"Die Chance meines Lebens": Cobolli fordert Zverev im French-Open-Finale

Flavio Cobolli jubelt nach seinem Viertelfinalsieg gegen Kanadas Felix Auger-Aliassime.
Flavio Cobolli jubelt nach seinem Viertelfinalsieg gegen Kanadas Felix Auger-Aliassime.Reuters / Benoit Tessier

Flavio Cobolli stand in den letzten Jahren meist im Schatten seines berühmten Landsmanns Jannik Sinner. Doch am Sonntag im Finale der French Open richtet sich das Scheinwerferlicht im Stade Roland Garros voll und ganz auf die italienische Nummer drei.

Der 24-jährige Cobolli trifft im ersten Grand-Slam-Finale seiner Karriere auf Alexander Zverev. Sein großes Ziel: Besser abzuschneiden als Sinner im vergangenen Jahr und als erster Italiener seit Adriano Panatta 1976 die Coupe des Mousquetaires in den Pariser Himmel zu stemmen. Nachdem die Nummer eins der Welt, Sinner, überraschend bereits in der zweiten Runde die Segel streichen musste, ist das Herrenfeld in Paris völlig offen.

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Cobolli, an Nummer zehn gesetzt, bezeichnete das Turnier nach seinem Viertelfinal-Sieg gegen Felix Auger-Aliassime als "die Chance meines Lebens". Im Halbfinale profitierte er anschließend von der krankheitsbedingten Absage seines Landsmanns Matteo Arnaldi und zog kampflos ins Endspiel ein. Unabhängig vom Ausgang des Finals steht fest: Dank seines sensationellen Laufs in Paris wird Cobolli am Montag erstmals in die Top 10 der Weltrangliste einziehen.

Cobollis Karriere-Statistiken auf der Tour
Cobollis Karriere-Statistiken auf der TourFlashscore (photo by REUTERS/Benoit Tessier)

"Ich bin wirklich glücklich über das Ergebnis, das ich diese Woche erreicht habe", freute sich Cobolli, der 2020 bereits den Junioren-Doppel-Titel bei den French Open gewinnen konnte.

Besonders emotional war der Moment, als der Sprung in die Weltspitze perfekt war: "Mein Vater kam zu mir... und wir haben uns gemeinsam mit dem ganzen Team umarmt. Jedes Mal, wenn ich ein neues Karriere-High erreiche, gibt es eine große Umarmung für alle."

Auch wenn Cobolli bislang nicht die ganz großen Erfolge eines Jannik Sinner oder der aktuellen italienischen Nummer zwei Lorenzo Musetti vorweisen konnte – am Sonntag kann er Geschichte schreiben. Nach seinen Sandplatz-Titeln in Hamburg und Bukarest im Vorjahr sowie dem Hartplatz-Triumph in Acapulco zu Beginn dieser Saison fehlt nur noch der ganz große Coup für die Geschichtsbücher.

Zwischen Fußballplatz und Center Court

Dabei war Tennis nicht immer Cobollis einzige Leidenschaft. Geboren 2002 in Florenz, verbrachte er seine Kindheit in Rom und kickte erfolgreich in der Nachwuchsakademie seines Herzensvereins AS Rom.

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"Als Kind mochte ich Fußball sogar mehr als Tennis", gibt er offen zu. Am Ende entschied er sich dennoch für den Einzelsport, bei dem er sich nur auf sich selbst und seinen Vater und Trainer Stefano Cobolli – ebenfalls ein ehemaliger Tennisprofi – verlassen musste.

"Ich spiele einfach nicht gerne im Team – es sei denn im Davis Cup. Deshalb habe ich mit dem Fußball aufgehört. Wenn ich Tennis spiele, spüre ich ganz andere Emotionen und fühle mich einfach wohler." Ein begeisterter Fußballfan ist er trotzdem geblieben: Nach seinem Achtelfinalsieg gegen Zachary Svajda kehrte er sogar noch einmal auf den Court Philippe Chatrier zurück, um Stars von Paris Saint-Germain wie Ousmane Dembélé zu treffen und für ein Selfie mit dem Champions-League-Pokal zu posieren.

Der Dusch-Aberglaube à la Rafael Nadal

Neben seinem Talent bringt Cobolli auch eine ordentliche Portion Aberglaube mit nach Paris. "Ich bin ein bisschen abergläubisch, aber nicht verrückt", scherzte er. "Aber diese Woche bin ich etwas extremer als sonst. Ich gehe immer ins gleiche Restaurant, bestelle das gleiche Gericht und nutze immer dieselbe Dusche."

Zverev vs Cobolli – Die letzten vier Duelle
Zverev vs Cobolli – Die letzten vier DuelleFlashscore

Letzteres ist kein Zufall, sondern geschichtsträchtig: Es handelt sich um die bevorzugte Kabine von French-Open-Rekordsieger Rafael Nadal.

"Ich habe die gleiche Dusche wie Rafa benutzt, weil ich da diese eine Erinnerung im Kopf hatte: Ich war gerade drin, als er anklopfte. Ich musste mich beeilen, weil er auf mich gewartet hat", erzählte Cobolli schmunzelnd. "Er hat mir damals erzählt, dass das seit 14 Jahren seine Dusche sei."

Sollte Cobolli am Sonntag tatsächlich seinen ersten Grand-Slam-Titel holen, könnte es im nächsten Jahr bei der Mission Titelverteidigung eng werden im Pariser Sanitärtrakt – denn dann hat auch der Italiener ein Anrecht auf die Gewinner-Dusche.