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Grand Départ in Deutschland? Tour-de-France-Direktor Prudhomme hat "große Lust"

Tour-Direktor Christian Prudhomme steht einem Etappenstart in Deutschland positiv gegenüber.
Tour-Direktor Christian Prudhomme steht einem Etappenstart in Deutschland positiv gegenüber.REUTERS/Stephanie Lecocq

Tadej Pogacar rast am Checkpoint Charlie vorbei, die Sprintelite liefert sich ein heißes Finale am Brandenburger Tor - und die Berliner Prachtstraße Unter den Linden fungiert als deutsche Champs-Élysées. Die Vorstellungen eines Grand Départs der Tour de France in Deutschland sorgen auch in der Chefetage der Veranstalter für große Begeisterung. Die Rückkehr der Frankreich-Rundfahrt in die Bundesrepublik könnte tatsächlich Realität werden.

"Ich habe große Lust, dass wir bald wieder nach Deutschland zurückkehren", sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme am Rande des furiosen Finals des wichtigsten Radrennens der Welt in Paris in der ARD. "Natürlich" gebe es die Möglichkeit eines Starts in Deutschland, "ich hoffe, dass wir bald zu einem Abschluss kommen."

Seit Jahren arbeitet der Verein Grand Départ Allemagne (GDA) daran, den Grand Départ 2029 nach Deutschland zu holen. 40 Jahre nach dem Mauerfall soll die Große Schleife in der Hauptstadt beginnen und anschließend durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führen. Auch der deutsche Verband German Cycling sitzt im Boot, die Politik soll ebenso unterstützen.

Die offizielle Bewerbung wurde am 30. Juni eingereicht. Die Initiatoren rechnen mit zwölf Millionen Besuchern, sie erhoffen sich zudem einen wirtschaftlichen Mehrwert von rund 150 Millionen Euro. Aber: Auch Slowenien, das vor allem auf Zugpferd Pogacar setzt, und Tschechien mit Prag, das sich auch aufgrund des Tour-Sponsors Skoda Chancen auf den Zuschlag ausrechnet, bieten mit. Dem Vernehmen nach favorisieren die Tour-Macher der A.S.O. aber Deutschland.

Vorgeschmack an der deutschen Grenze

"Sie wissen, dass die Tour und ich selbst ein sehr großes Interesse daran haben, dass wir wieder nach Deutschland zurückkehren, noch mehr natürlich für einen Grand Départ", sagte Prudhomme. Frankreich und Deutschland hätten eine entscheidende Bedeutung für Europa: "Bei der Tour ist die wichtigste Sache die Berücksichtigung des Sports. Aber es gibt eben nicht nur das. Es gibt auch die Geschichte, es gibt die Geografie und die Freundschaft zwischen den Völkern."

Zusätzlichen Rückenwind erhielt die deutsche Bewerbung in den Vogesen, als das Peloton auf der 14. Etappe im Elsass bis nah an die deutsche Grenze gerollt war und Tausende deutsche Fans die Strecke gesäumt hatten. "Es hat mich sehr beeindruckt", sagte Prudhomme.

Auch unter den deutschen Profis findet die Idee Anklang. "Man hat gesehen, wie begeistert die deutschen Fans sind", sagte Florian Lipowitz, der einen Grand Départ in der Heimat begrüßen würde: "Als deutscher Fahrer wäre das natürlich ein Mega-Erlebnis, die Tour in Deutschland zu starten."

2027 beginnt die Rundfahrt in Edinburgh, Liverpool und Cardiff. Nach der Champagne 2028 ist 2029 wieder ein Auslandsauftakt vorgesehen. Insgesamt fand der Tour-Start bisher vier Mal in Deutschland statt, letztmals vor neun Jahren in Düsseldorf. Zuvor waren Köln (1965), Frankfurt/Main (1980) und West-Berlin (1987) Gastgeber. 42 Jahre später könnte die Hauptstadt wieder Schauplatz werden.