"Wer Fußballplätze in Schlachtfelder verwandelt, ist kein Fan. Da gibt es von uns null Toleranz. So werden wir diese Typen auch behandeln - es sind Kriminelle", kommentierte Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel im SWR die schlimmen Szenen rund um das 1:0 nach Verlängerung für den Zweitligisten aus Kaiserslautern beim benachbarten Drittligisten. Doch obwohl Hagel die Klubs bei der Stadionsicherheit in der Verantwortung sieht, will er keine Rechnungen schreiben: "Durch unsere Stadionallianzen gehen Kosten und Gewalt zurück. Diesen Weg werden wir weitergehen."
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Das sehen allerdings nicht nur diverse Kollegen Hagels aus anderen Bundesländern ganz anders. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangt, dass das Geld bei den Klubs eingetrieben werden - wie es mittlerweile höchstrichterlich erlaubt ist. "Die Vereine müssen die Kosten für die Polizeieinsätze zwingend übernehmen", sagte Andreas Roßkopf, der GdP-Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, der Rheinischen Post. Die Vorkommnisse seien unerträglich: "Geldstrafen reichen hier nicht mehr aus. Ein Spielabbruch sowie das Disqualifizieren aus dem DFB-Pokal wären aus unserer Sicht die richtige Konsequenz gewesen."
DFB prüft Sanktionen gegen beide Klubs
Obwohl es aufgrund des massiven Polizeieinsatzes im Stadion mit berittenen Beamten sowie Hunden und der Umsicht von Schiedsrichter Robert Schröder nicht zum Abbruch kam, ist der Ausschluss vom laufenden oder künftigen Wettbewerb genau wie andere heftige Sanktionen längst nicht vom Tisch. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ermittelt längst in der Angelegenheit. Neben horrenden Geldstrafen scheinen zumindest Zuschauer-Ausschlüsse für künftige Partien sicher.
Abstruse Schuldzuweisungen sowie verharmlosende Aussagen diverser Spieler und Vereinsvertreter im Nachgang dürften die Lage für beide Klubs nicht verbessern. Immerhin FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen hatte das Ausmaß der eskalierten Gewalt erkannt und zeigte sich entsprechend entsetzt: "Was auf den Rängen abgegangen ist, war furchtbar – von beiden Seiten. So ein Derby darf nicht ausarten, das schadet uns und dem Fußball."
Sportlicher Sieg gerät völlig in den Hintergrund
Was Hengen zuvor gesehen hatte, waren purer Hass und Gewalt. Gegenstände flogen, Raketen wurden in Richtung der Spieler sowie in die Zuschauer geschossen, ein Platzsturm musste vom massiven Polizeiaufgebot verhindert werden. Rund eine halbe Stunde war die Partie vor der Verlängerung unterbrochen. Auch in der Stadt herrschte Ausnahmezustand. Wasserwerfer wurden aufgefahren, Kitas in Stadionnähe frühzeitig geschlossen, der Verkehr brach stellenweise zusammen.
Am Ende stand der Polizeibericht, in dem es unter anderem um Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Landfriedensbruch, tätliche Angriffe auf Polizeibeamte sowie Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz ging - in den Fußball-Chroniken zukünftig zusammengefasst unter der Überschrift "Schande von Mannheim".
