross dann in sein Stammland. Und wieder einmal ist die Rundfahrt anschließend in allen fünf Gebirgen Frankreichs zu Gast: In den Pyrenäen, die ungewöhnlich früh auf dem Programm stehen, im Zentralmassiv, in den Vogesen, im Jura und schließlich auch in den Alpen. Erst dort dürfte die Entscheidung fallen - bei einem spektakulären Kletterfinale.
Die 19. Etappe führt die Fahrer erstmals seit 2022 wieder hinauf nach Alpe d'Huez, einen Tag später ist der legendäre Skiort auch das Ziel der Königsetappe der Tour mit fast 5500 Höhenmetern.
Spektakel von Tag eins an: Der Etappen-Guide der Tour de France
Gibt es einen zweiten deutschen Tour-Sieger?
29 Jahre nach dem Triumph von Jan Ullrich tragen die deutschen Hoffnungen den Namen Florian Lipowitz. Nach seinem sensationellen dritten Platz im Vorjahr wirkt der wortkarge Ulmer gefestigter, kommt mit dem Rummel besser klar und überzeugte in den Vorbereitungsrennen. Einerseits. Andererseits trifft er in den drei Wochen in Tadej Pogacar auf den vielleicht besten Radprofi der Geschichte und dessen kaum schwächeren Rivalen Jonas Vingegaard.
Ergo: Lipowitz hat gute Chancen auf einen erneuten Podestplatz. Für mehr muss es schon sensationell gut für ihn oder unerwartet schlecht für die beiden Rivalen laufen.
Wer könnte Pogacar sonst ärgern?
Der größte Konkurrent ist gewiss Vingegaard. Der Däne hat Pogacar 2022 und 2023 bereits in die Schranken gewiesen und: Er reist in Topform zur Tour. Beim Giro-Erfolg im Frühsommer war Vingegaard so dominant, dass er mit Blick auf die Tour auch ein paar Körner sparen konnte.
Und dann ist da ja noch das französische Wunderkind. Paul Seixas, zarte 19 Jahre alt und höchst veranlagt, verzückte im Mai seine Oma und eine ganze Radsportnation, als er seine Tour-Teilnahme verkündete. Zur Wahrheit gehört aber auch: Trotz Seixas' Großtaten im Frühjahr wird Frankreich wohl weiter warten müssen, bis ein einheimischer Fahrer die 41 Jahre lange Durststrecke seit dem Toursieg von Bernard Hinault beendet. Vielleicht aber nicht mehr allzu lange.
Was geht bei den restlichen Deutschen?
Die wollen unter anderem als Etappenjäger für Furore sorgen. Für die Sprinter Pascal Ackermann, Phil Bauhaus und Max Kanter dürfte dieses Unterfangen ob der großen Konkurrenz in den Massenspurts schwierig werden - Georg Zimmermann, der dreimalige Giro-Etappensieger Nico Denz und der frisch gebackene deutsche Meister Felix Engelhardt könnten es in einer Fluchtgruppe versuchen. Sofern sie denn dürfen.
Das Aufgabenprofil der menschgewordenen Lokomotive Nils Politt hingegen ist klar: Der Kölner vom UAE Team Emirates-XRG soll Topstar Pogacar vor allem auf den Flachetappen den Rücken freihalten.
Lipowitz, Degenkolb und Co.: Die deutschen Starter bei der Tour de France 2026
Wo kann man die Tour verfolgen?
Im Free-TV überträgt Eurosport mehr als 100 Stunden live. Zu sehen gibt es die Tour zudem im Stream bei Discovery+. Auch die ARD berichtet, wochentags geht das Erste ab 14.10 Uhr auf Sendung, am Wochenende mit wechselnden Anfangszeiten. Auf sportschau.de gibt es einen Livestream.
