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Tennisstar Linda Nosková nach dem Wimbledon-Triumph: "Man muss geerdet bleiben"

Linda Nosková während der Livesport Prague Open
Linda Nosková während der Livesport Prague OpenČTK / Šimánek Vít

Die 21-jährige tschechische Tennisspielerin spricht im Flashscore-Podcast "Livesport Daily" über Selbstvertrauen ohne Mentalcoach, die Schattenseiten des Profisports und ihre Pläne abseits des Platzes.

Es sind noch nicht einmal drei Wochen vergangen, seit Linda Nosková die Sportwelt zum Strahlen brachte und das berühmte Grand-Slam-Turnier in Wimbledon gewann. Trotz des gewaltigen medialen Ansturms und zahlreicher offizieller Termine präsentiert sich die 21-jährige Tschechin nahbar, reflektiert und erstaunlich abgeklärt. Im Flashscore-Podcast Livesport Daily gewährte sie einen Einblick in ihr Seelenleben, ihre ganz persönliche mentale Philosophie und ihren Blick auf das Leben außerhalb des Tenniscourts.

Der Sieg an der Church Road hat das Leben der jungen Athletin schlagartig verändert. Dennoch blickt sie mit einer bemerkenswerten Gelassenheit auf die emotionalen Wochen zurück. Die Fülle an Eindrücken sei enorm, lässt sie durchblicken: "Es ist eine interessante Zeit. In den letzten drei Wochen gab es so viele Erlebnisse, dass man sie kaum verarbeiten kann und sich dessen gar nicht richtig bewusst wird. Aber ich bin gesund, befinde mich in einer guten Lebenssituation, habe meine Familie und ein tolles Team um mich – mir geht es also gut."

Linda Nosková mit der Trophäe in Wimbledon
Linda Nosková mit der Trophäe in WimbledonREUTERS/Toby Melville

Besonders wertvoll sei für sie die Erkenntnis gewesen, wie gut sie mit der neuartigen Belastung umgehen kann. Während das Reden über Tennis für die eher introvertierte Athletin anstrengender sei als das Spiel selbst, gab es emotionale Höhepunkte: Neben dem offiziellen Empfang bei Staatspräsident Petr Pavel berührte sie vor allem der Empfang zu Hause in Přerov zutiefst.

Verzicht auf den Mentalcoach

In einer Ära, in der Sportpsychologen und Mentalcoaches im Profisport zur Standardausrüstung gehören, geht Nosková einen konsequent eigenen Weg. Sie verzichtet bewusst auf externe mentale Wegbegleiter: "Ich nutze keinen Mentalcoach, ich denke, das Einfachste ist, sich auf sich selbst zu verlassen. Wenn man sich auf sich selbst konzentriert, nur sich selbst vertraut und keine Hilfe von außen sucht, ist das am unkompliziertesten."

Dass auch im Leben einer Wimbledonsiegerin nicht jeder Tag perfekt verläuft, verschweigt sie dabei nicht. Ein misslungenes Training oder eine Niederlage können die 21-Jährige gehörig wurmen – auch wenn sie die Verhältnisse realistisch einzuschätzen weiß.

Die aktuellen Statistiken von Linda Noskova
Die aktuellen Statistiken von Linda NoskovaFlashscore

"Im Laufe des Jahres gibt es viele Tage, an denen ich sagen würde, dass es mir nicht gut geht. Im Vergleich zu anderen 'normalen' Menschen sind das natürlich schönere und kleinere Sorgen. Trotzdem ist Tennis mein Leben, es ist der Mittelpunkt meiner Welt, und schon ein misslungenes Training kann mich richtig ärgern, sodass ich dann zu meinem Umfeld unangenehm bin."

Gelassenheit bei Hassnachrichten

Ein weiteres Thema des Gesprächs waren die Schattenseiten des Profitennis – insbesondere Anfeindungen und Drohungen durch frustrierte Wettersuchende in den sozialen Netzwerken. Nosková geht mit diesem Phänomen seit Jahren nüchtern um: "Mich betrifft das zum Glück überhaupt nicht, weil ich weiß, dass diese Leute mir das auf der Straße niemals ins Gesicht sagen würden. Solche Nachrichten bekomme ich schon seit ich dreizehn bin. Heute gehört das wirklich zum Tennis dazu."

Auch zu ihrer Haltung bezüglich der Unterstützung von Kolleginnen wie Markéta Vondroušová äußerte sich Nosková klar. Statt öffentlicher Gesten auf Instagram oder auf dem Court bevorzuge sie den direkten, persönlichen Draht hinter den Kulissen, da ihr authentische Worte von Mensch zu Mensch bedeutend wichtiger seien.

Soziales Engagement und Karrierehorizont

Für Nosková ist Tennis nicht die einzige Erfüllung im Leben, sondern auch ein Mittel zum Zweck, um Gutes zu tun. Ein Besuch in Tansania im vergangenen Jahr öffnete ihr nachdrücklich die Augen dafür, wie vergoldet und privilegiert das Leben in Europa ist. Mit den Preisgeldern und der erhöhten Aufmerksamkeit durch den Wimbledon-Triumph möchte sie verstärkt Projekte im Tier- und Naturschutz sowie die finanzielle Unterstützung für arme Kinder vorantreiben.

Auch bezüglich ihrer sportlichen Lebensdauer hat die Tschechin eine klare Vorstellung: Spätestens mit 30 Jahren soll Schluss sein mit dem Profizirkus. "Für mich ist es entscheidend, normal zu bleiben – eine Tenniskarriere ist wunderschön, aber nach ihrem Ende platzt diese Blase. Ich möchte maximal bis dreißig Tennis spielen und glaube, dass mir dank dieser Normalität der Übergang ins normale Leben nicht schwerfallen wird."