"Macht süchtig": Paris-Königin Andreeva will nachlegen – Chwalinska will "inspirieren"

Mirra Andreeva hat bei den French Open ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen.
Mirra Andreeva hat bei den French Open ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen.THOMAS SAMSON / AFP

Mirra Andrejewa hatte gerade erst ihre Hände an den silbernen Coupe Suzanne Lenglen bekommen, da dachte die frischgebackene Grand-Slam-Siegerin schon an den nächsten Neuzugang für ihren Trophäenschrank. "Ich habe das Gefühl, dass diese Sache ein bisschen süchtig macht", sagte die russische Teenagerin nach dem 6:3, 6:2 im Finale der French Open gegen die polnische Qualifikantin Maja Chwalinska: "Ich möchte wirklich mein Bestes geben, um all das ein zweites Mal zu erleben."

Andreeva möchte nicht lange auf ihren nächsten Streich warten - wie passend, dass mit Wimbledon das nächste Highlight bereits seine Schatten vorauswirft. "Ich denke jetzt schon darüber nach, wie ich mich auf die Rasenturniere vorbereite, wie ich die Rasenturniere spielen werde", sagte die 19-Jährige.

Oft habe sich Andreeva Gedanken darüber gemacht und davon geträumt, wie es sich wohl anfühlen würde, den Titel bei einem der vier großen Turniere zu gewinnen. "Ich würde sagen, dass das Gefühl im echten Leben natürlich viel besser ist als in den Träumen", sagte die kommende Nummer sechs der Welt: "Es ist einfach ein tolles Gefühl, diese Trophäe anzuschauen und zu begreifen, dass das tatsächlich wahr ist und dass ich mich als Grand-Slam-Siegerin bezeichnen kann."

Einen großen Anteil daran hat auch ihre spanische Trainerin Conchita Martínez, vor 22 Jahren Siegerin in Wimbledon. "Es ist etwas ganz Besonderes, meinen ersten Grand-Slam-Titel mit ihr zu teilen. Wir haben viel zusammen gearbeitet, auf dem Platz und abseits des Platzes", sagte Andreeva. Man habe neben "vielen schönen Momenten" auch schon "einige schwierige Zeiten durchlebt". Jetzt sei es "sehr, sehr schön, so etwas mit ihr zu teilen und zu sehen, wie glücklich sie ist".

Zum Match-Center: Maja Chwalinska vs. Mirra Andreeva

Doch nicht nur im Team Andreeva war die Freude groß. Auch Maria Sharapova, die zuvor 2014 als letzte russische Spielerin am Bois de Boulogne gewonnen hatte, meldete sich nach dem Sieg ihrer jungen Nachfolgerin. "Stolz auf dich", schrieb Sharapova bei Instagram zu einem gemeinsam Bild mit Andreeva: "Die Feier spricht für sich. Aufgeregt, aber nicht zufrieden. Das Zeichen eines Champions."

Als Qualifikantin im Finale: Chwalinska will "inspirieren"

Gegnerin Maja Chwalinska will unterdessen mit ihrer magischen Reise als positives Beispiel für andere Spielerinnen dienen. "Ich hoffe, dass meine Geschichte die letzten Tage für sie inspirierend war", sagte die 24-Jährige nach ihrer Niederlage: "Ich kenne viele, viele großartige Spieler, die außerhalb der Top 100 stehen."

Chwalinska war als Nummer 114 der Welt zum Sandplatz-Highlight nach Paris gereist. Mit drei Siegen in der Qualifikation spielte sie sich erstmals in das Hauptfeld der French Open, wo die Polin dann mit weiteren sechs Erfolgen einen sensationellen Lauf bis ins Finale hinlegte. Ab Montag belegt Chwalinska im Ranking Rang 21, zudem verlässt sie die französische Hauptstadt mit einem Preisgeld von 1,4 Millionen Euro.

"Das waren definitiv unvergessliche drei Wochen für mich. Es war eine tolle Zeit", sagte Chwalinska, die als erst zweite Qualifikantin in einem Grand-Slam-Finale gestanden hatte: "Mirra war heute die bessere Spielerin, und sie hat den Sieg verdient." Dennoch habe sie "offensichtlich alles gegeben. Ich glaube, ich kann stolz auf mich sein".

Nach ihrem überraschenden Siegeszug wolle sie nun "neue Energie tanken" und sich eine Pause gönnen. "Schon vor Roland Garros habe ich gesagt, dass ich nach dem Turnier Urlaub brauche", sagte Chwalinska. Auf Rasen wolle sie dieses Jahr nur beim Klassiker in Wimbledon antreten.

Trotz der Finalteilnahme in Paris ist ihr ein Hauptfeld-Platz an der Church Road noch nicht sicher, beim Cut-off lag sie im Ranking zu schlecht. Eine Wildcard, mit der sie sich die erneute Qualifikation sparen würde, "wäre die Nachricht des Jahrhunderts", sagte Chwalinska: "Ich rechne nicht damit, mal sehen. Ich werde es als Herausforderung betrachten."